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Swipe, scan, tap: der Markt für bargeldloses Bezahlen

16. April 2026
Petra Tschudin, Mitglied des Direktoriums
Thomas Moser, Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums
Geldmarkt-Apéro, Zürich

Zusammenfassung

Der Zahlungsverkehr ist das Rückgrat einer modernen Volkswirtschaft. Ohne funktionierenden Zahlungsverkehr wird heute kaum ein Gut den Besitzer oder die Besitzerin wechseln und kaum eine Dienstleistung erbracht.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind Resilienz und Effizienz die übergeordneten Ziele im Zahlungsverkehr. Die Zahlungsmittel müssen sicher und möglichst immer verfügbar sein, technisch zuverlässig funktionieren und breit akzeptiert werden. Ausserdem ist ein gutes Kosten‑Nutzen‑Verhältnis wünschenswert.

Ökonomisch ist der Zahlungsverkehr durch Netzwerk und Skaleneffekte geprägt. Diese können zu einer starken Marktkonzentration bei einzelnen Plattformen führen. Insbesondere die zweiseitigen Märkte bei den Zahlungsnetzwerken mit unterschiedlichen Nutzergruppen tendieren aufgrund ihrer ökonomischen Struktur zu starker Konzentration. Deshalb ist es dort sinnvoll, über Massnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs nachzudenken. Eine Senkung der Eintrittshürden für neue Akteure durch offene Schnittstellen ist hierfür ein wichtiges Mittel.

Im Rahmen ihres Mandats fördert die SNB deshalb Initiativen, die es neuen Anbietern erleichtert, ihrer Services mit den Systemen anderer Akteure zu verknüpfen. Ein Beispiel ist das Projekt Instant Payments Bridge, das einen technischen Zugang zur Abwicklungsinfrastruktur für Instant Zahlungen schaffen soll. Ein weiteres Vorhaben ist die Prüfung einer Verbindung zwischen dem Schweizer und dem europäischen Abwicklungssystem für Instant Zahlungen, um grenzüberschreitende Instant Zahlungen zu ermöglichen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wie haben Sie heute Ihr Mittagessen bezahlt? Haben Sie Bargeld benutzt, Ihre Karte oder Ihr Smartphone ans Zahlterminal gehalten, oder haben Sie einen QR-Code gescannt? Diese Entscheidung hängt meist sowohl von der persönlichen Vorliebe als auch von der konkreten Situation vor Ort ab. Aber auch ökonomische und technologische Faktoren spielen bei der Wahl des Zahlungsmittels eine Rolle.

Mein Kollege Thomas Moser und ich freuen uns, Ihnen heute zu erläutern, wie der bargeldlose Zahlungsverkehr technisch und ökonomisch funktioniert. Wir nehmen dabei eine gesamtwirtschaftliche Perspektive ein und beleuchten die Herausforderungen für einen effizienten und resilienten Zahlungsverkehr. Anschliessend gehen wir auf die Rolle der SNB im bargeldlosen Zahlungsverkehr ein und zeigen, wie wir zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen.

So zahlt die Schweiz an der Ladenkasse

Beginnen wir mit den Entwicklungen an der Ladenkasse. Laut den Zahlungsmittelumfragen der Nationalbank haben sich die Gewohnheiten der privaten Haushalte in den letzten Jahren stark verändert. Auf der Folie sehen Sie die Zahlen. Bargeld wird heute noch bei rund 30% aller Transaktionen an der Ladenkasse eingesetzt, Debit- und Kreditkartenzahlungen machen zusammen etwa 50% aus, und Bezahl-Apps liegen bei rund 20%. Über die Zeit betrachtet hat die Nutzung des jahrtausendealten Bargelds abgenommen, während der Trend bei den Karten, die wir alle seit rund 50 Jahren einsetzen, stagniert. Am schnellsten wächst die Nutzung der erst etwa vor zehn Jahren aufgekommenen Bezahl-Apps.

Wir denken beim Bezahlen selten darüber nach, wie der Bezahlvorgang technisch funktioniert und welchen Einfluss ökonomische Mechanismen auf das Angebot und unsere Nutzung der Zahlungsmittel haben. Um das greifbarer zu machen, blicken wir zunächst in den Maschinenraum des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.

