Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten

  • Was ist ein Repogeschäft?

    Mit dem Repogeschäft steuert die Schweizerische Nationalbank die Liquidität im Finanzsystem und damit die Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität. Davon zu unterscheiden sind Repogeschäfte in Fremdwährungen, welche die Nationalbank zur Bewirtschaftung der Devisenanlagen einsetzt (Fragen und Antworten zur Verwaltung der Anlagen) sowie Repogeschäfte im Rahmen von Devisenswaps zur Versorgung von Gegenparteien der Nationalbank mit Fremdwährungen (Fragen und Antworten zu den Devisenswaps). Repogeschäfte sind befristet und weisen in der Regel Laufzeiten zwischen einem Tag (Overnight) und maximal einem Jahr auf. Je nach den geldpolitischen Bedürfnissen und der Liquiditätssituation am Geldmarkt schliesst die Nationalbank liquiditätszuführende oder liquiditätsabschöpfende Repogeschäfte ab. Im ersten Fall kauft die Nationalbank von einer Gegenpartei Wertschriften und schreibt der Gegenpartei den entsprechenden Geldbetrag in Franken auf ihrem Girokonto bei der Nationalbank gut. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Nationalbank am Ende der Laufzeit der Bank Wertschriften gleicher Gattung und Menge wieder verkauft. Für den befristeten Frankenkredit, der mit Wertschriften gedeckt ist, wird ein Zins, der Reposatz, verrechnet. Das liquiditätsabschöpfende Repogeschäft (Reverse Repo) läuft umgekehrt: Die Nationalbank verkauft der Bank Wertschriften und belastet den entsprechenden Geldbetrag dem Girokonto der Bank. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Nationalbank die Wertschriften am Ende der Laufzeit zurückkauft. Für die Dauer des Geschäfts wird ein Zins, der Reposatz, bezahlt. Nach diesem Prinzip schliessen Banken auch untereinander Repogeschäfte ab (besicherter Interbankenmarkt), um ihr Liquiditätsmanagement zu optimieren und Liquidität zu bewirtschaften.

  • Welche Rolle spielten die Repogeschäfte der Nationalbank in der Vergangenheit?

    Die umfangreichen Devisenkäufe der Nationalbank in den Jahren 2009 und 2010 führten zu einem erheblichen Liquiditätsüberschuss im Bankensystem. Als Folge davon basierte die Liquiditätssteuerung zwischen Juli 2010 und August 2011 auf einer wiederkehrenden Abschöpfung der Überschussliquidität mittels liquiditätsabschöpfender Repogeschäfte und regelmässiger Emissionen von SNB Bills. Die starke Überbewertung des Frankens führte Mitte 2011 erneut zu einem Wechsel in der Liquiditätssteuerung: Die Nationalbank setzte unter anderem Repogeschäfte ein, um die geldpolitisch erforderliche massive Erhöhung der Liquidität zu erreichen und danach die Liquidität auf einem ausserordentlich hohen Stand zu halten. Die zur Sicherstellung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro (in Kraft vom 6. September 2011 bis 15. Januar 2015) getätigten Devisenkäufe führten zu einer nochmaligen Ausweitung der Liquidität am Frankengeldmarkt. Daher erneuerte die Nationalbank im Juni 2012 die letzten noch ausstehenden Repogeschäfte nicht mehr.

  • Welche Rolle spielen die Repogeschäfte der Nationalbank aktuell?

    Bei der Berechnung des Negativzinses gewährt die SNB Freibeträge, deren Höhe sie anpassen kann. Im Zusammenhang mit der Reaktion des Marktes auf die Anpassung der Freibeträge per 1. November 2019 bzw. 1. April 2020 tätigte die Nationalbank Repogeschäfte, um sicherzustellen, dass die kurzfristigen besicherten Geldmarktsätze in Franken nahe am SNB-Leitzins bleiben. Sie führte dabei mittels Repogeschäften auf bilateraler Basis (Feinsteuerungsoperationen) im Tagesgeldbereich bzw. Repo-Auktionen in längeren Laufzeiten Liquidität zu, um einem übermässigen Anstieg des SARON entgegenzuwirken respektive die Annäherung des SARON an den SNB-Leitzins zu unterstützen.

