Wofür erhebt die Nationalbank statistische Daten?
Die Nationalbank erhebt zur Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrags und zur Beobachtung der Entwicklungen auf den Finanzmärkten statistische Daten. Dazu arbeitet sie mit den zuständigen Stellen des Bundes, den zuständigen Behörden anderer Länder und mit internationalen Organisationen (zum Beispiel der Internationale Währungsfonds oder die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) zusammen. Statistische Daten bilden die Grundlage für die Analyse der wirtschaftlichen Lage und der Inflationsentwicklung, für die Einschätzung der Stabilität des Finanzsystems oder die Erstellung der Aussenwirtschaftsstatistiken der Schweiz. Auch andere Institutionen sind auf die statistischen Daten der SNB angewiesen, weil sie damit arbeiten.
Die Nationalbank erhebt Daten insbesondere bei Banken, bei Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland unterhalten, bei Herausgebern von Kredit- oder Debitkarten sowie bei Betreibern von Geldautomaten. Die von der SNB erhobenen Daten werden vertraulich behandelt und so verwendet, dass keine Rückschlüsse auf die entsprechenden Unternehmen möglich sind.
Die von der Nationalbank und anderen Institutionen erhobenen Daten werden häufig noch weiterbearbeitet, um sie aussagekräftiger zu machen. Zum Beispiel werden durch Sonderfaktoren beeinflusste Daten korrigiert oder Saisoneffekte herausgerechnet, oder es werden durch die Kombination verschiedener Daten informative Kennzahlen (sogenannte Indikatoren) berechnet.
Gut zu wissen
Die Nationalbank unterhält eine Datenbank mit mehr als 30 Mio. Zeitreihen aus den Bereichen Banken, Finanzmärkte und Volkswirtschaft. Eine Zeitreihe ist eine Abfolge von Daten über einen bestimmten Zeitraum (zum Beispiel die monatlichen Inflationsraten von 1995 – 2025). Die Datenbank der SNB enthält sowohl Daten, die die SNB selbst erhebt, als auch Daten aus anderen Quellen.
Keine gute Geldpolitik ohne verlässliche statistische Grundlage
Die Nationalbank hat die gesetzliche Aufgabe, für stabile Preise zu sorgen. Die Preisstabilität wird anhand des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK) gemessen. Der LIK wird nicht von der Nationalbank, sondern vom Bundesamt für Statistik (BFS) erhoben und berechnet. Ohne diese Statistik könnte nicht gemessen werden, wie erfolgreich die Nationalbank ihre Aufgabe erfüllt.
Um die Preisstabilität zu gewährleisten, steuert die Nationalbank die Zinsen und den Wechselkurs so, dass sie zur jeweiligen Wirtschaftslage passen. Dabei ist die Nationalbank auf möglichst genaue Informationen über die Wirtschaftslage und die Aussichten angewiesen. Zur Beurteilung der Wirtschaftslage braucht die Nationalbank Daten, die sie selbst erhebt oder berechnet, wie zum Beispiel Daten zur Kreditvergabe der Banken oder zur Entwicklung der Geldmenge. Sie arbeitet aber auch mit Daten, die andere Institutionen erheben, zum Beispiel Daten zur Entwicklung des BIP oder zur Arbeitslosigkeit.
Als Ergänzung zu den Datenerhebungen führt die Nationalbank zudem regelmässige Gespräche mit Unternehmen aus den verschiedenen Branchen in der ganzen Schweiz durch. Sie erhält dadurch Einblicke in den Geschäftsgang und die Aussichten der Unternehmen. In ihrer Gesamtheit geben die Resultate aus den Gesprächen die Einschätzung der Wirtschaftslage aus Sicht der Unternehmen wieder.
Die Gesundheit des Bankensektors anhand von Kennzahlen beurteilen
Das Gesetz beauftragt die Nationalbank, einen Beitrag zur Finanzstabilität zu leisten. Die Nationalbank arbeitet im Bereich der Finanzstabilität mit anderen Behörden zusammen, vor allem mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) und dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD).
In diesem Rahmen erhebt die Nationalbank – in enger Zusammenarbeit mit der FINMA – bei den Banken in der Schweiz umfangreiche Daten, wie etwa zur Kreditvergabe und zur Liquidität. Aus diesen Daten werden Kennzahlen berechnet, mit deren Hilfe die Stabilität des schweizerischen Bankensektors beurteilt werden kann.
Die FINMA und das EFD stützen sich bei ihrer Arbeit ebenfalls auf die von der Nationalbank erstellten Bankenstatistiken. So kann die FINMA etwa anhand der von der SNB erhobenen Daten überprüfen, ob sich die Banken an die geltenden Regeln und Vorschriften halten.
Statistiken zur Erkennung von Trends im Zahlungsverkehr
Die Nationalbank hat den Auftrag, die Versorgung mit Bargeld zu gewährleisten und das Funktionieren bargeldloser Zahlungssysteme zu erleichtern und zu sichern. Da die Nationalbank die Banknoten in Umlauf setzt und auch wieder aus dem Verkehr zieht, weiss sie stets, wieviel Bargeld im Umlauf ist. Das wiederum gibt ihr Hinweise darauf, wie sich die Verwendung von Bargeld als Zahlungsmittel entwickelt.
Zusätzliche Informationen zu Trends im Zahlungsverkehr erhält die Nationalbank durch Erhebungen bei Betreibern von Geldautomaten. Sie interessiert sich für die Anzahl Geldautomaten in der Schweiz, da diese einen Einfluss auf die Verfügbarkeit und damit auf die Verwendung von Bargeld haben. Daneben erhebt die Nationalbank auch Daten zum bargeldlosen Zahlungsverkehr, etwa zur Verwendung von Kredit- oder Debitkarten (zum Beispiel Höhe der Beträge und Anzahl Transaktionen).
Neben den statistischen Erhebungen führt die Nationalbank auch Umfragen bei der Bevölkerung und bei Unternehmen durch, um Informationen über die Nutzung unterschiedlicher Zahlungsmittel zu bekommen und Veränderungen zu erkennen.
Eine Datenbank für die Öffentlichkeit
Die Nationalbank stellt der Öffentlichkeit auf ihrer Website ein umfangreiches Datenangebot zur Verfügung. Das Datenportal der SNB enthält Daten, die für die Geldpolitik und die Beobachtung der Wirtschaftslage von Bedeutung sind. Es umfasst nicht nur die von der Nationalbank erhobenen Daten, sondern auch Daten aus externen Quellen (z. B. Daten des Bundesamts für Statistik). Die Daten sind in folgende Themenbereiche gegliedert:
- Schweizerische Nationalbank
- Banken
- Zinssätze, Renditen und Devisenmarkt
- Kapitalmarkt und Zahlungsverkehr
- Volkswirtschaft der Schweiz
- Aussenwirtschaft
Sie können in Tabellenform oder als Grafik abgerufen und auch heruntergeladen werden.
Daneben veröffentlicht die Nationalbank statistische Daten auch in Berichten und Medienmitteilungen. Dabei werden Daten zu ausgewählten Themen in Textform kommentiert.