Technische Funktionsweise des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und ökonomische Anreize

Der Hauptunterschied zwischen Bargeld und bargeldlosen Zahlungsmethoden besteht darin, dass Bargeld als physischer Vermögenswert direkt von einer Person an eine andere übertragen wird, während bargeldlose Zahlungen elektronisch abgewickelt werden und Intermediäre involviert sind. Auf der Folie sehen Sie die verschiedenen an einer bargeldlosen Zahlung beteiligten Akteure:

  • Ganz links auf der Grafik befindet sich die Kundin. Sie bezahlt einen Einkauf mit einer Karte.
  • Ganz rechts ist der Händler abgebildet, der die Kartenzahlung akzeptiert.
  • Zwischen der Kundin und dem Händler stehen Dienstleister, hier mit einem blauen Hintergrund abgebildet. Sie statten die Kundin mit einer Karte aus und sorgen dafür, dass der Händler die Zahlung annehmen kann. Dabei gibt es zwei Arten von Dienstleistern: Der sogenannte Issuer, links auf der Kundenseite abgebildet, gibt die Karte oder die Bezahl-App aus. Der sogenannte Acquirer, rechts, stellt dem Händler das Zahlterminal an der Ladenkasse zur Verfügung.
  • Die Zahlungsnetzwerke1, hier im gelben Bereich dargestellt, sind das Bindeglied zwischen Issuer und Acquirer und für den Informationsfluss verantwortlich. Viele Zahlterminals an der Ladenkasse tragen ihre Logos und zeigen so an, über welches Zahlungsnetzwerk bezahlt werden kann. In der Schweiz dominieren die Unternehmen Mastercard, Postfinance, TWINT und Visa.

All diese Intermediäre sind am Zahlungsprozess beteiligt, wenn die Kundin beim Händler bargeldlos bezahlt. Schauen wir uns den technischen Ablauf am Beispiel einer Kartenzahlung an.

Wenn die Kundin ihre Zahlkarte an der Ladenkasse verwendet, sendet das Zahlterminal sofort eine Anfrage über den Acquirer an das Zahlungsnetzwerk. Dieses fragt beim Issuer an, ob die Zahlung getätigt werden kann, und der wiederum kontaktiert die Bank der Kundin. Erteilt die Bank dem Issuer die Genehmigung, schickt das Zahlungsnetzwerk die Bestätigung an den Acquirer zurück. Damit ist die Transaktion für die Kundin und den Händler abgeschlossen.

Der eigentliche Geldfluss der Zahlung erfolgt aber erst später, in der Regel nach einem Tag, im Extremfall sogar erst nach einem Monat. Das Geld fliesst von der Bank der Kundin, hellblau dargestellt, über die mit grünem Hintergrund abgebildete Abwicklungsinfrastruktur zur Bank des Händlers. In der Schweiz werden solche Zahlungen zwischen Banken durch das Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC-System) verarbeitet, das die SIC AG im Auftrag der Nationalbank betreibt.

Das war die technische Perspektive. Jetzt wechseln wir zur ökonomischen Sicht und schauen die Marktkräfte an, die den bargeldlosen Zahlungsverkehr prägen.

Zuerst vereinfachen wir die bisherige Darstellung. In der Mitte sehen wir zwei Flächen in Gelb und Grün. Diese Flächen stellen Plattformen dar, über die Informationen beziehungsweise Zahlungen zwischen den Akteuren laufen, die in den blauen Bereichen abgebildet sind. Einerseits erfolgt der Informationsfluss über die Zahlungsnetzwerke, oben in Gelb abgebildet, wo Zahlungen von Kundinnen und Kunden verarbeitet werden. Andererseits erfolgt der Geldfluss über die Abwicklungsinfrastruktur für die Banken, unten in Grün abgebildet.

Sowohl im gelben wie auch im grünen Bereich wirken Netzwerk- und Skaleneffekte. Netzwerkeffekte bedeuten, dass eine Plattform für jeden einzelnen ihrer Nutzer umso attraktiver wird, je mehr Nutzer sie hat. Bei einer grossen Anzahl an Transaktionen kommen zusätzlich Skaleneffekte hinzu. Diese entstehen, weil der Aufbau und Unterhalt der Infrastruktur hohe Fixkosten verursachen, während die zusätzlichen Kosten einer einzelnen Transaktion sehr niedrig sind. Verteilt man die Fixkosten auf eine hohe Anzahl an Transaktionen, sinken die durchschnittlichen Kosten pro Zahlung. Diese beiden Effekte - Netzwerk- und Skaleneffekte - können zu einer starken Marktkonzentration bei einzelnen Plattformen führen und manchmal sogar zu einem Monopol.