  • Wie viel verdient die Nationalbank mit dem Repogeschäft?

    Die Nationalbank setzt Repogeschäfte zur Umsetzung der Geldpolitik ein. Zu keinem Zeitpunkt werden sie mit dem Ziel abgeschlossen, Erträge zu erwirtschaften. Mit Repogeschäften wird die Liquidität gesteuert und das Zinsgefüge beeinflusst. Dabei muss, je nach Marktkonstellation und den geldpolitischen Bedürfnissen, ein Zins von den teilnehmenden Finanzmarktakteuren oder der Nationalbank bezahlt werden.

  • Wer ist bei den Repogeschäften als Geschäftspartner der Nationalbank zugelassen?

    Grundsätzlich sind alle in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein domizilierten Banken zu den geldpolitischen Operationen der Nationalbank zugelassen. Andere inländische Finanzmarktteilnehmer wie Versicherungen sowie Banken mit Sitz im Ausland können zu den geldpolitischen Operationen zugelassen werden, sofern dafür ein geldpolitisches Interesse besteht und sie zur Liquidität am besicherten Frankengeldmarkt beitragen.

  • Wie und zu welchen Konditionen schliesst die Nationalbank ihre Repogeschäfte ab?

    Repogeschäfte können im Rahmen von Auktionen oder bilateralen Geschäften durchgeführt werden. Traditionell werden sie täglich auf einer elektronischen Handelsplattform auktioniert. Die Nationalbank gibt dabei den Reposatz vor, zu dem sie Liquidität abgibt bzw. abschöpft. Geschäftspartner der Nationalbank am Reposystem können dann eine Offerte einreichen. Die Platzierung von Angeboten bzw. die Annahme von Offerten für Repogeschäfte auf der elektronischen Handelsplattform ermöglicht es der Nationalbank überdies, ausserhalb der Auktionen mit bilateralen Repogeschäften jederzeit auf die Zinssätze am Geldmarkt einzuwirken. Ab November 2019 setzte die Nationalbank im Rahmen der Feinsteuerung bilaterale Repogeschäfte und ab Juli 2020 Repo-Auktionen ein, um dem Anstieg des SARON entgegenzuwirken. Die Nationalbank schliesst ihre Repogeschäfte über die elektronische Handelsplattform CO:RE der SIX Repo AG ab.

  • Wie entscheidet die Nationalbank, welche Offerten berücksichtigt werden?

    Die Repoauktionen erfolgen in der Regel in Form eines Mengentenders. Dabei reicht jeder Geschäftspartner zu einem von der Nationalbank vorgegebenen Reposatz den Betrag ein, für den er Liquidität abgeben bzw. nachfragen will. Übersteigt der Gesamtbetrag aller Offerten das von der Nationalbank festgelegte Zuteilungs- bzw. Abschöpfungsvolumen, kürzt sie die angebotenen Beträge proportional. Ansonsten erfolgt eine Vollzuteilung bzw. Vollabschöpfung. Die Höhe des Reposatzes, das Volumen und die Laufzeit der Geschäfte richten sich dabei nach den geldpolitischen Erfordernissen der Liquiditätssteuerung.

  • Weshalb vergibt die Nationalbank nur besicherte Kredite?

    Aus ökonomischer Sicht handelt es sich bei Repos um Kreditgeschäfte. Solche Geschäfte darf die Nationalbank gemäss Art. 9 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank (NBG) nur dann mit Banken und anderen Finanzmarktteilnehmer abschliessen, wenn für die Darlehen ausreichend Sicherheiten geleistet werden. Damit sichert sich die Nationalbank gegen Verluste ab.

  • Was heisst "ausreichende Sicherheiten"?

