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Zugang zu Bargeld

Bargeld ist in der Schweiz ein wichtiges Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel für Haushalte und Unternehmen. Damit sie Bargeld nutzen können, benötigen sie einen guten Zugang zu Geldautomaten, Bankfilialen oder Poststellen (Zugangspunkte). In den vergangenen Jahren wurden Zugangspunkte kontinuierlich abgebaut und das Angebot an Bargelddienstleistungen in Bankfilialen vermehrt eingeschränkt. Die Anzahl an Zugangspunkten allein reicht nicht aus, um den Zugang zu Bargeld zu beurteilen. Ebenso relevant ist die Erreichbarkeit der Zugangspunkte. Vor diesem Hintergrund analysiert die Schweizerische Nationalbank (SNB) gemeinsam mit der Universität St.Gallen und mit Unterstützung von externen Datenanalysten die geografische Verteilung von Geldautomaten, Bankfilialen und Poststellen. Konkret wird gemessen, welche Wegezeit und welche Distanz Haushalte von ihrem Wohnort und Unternehmen von den jeweiligen Niederlassungen auf sich nehmen müssen, um Banknoten oder Münzen zu beziehen bzw. einzuzahlen. Dabei wird zwischen der Erreichbarkeit der Bezugs- und Einzahlungspunkte mit privaten Motorfahrzeugen bzw. mit dem öffentlichen Verkehr unterschieden.

Haupterkenntnisse

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Zugang zu Bargeld je nach Transaktionsart und Region unterschiedlich zu beurteilen ist. Es lassen sich fünf Haupterkenntnisse festhalten:

  1. Die Wegezeit zu Bezugs- bzw. Einzahlungspunkten von Münzen ist länger als zu jenen für Noten. Mit dem privaten Motorfahrzeug benötigen 95% der Haushalte weniger als rund 6 Minuten zu einem Bezugspunkt für Noten. Bei Münzen beträgt die Wegezeit knapp 7 Minuten.
  2. In stadtnahen Gebieten sind Zugangspunkte deutlich schneller zu erreichen als in ländlichen Gemeinden. Während 95% der Haushalte in städtischen Gemeinden für den Weg zu einem Bezugspunkt für Noten weniger als 5,5 Minuten aufwenden müssen, benötigen 95% der Haushalte auf dem Land bereits 7,5 Minuten. Der Unterschied zwischen Land und Stadt erhöht sich deutlich, wenn Noten einbezahlt oder Münztransaktionen durchgeführt werden sollen. Auf dem Land dauert die Wegezeit für die Einzahlung von Münzen für 95% der Haushalte mit rund 11,5 Minuten mehr als doppelt so lang wie in der Stadt (rund 5,5 Minuten).
  3. Das genutzte Verkehrsmittel beeinflusst die Wegezeit stark. Insbesondere in ländlichen Gemeinden nimmt die Wegezeit deutlich zu, wenn statt privater Motorfahrzeuge der öffentliche Verkehr genutzt wird. Dort benötigen 95% der Haushalte mit dem öffentlichen Verkehr weniger als 18 Minuten zum nächsten Bezugspunkt für Noten (rund 5,5 Minuten mit dem privaten Motorfahrzeug).
  4. Es bestehen grosse regionale Unterschiede. Die Wegezeit zu Zugangspunkten unterscheidet sich stark nach Gemeinde, Bezirk und Kanton, insbesondere für Münztransaktionen oder wenn der öffentliche Verkehr statt privater Motorfahrzeuge verwendet wird. Im Kanton mit dem breitesten Zugang zu Bargeld (Kanton Basel-Stadt) benötigen 95% der Haushalte mit dem privaten Verkehrsmittel weniger als rund 5,5 Minuten (9 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr) zu einem Bezugspunkt für Noten. Im Kanton mit dem schlechtesten Zugang (Kanton Jura) beträgt die Wegezeit bereits 7,5 Minuten (rund 27 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr).
  5. Haushalte und Unternehmen erreichen Geldautomaten und Poststellen schneller als Bankfilialen. Während 95% der Haushalte für den Weg an einen Geldautomaten oder zu einer Poststelle mit dem privaten Motorfahrzeug weniger als gut 6 Minuten aufwenden müssen, benötigen sie zu einer Bankfiliale 11 Minuten. Nichtsdestotrotz spielen Bankfilialen, in denen Bargelddienstleistungen am Schalter erbracht werden, für Unternehmen gerade für den Bezug von Münzen eine wichtige Rolle.

Sowohl die SNB (Bargeld beziehen und einzahlen: Wie lange dauert der Weg zur nächsten Zugangsstelle?) als auch die Universität St.Gallen (Swiss Money Map 2024, nur auf Englisch) haben in den vergangenen Jahren bereits Erreichbarkeitsmessungen durchgeführt. Ein Vergleich über die Jahre ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch aufgrund von Anpassungen bei der Analysemethodik nicht möglich. Die SNB und die Universität St.Gallen werden die Entwicklung über die nächsten Jahre in regelmässigen Abständen evaluieren.