Ein bedeutender, ökonomisch relevanter Unterschied besteht jedoch zwischen der Abwicklungsinfrastruktur (unten in der Grafik) und den Zahlungsnetzwerken (oben in der Grafik): Bei der Abwicklungsinfrastruktur sind die Nutzer der Plattform auf beiden Seiten typischerweise Banken. Die Zahlungsnetzwerke oben in der Grafik funktionieren dagegen als Plattformen, die zwei unterschiedliche Nutzergruppen zusammenbringen. Links stehen die Kundinnen und Kunden. Auf der anderen Seite stehen die Händler. In der Ökonomie wird ein solches Umfeld als zweiseitiger Markt bezeichnet.

Im Folgenden gehen wir darauf ein, welche konkreten Auswirkungen ein zweiseitiger Markt auf die Anreizsysteme und die Preisgestaltung hat.

In zweiseitigen Märkten gibt es Wechselwirkungen zwischen den beiden Nutzergruppen. Je mehr Händler auf dem Zahlungsnetzwerk aktiv sind, desto grösser wird der Nutzen für die Kundinnen und Kunden. Und je mehr Kundinnen und Kunden vorhanden sind, desto attraktiver wird das Zahlungsnetzwerk für die Händler. Durch diese wechselseitige Abhängigkeit und aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der beiden Nutzergruppen ergibt sich für das Zahlungsnetzwerk die Möglichkeit, seinen Gewinn zu maximieren, indem es die beiden Gruppen in Bezug auf die Preisgestaltung unterschiedlich behandelt.2

All jene, die eine Kreditkarte nutzen, kennen das: In der Regel bezahlt bei einer Kreditkartentransaktion die Kundin oder der Kunde dem Zahlungsnetzwerk keine Transaktionsgebühr. Im Gegenteil: Oft erhalten sie sogar eine kleine Prämie, zum Beispiel in Form von Bonuspunkten, Cashback oder Versicherungsleistungen.3 Die Kosten dieser Prämien sind Teil der Gebühren, welche die Händler für jede abgewickelte Transaktion zahlen.4

Die Händler wiederum finanzieren diese Gebühren, indem sie ihre Preise für alle Kundinnen und Kunden etwas erhöhen, unabhängig vom gewählten Zahlungsmittel, oder indem sie an anderen Stellen sparen.5

Um das besser zu verstehen, nehmen wir an, dass Thomas und ich einen Espresso trinken gehen. Thomas bezahlt seinen Espresso mit seiner Debitkarte, während ich eine Kreditkarte verwende, die mir für Zahlungen Flugmeilen gutschreibt. Um diese Flugmeilen zu finanzieren, muss der Cafébesitzer für meine Zahlung höhere Gebühren entrichten als für die Zahlung von Thomas. Diese Kosten überwälzt der Cafébesitzer auf den Espressopreis. Da Thomas und ich aber denselben Preis für einen Espresso zahlen, finanziert Thomas indirekt meine Flugmeilen mit.

Für Zahlungsnetzwerke sind Prämien ein geeignetes Mittel, um Nutzer anzuziehen und zu binden. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive kann das aber ineffizient sein. Was bedeuten diese ökonomischen Überlegungen für das ideale Zahlungssystem?

Merkmale eines gesamtwirtschaftlich optimalen Zahlungssystems

Der Zahlungsverkehr ist das Rückgrat einer modernen Volkswirtschaft. Ohne funktionierenden Zahlungsverkehr wird heute kaum ein Gut den Besitzer oder die Besitzerin wechseln und kaum eine Dienstleistung erbracht werden. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive ist die Resilienz deshalb ein übergeordnetes Ziel im Zahlungsverkehr. Die Zahlungsmittel müssen sicher und möglichst immer verfügbar sein, technisch zuverlässig funktionieren und breit akzeptiert werden. Resilienz entsteht zudem durch Redundanz: Fällt ein Zahlungsmittel aus (z.B. eine Debitkarte), muss eine Alternative bereitstehen (z.B. Bargeld), damit die gewünschte Transaktion zustande kommt.