    Als SNB-repofähige Effekten (Wertschriften) gelten festverzinsliche, in Franken und Fremdwährung denominierte Schuldverschreibungen, in der Regel ohne Emissionen von Finanzinstituten. Die Nationalbank setzt im internationalen Vergleich traditionell hohe Mindestanforderungen an die Bonität und Marktfähigkeit von Wertschriften. Die Anforderungen an das Rating stützen sich auf die Bonitätsbeurteilung der internationalen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Als SNB-repofähig gelten diejenigen Wertschriften, für die das zweitbeste Rating mindestens AA-/Aa3 beträgt. Liegt für eine Wertschrift nur eine Bonitätsbeurteilung vor, ist diese ausschlaggebend. Für schweizerische öffentlich-rechtliche Körperschaften, die kein Rating einer internationalen Agentur aufweisen, kann die Einstufung der Ratingagentur Fedafin berücksichtigt werden. Zudem sollen die Effekten ein Mindestvolumen aufweisen. Für das Mindestvolumen ist der ausstehende Betrag in Emissionswährung massgebend. Folgende Fremdwährungen sind gegenwärtig zugelassen: Euro, US-Dollar, Pfund Sterling, dänische, schwedische und norwegische Krone. Mehr als 90% des SNB-repofähigen Volumens sind in Fremdwährungen denominiert. Es müssen daneben weitere Kriterien erfüllt sein (Merkblatt zu den SNB-repofähigen Effekten). Die von der Nationalbank akzeptierten Wertschriften finden sich im Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten (SNB GC Basket). Ausserhalb der Repogeschäfte - beispielsweise im Rahmen der SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität - kann die Nationalbank auch andere Sicherheiten akzeptieren.

  • Wie hoch ist das Volumen an SNB-repofähigen Effekten?

    Das täglich aktualisierte Volumen an SNB-repofähigen Effekten kann auf der Website der Nationalbank nachgeschaut werden. Die Nationalbank unterhält das "Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten" und publiziert täglich eine aktualisierte Version. Zusätzlich zum Verzeichnis führt die Nationalbank ein File mit den Mutationen im SNB GC Basket. Auch dieses File wird täglich aktualisiert und weist die Aufnahmen, Ausschlüsse und Verfälle der letzten zwölf Monaten aus. Ausserdem kann über die Effekten- und die Mutationen-Abfrage gezielt die SNB-Repofähigkeit von Effekten überprüft, respektive nach Neuaufnahmen (New), Ausschlüssen (Exclusion) oder Verfällen (Redemption) von Effekten im SNB GC Basket gesucht werden. Ende 2020 belief sich das in Franken umgerechnete Volumen an SNB-repofähigen Wertschriften auf 10,8 Bio. Franken.

  • Warum stützt sich die Nationalbank für ihre Auswahl an Sicherheiten auf externe Ratings?

    Die Bonitätsbeurteilungen der Agenturen stellen die Grundlage für die Bewertungen dar. Eine eigene systematische Analyse der Emittenten wäre angesichts der Zahl der Wertschriften sehr aufwendig. Die Ratings werden auch am Anleihenmarkt als Basis verwendet. Die Nationalbank kann aber bei Bedarf - zusätzlich zu den Ratings der Agenturen - weitere Indikatoren für die Beurteilung der Repofähigkeit von Wertschriften heranziehen.

  • Was passiert, wenn ein Schuldtitel die SNB-Repofähigkeit verliert?

    Die Nationalbank setzt ihre Effektenpolitik konsequent um und publiziert täglich die Mutationsliste für das Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten. Schuldtitel, welche die SNB-Repofähigkeit verlieren, werden umgehend aus dem Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten entfernt. Banken oder andere Finanzmarktteilnehmer, die solche Wertschriften in einem Repogeschäft mit der Nationalbank als Sicherheit gestellt haben, müssen diese innert nützlicher Frist durch andere, weiterhin SNB-repofähige Wertschriften ersetzen.

  • Was geschieht, wenn die als Sicherheit gelieferten Wertschriften trotz der Zulassungskriterien innert kurzer Zeit massiv an Wert einbüssen?

    Während der Laufzeit von Repogeschäften können sich durch Kursschwankungen der Marktpreise der Wertschriften und der Währungen Wertveränderungen ergeben. Das System ermittelt zweimal täglich die daraus resultierenden Wertdifferenzen und generiert automatisch den entsprechenden Wertausgleich. Dieser Ausgleich erfolgt normalerweise mittels Übertrag von Wertschriften. Stehen keine Wertschriften zur Verfügung, wird eine Belastung des entsprechenden Nationalbank-Girokontos veranlasst. Dadurch wird das Risiko für die Nationalbank minimiert und die Stabilität des Repomarkts erhöht.

