Fragen und Antworten zur Umsetzung der Geldpolitik

  • Wie setzt die Nationalbank ihre Geldpolitik um?

    Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik legt die Schweizerische Nationalbank den SNB-Leitzins fest. Der SNB-Leitzins bildet neben der Definition der Preisstabilität und der bedingten Inflationsprognose das dritte Element im geldpolitischen Konzept (Fragen und Antworten zur geldpolitischen Strategie). Die Nationalbank strebt an, die besicherten kurzfristigen Geldmarktsätze in Franken nahe am SNB-Leitzins zu halten. Der aussagekräftigste dieser Geldmarktsätze ist heute der SARON.

  • Seit wann erhebt die SNB einen Negativzins?

    Der Negativzins wird seit dem 22. Januar 2015 erhoben, wobei die SNB den Banken Freibeträge gewährt (Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten). Der Negativzins entspricht zurzeit dem SNB-Leitzins.

  • Was ist der SARON?

    Der SARON (Swiss Average Rate Overnight) ist ein besicherter Tagesgeldzins und basiert auf dem liquidesten Segment am Frankengeldmarkt. Er beruht auf abgeschlossenen Transaktionen und handelbaren Preisstellungen (Quotes) am Interbanken-Repomarkt. In den letzten Jahren hat der SARON in der Schweiz als Referenzzinssatz für Finanzprodukte an Bedeutung gewonnen und ist heute der aussagekräftigste Zins unter den kurzfristigen Geldmarktsätzen.

  • Was sind geldpolitische Instrumente?

    Geldpolitische Instrumente sind Geschäfte, mit denen die Nationalbank ihre Geldpolitik umsetzt. Art. 9 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank (NBG) legt die Geschäfte fest, welche die Nationalbank am Finanzmarkt tätigen darf. Die Nationalbank unterscheidet zwischen Offenmarktoperationen und stehenden Fazilitäten. Bei den Offenmarktoperationen geht die Initiative zum Geschäftsabschluss von der Nationalbank aus, bei den stehenden Fazilitäten setzt die Nationalbank lediglich die Konditionen fest, zu denen die Geschäftspartner Liquidität beziehen können. Zu den regulären Offenmarktoperationen gehören Repogeschäfte und Emissionen von SNB Bills. Auch die Verzinsung der Sichtguthaben zählt zu den geldpolitischen Instrumenten (Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten). Weitere Instrumente wie zum Beispiel Devisenswaps (Fragen und Antworten zu den Devisenswaps) und Devisengeschäfte stehen bei Bedarf zur Verfügung. Zu den stehenden Fazilitäten gehören die Engpassfinanzierungs- und die Innertagsfazilität. Die Einzelheiten dazu sind in den Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank über das geldpolitische Instrumentarium bzw. in den entsprechenden Merkblättern festgehalten. Auch die im März 2020 geschaffene temporäre SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität zählt zu den stehenden Fazilitäten.

  • Wie kann die Nationalbank mittels geldpolitischer Instrumente ihre Geldpolitik umsetzen?

    Die Nationalbank setzt ihre Geldpolitik um, indem sie die Liquidität am Geldmarkt in Franken steuert und so das Zinsniveau beeinflusst. Sie legt dabei den SNB-Leitzins fest und strebt an, dass die besicherten kurzfristigen Geldmarktzinssätze in Franken nahe am SNB-Leitzins liegen. Im Fokus steht der SARON. Die Nationalbank kann die Geldmarktzinssätze über die Konditionen, die sie bei der Verzinsung der Sichtguthaben festlegt, sowie indirekt über liquiditätszuführende oder liquiditätsabschöpfende Geldmarktgeschäfte steuern, indem sie deren Volumen und Konditionen beeinflusst. Die Wahl des Steuerungsregimes hängt von den geldpolitischen Erfordernissen und der Liquiditätsstruktur des Bankensystems ab. Zur Erfüllung der geld- und währungspolitischen Aufgaben kann die SNB auch an den Finanzmärkten Fremdwährungen gegen Franken kaufen und verkaufen. Die Geschäfte am Devisenmarkt werden mit einem breiten Kreis von Gegenparteien im In- und Ausland abgeschlossen.

  • Welche Bedeutung haben Sichtguthaben und der Geldmarkt?

    Damit eine Bank ihre Zahlungsfähigkeit wahren kann, muss sie jederzeit über genügend Liquidität verfügen. Die liquidesten Aktiven einer Bank sind die Sichtguthaben bei der Nationalbank, da diese unmittelbar für Zahlungen zur Verfügung stehen und gesetzliche Zahlungsmittel darstellen. Inländische Banken halten Sichtguthaben zur Erfüllung des Mindestreserveerfordernisses. Zudem benötigen Banken Sichtguthaben für den Zahlungsverkehr und als Liquiditätsreserve. Die Nationalbank beeinflusst die Sichtguthaben, indem sie ihre geldpolitischen Instrumente einsetzt. Zwischen den einzelnen Finanzmarktteilnehmern erfolgt der Liquiditätsausgleich über den Geldmarkt. Dabei stellen Banken mit einem kurzfristigen Anlagebedarf anderen Banken mit einem kurzfristigen Refinanzierungsbedarf die Liquidität mittels Krediten zur Verfügung. Die Kreditgewährung kann dabei auf besicherter oder unbesicherter Basis erfolgen. Grundsätzlich beeinflusst die Höhe der Sichtguthaben die Aktivität am Geldmarkt. Ein gut funktionierender Geldmarkt ist eine wesentliche Grundlage für die Übertragung der Geldpolitik. Eine Störung des Geldmarkts beeinträchtigt den Liquiditätsausgleich zwischen den Finanzmarktteilnehmern und kann die Zahlungsfähigkeit der Banken gefährden.