Bargeld trägt durch seine Unabhängigkeit von digitalen Technologien wesentlich zur Resilienz bei. Die Nationalbank gewährleistet gemäss ihrem Auftrag die Bargeldversorgung, und wir sind überzeugt, dass Bargeld auch in Zukunft nachgefragt werden wird. Daher arbeiten wir an einer neuen Banknotenserie, die in den 2030er-Jahren ausgegeben werden soll.

Effizienz ist das zweite übergeordnete Ziel im Zahlungsverkehr. Aber was meinen wir damit? Aus Kundensicht soll der Zahlungsverkehr ein gutes Kosten‑Nutzen‑Verhältnis haben, Alternativen bieten und sicher sein. Kundinnen und Kunden freuen sich ausserdem über Prämienprogramme, aber bei der Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Effizienz gilt es, die von den Händlern getragenen Kosten ebenfalls zu berücksichtigen.

Damit kommen wir zur Frage, wie wir Effizienz im Zahlungsverkehr erreichen können. Ist ein starker Wettbewerb die Antwort?

Wettbewerb und Effizienz im bargeldlosen Zahlungsverkehr

Die Antwort darauf ist "jein".

Wünschenswert für einen effizienten Zahlungsverkehr ist Wettbewerb unter den Dienstleistern, das heisst bei den Banken, Issuern und Acquirern (die blau markierten Bereiche in der Grafik). Diese stehen an der Schnittstelle zu den Kundinnen und Kunden und zu den Händlern. Eine breite Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten und ein intensiver Konkurrenzdruck fördern hier die Effizienz.

Im Gegensatz hierzu kann die zentrale Abwicklungsinfrastruktur (die grün markierte Fläche in der Grafik) aufgrund von Skalen- und Netzwerkeffekten als natürliches Monopol angesehen werden. Es ist gesamtwirtschaftlich am effizientesten, wenn es einen einzigen Anbieter gibt, an den alle Nutzer - in diesem Fall die Banken - angeschlossen sind. Die Nationalbank stellt mit der Mandatierung des Betriebs der Abwicklungsinfrastruktur an die SIC AG sicher, dass die Monopolstellung nicht missbraucht wird.

Bei den Zahlungsnetzwerken (in der Grafik der gelbe Bereich) ist weder ein Monopol noch ein Markt mit vielen Wettbewerbern wünschenswert. Schauen wir uns das genauer an.

Auf der Folie tragen wir horizontal den Grad des Wettbewerbs ab und vertikal den Grad der Effizienz.

Zweiseitige Märkte tendieren aufgrund ihrer ökonomischen Struktur zu starker Konzentration. Sobald ein Anbieter eine kritische Zahl an Nutzern erreicht, zieht er wegen der starken Netzwerkeffekte noch mehr Nutzer an. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive ist die Ausschöpfung dieser Effekte positiv. Auch Skaleneffekte wirken. Ausserdem sind bei einer starken Marktkonzentration die Anreize, die Kundenseite über ineffizient hohe Prämien anzuziehen und zu binden, weniger ausgeprägt.

Mehr Wettbewerb hingegen fördert Innovationen und die Entwicklung alternativer Zahlungsmethoden. Er stärkt zudem die Kundenorientierung der Anbieter. Wenn es viele aktive Anbieter gibt, kann ausserdem bei technischen Problemen einfacher auf ein anderes Zahlungsmittel gewechselt werden. Wettbewerb erhöht also die Resilienz des Zahlungsverkehrs.

Um gleichzeitig hohe Effizienz und Resilienz zu erreichen, ist bei den Zahlungsnetzwerken weder ein Monopol noch ein vollkommener Wettbewerb das Optimum. Gesamtwirtschaftlich ist ein ausgewogenes Mass an Wettbewerb wünschenswert. Da die ökonomischen Kräfte tendenziell in Richtung einer Monopolbildung wirken, ist es sinnvoll, über Massnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs nachzudenken.

Wie kann man also Wettbewerb in einem zweiseitigen Markt fördern und dabei sicher sein, die Effizienz tatsächlich auch zu erhöhen?