  • Wie wichtig ist die SNB-Repofähigkeit von Wertschriften für die Banken?

    SNB-repofähige Wertschriften spielen eine zentrale Rolle für den besicherten Interbankenmarkt für Frankenliquidität. Die zwischen den Finanzmarktteilnehmern über das Reposystem abgeschlossenen Transaktionen werden fast ausschliesslich durch SNB-repofähige Wertschriften gedeckt. Folglich können sämtliche Neuerungen in der Effektenpolitik der Nationalbank auch einen Einfluss auf den Interbanken-Repomarkt haben. SNB-repofähige Wertschriften gelten ausserdem als qualitativ hochwertige, liquide Aktiven gemäss der neuen Liquiditätsverordnung.

  • Wie hoch ist das ausstehende Volumen am Repomarkt sowie am unbesicherten Interbankenmarkt?

    Im Jahr 2020 betrug der ausstehende Betrag an geldpolitischen Repogeschäften der Nationalbank im Durchschnitt 4,1 Mrd. Franken. Am besicherten Interbankenmarkt der SIX im Frankensegment lag das durchschnittliche ausstehende Volumen 2020 bei rund 42 Mrd. Franken, am unbesicherten Interbankenmarkt wird das entsprechende Volumen deutlich tiefer geschätzt. Bereits 2008 war es im Zuge der Finanzkrise es zu einer ersten Verlagerung weg vom unbesicherten hin zum besicherten Geldmarkt gekommen. Im Zuge der massiven Liquiditätsausweitung im August 2011 brach der Umsatz im Tagesgeld am besicherten und unbesicherten Frankengeldmarkt ein. Danach erholte sich die Aktivität am besicherten Geldmarkt leicht, während der unbesicherte Geldmarkt stagnierte. Die Erhebung des Negativzinses durch die Nationalbank seit Anfang 2015 führte zu einer Belebung der Umsätze. Institute, deren Sichtguthaben bei der Nationalbank über ihrem Freibetrag lagen, reduzierten diese u.a. mittels Repogeschäfte, während andere, die ihren Freibetrag nicht ausgeschöpft hatten, ihre Sichtguthaben erhöhten. Die Revision des Freibetragsregimes per 1. November 2019 und die Erhöhung des Freibetragsfaktors per 1. April 2020 führten zu einer deutlichen Belebung der Handelsaktivität am Repomarkt.

  • Was sind SNB Bills?

    SNB Bills sind verzinsliche Schuldverschreibungen der Nationalbank in Franken, die erstmals im Herbst 2008 emittiert wurden. Die Nationalbank kann mit der Emission von SNB Bills Frankenliquidität temporär vom Markt abschöpfen. Der in der SNB-Bills-Emission zugeteilte Betrag wird von den Girokonten der Banken bei der Nationalbank abgezogen, bei der Nationalbank erhöht sich der Passivposten "Eigene Schuldverschreibungen". Die Laufzeit von SNB Bills beträgt höchstens 12 Monate. SNB Bills sind SNB-repofähig, sie können somit bei den Repogeschäften als Sicherheiten eingesetzt werden. SNB Bills können wie andere Geldmarktpapiere am Sekundärmarkt gehandelt werden. Weitere Informationen finden sich unter SNB Bills.

  • Über welches Auktionsverfahren werden SNB Bills emittiert?

    Die Auktionen von SNB Bills erfolgen in der Regel in Form eines Zinstenders mit amerikanischem Zuteilungsverfahren. An einer Auktion können sämtliche Parteien teilnehmen, die über ein Girokonto bei der Nationalbank verfügen und die als Teilnehmer sowohl am "CH Repo Markt" als auch am "OTC Spot Markt" der SIX Repo AG zugelassen sind. Die Teilnehmer reichen dabei mittels Offerten den Betrag und den Preis (Zinssatz) ein, zu denen sie bereit sind, Liquidität abzugeben. Jeder Geschäftspartner kann beliebig viele Offerten, auch mit unterschiedlichen Zinssätzen, einreichen. Die Nationalbank bezieht die Liquidität von denjenigen Teilnehmern, die unter dem bzw. beim höchsten von der Nationalbank akzeptierten Zinssatz geboten haben, wobei sie den Teilnehmern jeweils denjenigen Zinssatz bezahlt, den diese in ihrer Offerte genannt haben. Offerten, die unter dem höchsten akzeptierten Preis liegen, werden vollständig berücksichtigt. Wenn der Totalbetrag der Offerten mit dem höchsten akzeptierten Preis den verbleibenden Abschöpfungs- bzw. Zuteilungsbetrag übersteigt, wird dieser anteilig auf die Teilnehmer mit den entsprechenden Offerten nach Massgabe des Verhältnisses zwischen verbleibendem Abschöpfungs- bzw. Zuteilungsbetrag und dem Totalbetrag dieser Offerten aufgeteilt. Offerten, die über dem höchsten von der Nationalbank akzeptierten Preis liegen, werden nicht berücksichtigt.

