Seit wann gibt es die Nationalbank?
Früher hatte die Schweiz keine nationale Währung. Es wurden ganz viele verschiedene Noten und Münzen verwendet. Die Schweiz hatte auch keine eigene Zentralbank, die Noten und Münzen wurden durch unterschiedliche Banken herausgegeben. Das System war kompliziert und wenig effizient. 1907 wurde deshalb die Schweizerische Nationalbank gegründet. Sie bekam den Auftrag, als einzige, unabhängige Zentralbank des Landes die Geld- und Währungspolitik der Schweiz zu führen.
Münzen und später Noten gab es in der Schweiz schon lange vor der Gründung der Nationalbank. Als Zahlungsmittel dienten verschiedene in- und ausländische Münzen und Noten. Kurz nach der Gründung des Bundesstaats, nämlich 1850, erhielt die Schweiz mit dem Schweizer Franken eine eigene nationale Währung. Der Schweizer Franken wurde damals aber noch nicht von einer einzigen Notenbank herausgegeben.
Wer gab vor der Gründung der Nationalbank Geld heraus?
Vor der Gründung der Nationalbank gab eine Vielzahl von Kantonalbanken und privaten Banken unterschiedliche Banknoten heraus. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man, die Ausgabe von Banknoten stärker zu regulieren. So wurden die Gestaltung und die Stückelung der Noten vereinheitlicht. Zudem mussten die verschiedenen Banken ihre Noten gegenseitig akzeptieren. Da das System trotzdem noch bedeutende Schwächen aufwies, erhielt 1891 der Bund in der Verfassung das alleinige Recht für die Banknotenausgabe. Dieses Monopol übertrug der Bund auf die Nationalbank. Bis die Nationalbank ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen konnte, dauerte es aber noch 16 Jahre.
Ein Kompromiss ermöglicht die Gründung der Nationalbank
Die Nationalbank nahm ihre Tätigkeit 1907 auf. Doch vor der Gründung der Nationalbank musste man sich zuerst über verschiedene Fragen politisch einig werden. Die Diskussion drehte sich um die Rechtsform und den Sitz der Nationalbank und um die finanziellen Interessen der Kantone. Schliesslich einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Nationalbank wurde als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft gegründet, die unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes verwaltet wird. Sie bekam zwei Sitze, einen in Bern und einen in Zürich. Die Kantone schliesslich wurden am Kapital und an den Gewinnen der Nationalbank beteiligt. Damit wurden die Kantone dafür entschädigt, dass die Kantonalbanken keine Banknoten mehr ausgeben durften.
Gut zu wissen
Die Nationalbank hat die Rechtsform einer spezialgesetzlichen Aktiengesellschaft. Das bedeutet, dass die für normale Aktiengesellschaften geltenden gesetzlichen Vorschriften nur dann gültig sind, wenn das Nationalbankgesetz nichts anderes festlegt. Das ursprüngliche Nationalbankgesetz von 1905 wurde mehrfach revidiert und an die heutigen Verhältnisse angepasst. Der rechtliche Rahmen der Nationalbank hat sich bewährt und ihr erlaubt, ihren Auftrag im Gesamtinteresse des Landes wahrzunehmen.
Von der Goldbindung zur Zinssteuerung
Seit der Gründung der Nationalbank im Jahr 1907 hat sich das wirtschaftliche Umfeld weltweit und auch in der Schweiz laufend geändert. Das hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Nationalbank. Am Anfang ihrer Tätigkeit war der Schweizer Franken noch an das Gold gebunden; später bestand ein fixer Wechselkurs zum US-Dollar. Die Aufgabe der Nationalbank war es, den Kurs des Frankens zum Gold und später zum US-Dollar stabil zu halten.
Im Jahr 1973 löste die Schweiz den Franken vom US-Dollar. Mit der Einführung eines flexiblen Wechselkurses konnte die Nationalbank zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine eigenständige Geld- und Währungspolitik führen. Sie konnte sich nun darauf konzentrieren, für stabile Preise in der Schweiz zu sorgen. Das Ziel der SNB, die Preisstabilität zu gewährleisten, ist seitdem unverändert.
Die Art und Weise, wie die Nationalbank Preisstabilität zu erreichen versucht, hat sich jedoch im Laufe der Jahre gewandelt. Die Nationalbank begann 1973 mit einer Steuerung der Geldmenge. Anfang 2000 ging sie zu einer Politik der Zinssteuerung über, da sie zum Schluss gekommen war, dass sie damit das Ziel der Preisstabilität besser erreichen würde.
Hat die Nationalbank einen guten Job gemacht?
Seitdem die Nationalbank eine eigenständige Geld- und Währungspolitik führen kann, liegt die Inflationsrate in der Schweiz tiefer als in vielen anderen Ländern.
Die Nationalbank selber definiert Preisstabilität mit einer Inflationsrate von weniger als 2% pro Jahr. In den 1970er, 1980er und in den frühen 1990er Jahren gab es noch Phasen, in denen die Inflation zum Teil deutlich über 2% lag. Seit Mitte der 1990er Jahre hingegen lag sie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, fast immer unter 2%. Die Nationalbank hat somit auch an ihrem eigenen Ziel gemessen in den letzten drei Jahrzehnten einen guten Job gemacht.