Wettbewerb kann zunächst einmal über wettbewerbsrechtliche Vorgaben gestärkt werden. Ein Thema, das die Schweizer Behörden aktuell intensiv mit Marktakteuren diskutieren, ist die Höhe und Aufteilung der Gebühren, die von Zahlungsnetzwerken erhoben werden. Vorgaben hinsichtlich dieser Gebühren können die Effizienz erhöhen.

Der Wettbewerb kann ausserdem erhöht werden, indem man die Eintrittshürden senkt. Im Zahlungsverkehr mit seiner Vielzahl von Akteuren sind offene Schnittstellen hierfür ein wichtiges Mittel. Offene Schnittstellen ermöglichen es neuen Anbietern, Teil des Zahlungsprozesses zu werden, indem sie ihre Dienstleistungen mit denen anderer Akteure verknüpfen - wir sprechen hier von Interoperabilität.

Wo gibt es diese Schnittstellen? Ein Beispiel ist das Zahlterminal an der Ladenkasse. Es ist die Schnittstelle zwischen der Kundin oder dem Kunden, dem Acquirer und dem Zahlungsnetzwerk. Ist diese Schnittstelle vollständig offen, kann der Händler der Kundschaft eine breite Palette an Bezahlmöglichkeiten anbieten. Es ist jedoch auch denkbar, dass ein Zahlterminal z.B. das Scannen eines QR-Codes nur für ein bestimmtes Zahlungsnetzwerk zulässt. Damit wäre die Schnittstelle für andere Zahlungsnetzwerke geschlossen, und der Wettbewerb kann nicht frei spielen.

Ein weiteres Beispiel ist die Near-Field-Communication-Technologie oder abgekürzt NFC-Schnittstelle. Diese Technologie ermöglicht die kontaktlose Verbindung zwischen zwei Geräten wie dem Smartphone und dem Zahlterminal an der Ladenkasse. Diese Schnittstelle kann vom Smartphone-Betreiber für gewisse Applikationen geschlossen werden, oder es werden für die Benutzung der NFC-Schnittstelle hohe Gebühren verlangt. Beides schränkt den Wettbewerb ein.

Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive sollten solche Eintrittshürden gesenkt und dadurch die Interoperabilität erleichtert werden.

Policies und Initiativen der SNB

Bevor wir unsere Ausführungen abschliessen, möchten wir noch auf die Rolle der Nationalbank im Zahlungsverkehr eingehen.

Im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags erleichtert und sichert die Nationalbank das Funktionieren bargeldloser Zahlungssysteme. Über das SIC-System werden die Zahlungen der Banken untereinander in Zentralbankgeld abgewickelt. Zusätzlich unterstützt die Nationalbank die Nutzung von Zentralbankgeld im Kundenzahlungsverkehr, also für Zahlungen von Haushalten und Unternehmen. Damit erhöhen wir die Resilienz sowie die Effizienz des Schweizer Zahlungsverkehrs.

Zudem tragen wir auf verschiedene Weise zur Interoperabilität im Zahlungsverkehr bei. Lassen Sie uns Ihnen drei Beispiele geben.

Das erste Beispiel ist unsere etablierte und bewährte Zugangspolitik, die regelt, wer Zahlungen direkt in Zentralbankgeld abwickeln kann. Im internationalen Vergleich pflegt die Nationalbank eine sehr offene Zugangspolitik. Sie verfolgt dabei einen prinzipienbasierten Ansatz: Institutionen mit vergleichbaren ökonomischen Funktionen und Risikoprofilen können das SIC nutzen, sofern sie festgelegte Bedingungen erfüllen.6 Neben den Banken können z.B. auch lizenzierte Fintech-Unternehmen Zugang erhalten. So fördern wir den Wettbewerb.

Ein neues Projekt, das die Interoperabilität im Zahlungsverkehr erhöhen soll, heisst Instant Payments Bridge. Vor einem Jahr haben wir hier am Geldmarkt-Apéro in Zürich über Instant-Zahlungen gesprochen. Diese ermöglichen rund um die Uhr sekundenschnelle Überweisungen von Bankkonto zu Bankkonto. An der Ladenkasse sind solche Zahlungen heute noch nicht möglich. Die Instant Payments Bridge soll dies ändern: Sie ermöglicht den Anbietern von Bezahllösungen einen technischen Zugang zur Abwicklungsinfrastruktur für Instant-Zahlungen. Die Betonung liegt auf "technischem Zugang", da die Abwicklung von Zahlungen weiterhin durch die Banken kontrolliert wird.