  • Wofür kann die Nationalbank die SNB Bills einsetzen?

    Die Emission von SNB Bills ermöglicht der Nationalbank, rasch und in grossem Umfang Liquidität abzuschöpfen. Die Nationalbank kann SNB Bills auch über den Sekundärmarkt zurückkaufen, um so bei Bedarf die Liquidität im Finanzsystem zu erhöhen. Von Mitte 2010 bis Mitte 2011 hat die Nationalbank SNB Bills emittiert, um Überschussliquidität abzuschöpfen. Ab August 2011 hat die Nationalbank im Zuge der massiven Liquiditätsausweitung keine SNB Bills mehr emittiert, auslaufende SNB Bills nicht erneuert sowie ausstehende SNB Bills zurückgekauft. Die letzten SNB Bills wurden Anfang Juli 2012 fällig und zurückbezahlt.

  • Wofür setzt die Nationalbank Devisengeschäfte als geldpolitisches Instrument ein?

    Zur Erfüllung der geld- und währungspolitischen Aufgaben kann die Nationalbank an den Finanzmärkten Fremdwährungen gegen Franken kaufen und verkaufen. Um der übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken, stellte die Nationalbank vom 6. September 2011 bis zum 15. Januar 2015 einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro sicher. Die Nationalbank nahm auch nach der Aufhebung des Mindestkurses bei Bedarf Einfluss auf die Wechselkursentwicklung. 2020 erwarb sie im Jahresverlauf Fremdwährungen im Gegenwert von insgesamt 109,7 Mrd. Franken. Die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, reduziert den Aufwertungsdruck auf den Franken: Die Markterwartungen werden durch die Interventionsbereitschaft beeinflusst, was sich auf Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt und somit auf den Wechselkurs auswirkt. Die Nationalbank entscheidet unter Berücksichtigung der Marktverhältnisse, ob und wie stark interveniert werden soll. Ein Bedarf für Devisenmarktinterventionen entsteht vor allem in Phasen hoher Unsicherheit, in denen der Franken als sichere Anlage besonders gesucht ist. So war der Aufwertungsdruck aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronakrise im ersten Halbjahr 2020 besonders gross, was Interventionen im Umfang von 90 Mrd. Franken erforderte.

    Die im Rahmen von Devisengeschäften gekauften Devisen werden als Teil der Devisenanlagen bilanziert, die verkauften Franken werden den Girokonten der Banken gutgeschrieben. Im Gegensatz zu anderen geldpolitischen Instrumenten (z.B. Repogeschäfte und Devisenswaps) sind Devisengeschäfte unbefristeter Natur, d.h., die Bilanz der Nationalbank verändert sich permanent. Neben der Geldpolitik kommen Devisengeschäfte auch im Rahmen der Bewirtschaftung der Devisenreserven zum Einsatz. Diese sind jedoch nicht Devisengeschäfte gegen Franken und somit geldpolitisch neutral.

  • Wo sind die aktuellsten Daten zum Einsatz der geldpolitischen Instrumente zu finden?

    Die SNB publiziert bei den Geldmarktoperationen jeweils am Monatsende Informationen über Konditionen und Volumen zu den einzelnen geldpolitischen Geschäften des Vormonats. Bei den Devisenmarktoperationen gibt sie jeweils am Quartalsende das Interventionsvolumen des Vorquartals bekannt. Die entsprechenden Zahlen sind im Datenportal der SNB zu finden (Geldmarktgeschäfte und Devisengeschäfte).