Methodik

In Zusammenarbeit mit Banken und Bargeldinfrastrukturbetreibern werden die wichtigsten Bargeldzugangspunkte jeweils im September erfasst:

  • Bankfilialen: Es werden nur Filialen berücksichtigt, in denen Bargelddienstleistungen am Schalter erbracht werden. Filialen, in denen ausschliesslich Beratungsdienstleistungen erbracht werden, sind aus der Messung ausgeschlossen.
  • Poststellen: Es werden sämtliche Postfilialen und -agenturen erfasst. Postagenturen sind Filialen bei lokalen Partnern, z.B. Detailhändlern.
  • Geldautomaten: Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden sämtliche Geldautomaten, Münzeinzahlungsgeräte und Münzrollengeber in der Schweiz berücksichtigt. Zu beachten ist, dass auch Geldautomaten berücksichtigt werden, die nicht rund um die Uhr zugänglich sind.

Für jeden Bargeldbezugspunkt wird der genaue Standort anhand von Koordinaten erfasst. Einzelne Ungenauigkeiten sind aufgrund der unterschiedlichen Datenquellen und der hohen Anzahl an Zugangspunkten nicht auszuschliessen. Die Haupterkenntnisse dürften davon aber nicht wesentlich beeinflusst sein. Auf Gemeindeebene kann der Einfluss der Ungenauigkeiten zunehmen, womit diese Ergebnisse nur als grobe Schätzung betrachtet werden dürfen.

Für die Messung werden alle Hektaren (100 x 100 m) in der Schweiz (gemäss dem "Hektarraster" des Bundesamts für Statistik, BFS) mit mindestens einem Haushalt oder einem Unternehmen berücksichtigt. Vom jeweiligen Mittelpunkt der Hektare werden die Wegezeit und die Distanz mit dem privaten Motorfahrzeug und dem öffentlichen Verkehrsmittel jeweils zum nächsten Geldautomaten, zur nächsten Bankfiliale und zur nächsten Poststelle für vier verschiedene Transaktionsarten ermittelt: i) Notenbezüge, ii) Noteneinzahlungen, iii) Münzbezüge und iv) Münzeinzahlungen. Es werden dabei zwei Fälle unterschieden: die Luftlinie vom Mittelpunkt eines Hektars zum nächsten Zugangspunkt beträgt weniger (Fall 1) oder mehr als 500 Meter (Fall 2).

  • In Fall 1 wird angenommen, dass der Zugangspunkt zu Fuss erreicht wird. Die berechnete Wegezeit entspricht dann der benötigten Zeit, die Distanz mit einer Geschwindigkeit von 5 km/h zurückzulegen.
  • In Fall 2 wird die Wegezeit mit einer Abfrage bei OSRM (nur auf Englisch) für private Motorfahrzeuge bzw. mittels Abfrage bei Opentransportdata für den öffentlichen Verkehr ermittelt. Bei der Abfrage für private Motorfahrzeuge wurden pro Hektar die nächsten 15, bei der Abfrage für den öffentlichen Verkehr die nächsten 5 Zugangspunkt anhand der geringsten Luftdistanz berücksichtigt. Schliesslich wird für jeden Hektar, jede Art von Bargeldzugangspunkten, jedes Transportmittel und jede Transaktion jeweils die schnellste Wegezeit bzw. die dazugehörige Distanz ermittelt.

Abschliessend werden basierend auf den Resultaten pro Hektar die Wegezeit und die Distanz für einzelne Regionen, Kantone, Gemeinden oder die gesamte Schweiz berechnet. Dabei wird berücksichtigt, wie viele Haushalte (BFS, STATPOP, 2024) oder Unternehmen (BFS, STATENT, 2023) sich innerhalb eines Hektars befinden.

Es gilt zu beachten, dass die Wegezeit und die Distanz vom Wohnort eines Haushalts oder von der Niederlassung eines Unternehmens nur eine Dimension der Erreichbarkeit von Zugangspunkten abbilden können. Es wird nicht berücksichtigt, wenn Einzahlungen und Bezüge von Bargeld beispielsweise auf dem Arbeitsweg getätigt oder mit dem wöchentlichen Einkauf verbunden werden. Ebenfalls wird nicht berücksichtigt, ob ein Zugangspunkt für alle Haushalte und Unternehmen oder nur für solche mit einer Kundenbeziehung zur Betreiberin des Zugangspunkts zugänglich ist.

Weiterführende Daten

Weitere Ergebnisse werden durch die Universität St.Gallen auf dem Dashboard vom Projekt "Swiss Money Map" publiziert.

Die Wegezeit für 95% der Haushalte mit dem privaten Motorfahrzeug und den öffentlichen Verkehrsmitteln für Noten- und Münztransaktionen nach Grossregion, Kanton und Bezirk kann unter folgendem Link heruntergeladen werden.

Wegezeit in Minuten zum nächsten Bargeldzugangspunkt für 95% der Haushalte

Die Wegezeit für 95% der Unternehmen mit dem privaten Motorfahrzeug und den öffentlichen Verkehrsmitten für Noten- und Münztransaktionen nach Grossregion, Kanton und Bezirk kann unter folgendem Link heruntergeladen werden.

Wegezeit in Minuten zum nächsten Bargeldzugangspunkt für 95% der Unternehmen

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