  • Sind die hohen Sichtguthaben bei der Nationalbank ein Zeichen dafür, dass die Banken das Geld bei der Nationalbank horten, anstatt es in Umlauf zu bringen?

    Die Höhe der totalen Sichtguthaben bei der Nationalbank (Sichtguthaben inländische Banken und übrige Sichtguthaben, d.h. die Verbindlichkeiten auf Sicht gegenüber dem Bund, die Sichtguthaben ausländischer Banken und Institutionen sowie die übrigen Sichtverbindlichkeiten) kann nur durch die geldpolitischen Operationen der Nationalbank sowie durch den Tausch mit Bargeld verändert werden. Reduziert eine Bank ihre Sichtguthaben bei der Nationalbank, fliesst dieser Betrag entweder auf ein anderes Sichtkonto bei der Nationalbank oder in den Notenumlauf. Darum kann auch die Notenbankgeldmenge, die gemäss Definition aus den Sichtguthaben inländischer Banken und dem Notenumlauf besteht, nur von der Nationalbank verändert werden. Inwieweit die vorhandene Liquidität in den Wirtschaftskreislauf kommt, ist aus dem Wachstum der Kredite und Geldmengen (Erläuterungen auf dem Datenportal) zu ersehen.

  • Wer ist bei den geldpolitischen Operationen der Nationalbank zugelassen?

    Bei geldpolitischen Operationen der Nationalbank sind grundsätzlich alle Banken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mit Sichtguthaben bei der Nationalbank als Geschäftspartner zugelassen. Andere inländische Finanzmarktteilnehmer wie Versicherungen sowie Banken mit Sitz im Ausland können als Geschäftspartner bei geldpolitischen Operationen zugelassen werden, sofern dafür ein geldpolitisches Interesse besteht und sie zur Liquidität am besicherten Frankengeldmarkt beitragen.

  • Warum stellt die Nationalbank auch Banken im Ausland Liquidität zur Verfügung - betreibt sie ihre Geldpolitik nicht für die Schweiz?

    Der Frankengeldmarkt kennt keine geografischen Grenzen. Der Franken ist eine der wichtigsten Währungen im internationalen Finanzverkehr und wird deshalb auch im Ausland aktiv gehandelt. Es ist folglich auch im Interesse der Schweiz, wenn Banken mit einem Domizil im Ausland ebenfalls an den liquiditätszuführenden bzw. liquiditätsabschöpfenden Geldmarktgeschäften der Nationalbank teilnehmen können.

  • Wie führt die Nationalbank ihre Offenmarktoperationen durch?

    Die Nationalbank kann ihre Offenmarktoperationen im Rahmen von Auktionen oder bilateralen Geschäften durchführen. Die Transaktionen am Geldmarkt werden in der Regel über eine elektronische Handelsplattform abgeschlossen. Auktionen erfolgen entweder in der Form eines Mengentenders oder eines Zinstenders. Beim Mengentender ist der Zinssatz fix, und die Zuteilung erfolgt im Verhältnis der Nachfrage. Erreicht z.B. die Nachfrage das Doppelte des Angebots, erhält jede Bank 50% der von ihr nachgefragten Menge. Beim Zinstender melden die Banken, zu welchem Zinssatz sie welche Menge nachfragen. Die günstigsten Gebote werden berücksichtigt, bis die gewünschte Gesamtmenge erreicht ist. Bei einem Zinstender wird entweder nach dem amerikanischen Verfahren (die berücksichtigten Gebote werden zu dem jeweils offerierten Zins befriedigt) oder nach dem holländischen Verfahren (alle berücksichtigten Gebote zahlen oder erhalten jenen Zins, den der letzte noch berücksichtigte Anbieter genannt hat) zugeteilt bzw. abgeschöpft.

  • Welche Verfahren wendet die Nationalbank für ihre Offenmarktoperationen jeweils an?

    Repoauktionen werden in der Regel in Form des Mengentenders durchgeführt, SNB Bills in Form des Zinstenders mit amerikanischem Zuteilungsverfahren auktioniert. Den Zinstender nach holländischem Zuteilungsverfahren benutzt die Nationalbank nicht für ihre geldpolitischen Offenmarktoperationen. Allerdings auktioniert sie in dieser Form im Auftrag des Bundes die Anleihen der Eidgenossenschaft und die Geldmarktbuchforderungen. Weitere Informationen dazu finden sich unter Primärmarkt Schweizerische Eidgenossenschaft.