  • Was sind Negativzinsen?

    Wenn der geldpolitische Zins bereits bei null liegt, die Geldpolitik aber weiter gelockert werden soll, kann eine Zentralbank die Zinsen in den negativen Bereich senken. Die Nationalbank kündigte am 18. Dezember 2014 die Einführung eines Negativzinses auf Sichtguthaben, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer auf den Girokonten bei ihr halten, an. Der Negativzins wird seit dem 22. Januar 2015 erhoben, und entspricht zurzeit dem SNB-Leitzins von -0,75%. Der Negativzins dient dazu, die Attraktivität von Frankenanlagen zu reduzieren und so dem Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. Die SNB gewährt jedem Kontoinhaber einen individuellen Freibetrag, der nicht dem Negativzins unterliegt. Damit soll erreicht werden, dass das Bankensystem nicht unnötig belastet wird. Bei inländischen Banken beträgt der Freibetrag seit 1. April 2020 das 30-fache des Dreijahresdurchschnitts des Mindestreserveerfordernisses. Für Kontoinhaber, die nicht mindestreservepflichtig sind, beläuft sich der Freibetrag auf mindestens 10 Mio. Franken (Merkblatt Negativzins auf Girokontoguthaben). Im Jahr 2020 beliefen sich die Erträge aus dem Negativzins für die SNB auf 1,4 Mrd. Franken.

  • Was hat es mit dem Mindestreserveerfordernis auf sich?

    Die im Nationalbankgesetz verankerte Mindestreservepflicht sichert eine minimale Nachfrage der Banken nach Notenbankgeld und erfüllt damit einen geldpolitischen Zweck. Zu den anrechenbaren Aktiven in Franken zählen die Umlaufmünzen, die Banknoten und die Sichtguthaben (Giroguthaben) bei der Nationalbank. Das Mindestreserveerfordernis beträgt derzeit 2,5% der massgeblichen Verbindlichkeiten. Diese berechnen sich als Summe aus kurzfristigen (bis 90 Tage), auf Franken lautenden Verbindlichkeiten und 20% der Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform. Erfüllt eine Bank das Mindestreserveerfordernis nicht, so hat sie der SNB den Fehlbetrag für die Anzahl Tage der jeweiligen Unterlegungsperiode zu verzinsen. Weil aufgrund der Geldpolitik der letzten Jahre das Bankensystem sehr reichlich mit Liquidität versorgt ist, halten die Banken derzeit ein Vielfaches der gesetzlichen Mindestreservevorschriften. Die Mindestreserven bilden seit der Erhebung des Negativzinses im Januar 2015 die Grundlage für die Bemessung der Freibeträge mindestreservepflichtiger Girokontoinhaber (inländische Banken).

  • Was ist die SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität?

    Im März 2020 schuf die Nationalbank die SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität (CRF). Es handelt sich um eine temporäre stehende Fazilität zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Die Fazilität erlaubt es den Banken, gegen Hinterlegung von Unternehmenskrediten von der Nationalbank Liquidität in Form eines gedeckten Darlehens zu beziehen. Als Sicherheiten zugelassen sind Unternehmenskredite, die im Zuge der Pandemie von Bund und/oder den Kantonen garantiert werden. Die Nationalbank kann auch weitere Sicherheiten zur Deckung zulassen. Ende 2020 bezogen die Banken über die CRF von der SNB Liquidität im Umfang von 11,2 Mrd. Franken. Genauere Informationen zur CRF finden sich im entsprechenden Merkblatt.

  • Welche weiteren geldpolitischen Instrumente hat die Nationalbank in den vergangenen Jahren eingesetzt?

    2009 intervenierte die Nationalbank mittels des Einsatzes weiterer Instrumente gleichzeitig am Geld-, Devisen- und Kapitalmarkt, wobei sie das Ziel verfolgte, starke und breit abgestützte geldpolitische Impulse auszulösen. 2009 kaufte die Nationalbank am Kapitalmarkt Frankenobligationen privater Schuldner. Diese sind im Jahr 2010 vollständig verkauft oder wegen Fälligkeit zurückgezahlt worden.