Ein weiteres Vorhaben ist das Interlinking-Projekt: Gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank prüfen wir, wie das Schweizer und das europäische Abwicklungssystem für Instant-Zahlungen miteinander verbunden werden können. Wird die Verlinkung umgesetzt, können wir grenzüberschreitende Instant-Zahlungen ermöglichen. Das würde die Interoperabilität und die Geschwindigkeit im internationalen Zahlungsverkehr steigern.

Mit der offenen Zugangspolitik, der Instant Payments Bridge und dem Interlinking-Projekt verbessert die Nationalbank gezielt die Interoperabilität und senkt so die Eintrittshürden in den Zahlungsmarkt. Auf diese Weise stärken wir die Effizienz und die Resilienz des Zahlungsverkehrs - sowohl im inländischen wie auch im grenzüberschreitenden Kontext.

Fazit

Damit kommen wir zum Schluss. Die Zahlungsmittelumfragen der Nationalbank zeigen, dass sich die Zahlungsgewohnheiten in der Schweiz verändern. Bargeld bleibt wichtig, aber bargeldlose Zahlungsmittel erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist geprägt durch komplexe technische und ökonomische Mechanismen. Wie kann die SNB innerhalb ihres gesetzlichen Mandats die Effizienz und Resilienz im bargeldlosen Zahlungsverkehr angesichts seiner wachsenden Bedeutung erhöhen? Worauf müssen wir achten? Hierfür ist der Dialog mit den verschiedenen Marktteilnehmern wichtig. In diesem Sinne freuen wir uns jetzt auf Ihre Fragen und im Anschluss auf die Paneldiskussion.

  1. Die Vortragenden danken Basil Guggenheim, Anna-Kathrin Keller, Remo Nyffenegger, Jörn Tenhofen, Andreas Wehrli und Michael Zimmert für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung dieser Präsentation. Ihr Dank geht auch an Matthias Burgert, Laura Felber, Christoph Hirter, Michael Schäfer und Tanja Zehnder für ihre wertvollen Kommentare sowie an den Sprachendienst der SNB.
  2. Zahlungsnetzwerke werden auch oft als "Scheme" bezeichnet und definieren die technischen Standards, Geschäftsregeln und Rollen der verschiedenen Akteure.
  3. Grundsätzlich hängt die Richtung der Preisasymmetrie davon ab, welche Nutzergruppe wie stark zur Attraktivität eines Zahlungsnetzwerks beiträgt und wie preissensitiv diese Gruppe im Vergleich zur anderen ist. Je grösser ihr Beitrag zur Attraktivität und je preissensitiver, desto niedriger ist der ihr verrechnete Preis.
  4. Da im verwendeten Beispiel die Kundenseite typischerweise einen stärkeren Einfluss auf die Händlerseite ausübt als umgekehrt und die Händler weniger preissensitiv sind, weil sie die Gebühren oft auf ihre Verkaufspreise umlegen können, ergibt sich meist eine Preisstruktur zugunsten der Kundinnen und Kunden.
  5. Dieser Mechanismus greift nur, wenn der Händler den Verkaufspreis seiner Waren oder Dienstleistungen nicht an die Bezahlmethode der Kundschaft anpasst, ihr zum Beispiel einen Preisnachlass je nach Zahlungsmittel gewährt. Tatsächlich ist dies in der Schweiz der Fall: Die Acquirer verpflichten üblicherweise die Händler über ihre Verträge, alle bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten zum gleichen Preis anzubieten ("no-surcharge-rule").
  6. Diese Gebühren finanzieren die Prämien und decken zusätzlich die allgemeinen Kosten des Zahlungsnetzwerks.
  7. Siehe Merkblatt über den Zugang zum SIC-System und zu Girokonten (www.snb.ch/sicgiro_access_de).

Beteiligte Personen

  • Petra Tschudin
    Mitglied des Direktoriums

  • Thomas Moser
    Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums

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