Einleitende Bemerkungen, Mediengespräch
Zusammenfassung
Geldpolitischer Entscheid
Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf ist unsere Bereitschaft am Devisenmarkt zu intervenieren erhöht. Damit wirken wir einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.
Infolge der höheren Energiepreise ist die Inflation in den letzten Monaten angestiegen. Der mittelfristige Inflationsdruck ist gegenüber der letzten Lagebeurteilung aber praktisch unverändert. Unsere Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und sie stützt die Wirtschaftsentwicklung. Wir werden die Lage weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität sicherzustellen.
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Sehr geehrte Damen und Herren,
Als Präsident begrüsse ich Sie im Namen des Direktoriums herzlich zum Mediengespräch der Schweizerischen Nationalbank. Nach unseren einleitenden Ausführungen stehen wir Ihnen wie üblich für Fragen zur Verfügung.
Geldpolitischer Entscheid
Ich beginne mit unserem geldpolitischen Entscheid. Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf ist unsere Bereitschaft am Devisenmarkt zu intervenieren erhöht. Damit wirken wir einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.
Infolge der höheren Energiepreise ist die Inflation in den letzten Monaten angestiegen. Der mittelfristige Inflationsdruck ist gegenüber der letzten Lagebeurteilung aber praktisch unverändert. Unsere Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und sie stützt die Wirtschaftsentwicklung. Wir werden die Lage weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität sicherzustellen.
Inflationsprognose
Lassen Sie mich nun die Entwicklung der Inflation genauer erläutern. Die Inflation stieg seit der letzten Lagebeurteilung wie erwartet an, von 0,1% im Februar auf 0,6% im Mai. Dieser Anstieg war hauptsächlich auf höhere Preise für Erdölprodukte zurückzuführen. Die anderen Waren und Dienstleistungen trugen kaum zum Anstieg der Teuerung bei.
Gemäss unserer bedingten Inflationsprognose wird die Teuerung in den nächsten Quartalen zunächst noch leicht zunehmen, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder etwas zurückgehen dürfte. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise mit der Zeit nachlassen dürften. Die Energiepreise werden massgeblich von der weiteren Entwicklung der Lage im Nahen Osten beeinflusst.
Im Vergleich zur letzten Lagebeurteilung liegt unsere Prognose in der kürzeren Frist leicht höher. Dies aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise und der höheren Inflation im Ausland. Mittelfristig ist die Inflationsprognose praktisch unverändert. Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Im Jahresdurchschnitt liegt sie bei 0,6% im Jahr 2026, bei 0,6% in 2027 und bei 0,7% im Jahr 2028 (vgl. Tabelle). Unsere Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0% beträgt.
Damit übergebe ich das Wort an Antoine Martin, der über die internationalen Wirtschaftsaussichten spricht.
Internationale Wirtschaftsaussichten
Die Weltwirtschaft wuchs im ersten Quartal insgesamt solide, u.a. gestützt durch weiterhin hohe Ausgaben im Bereich der künstlichen Intelligenz. Mit der Eskalation im Nahen Osten und dem Anstieg der Energiepreise verlangsamte sich die Konjunkturdynamik jedoch etwas. Steigende Energiepreise belasten die Unternehmen über höhere Produktionskosten. Sie dämpfen zugleich die Kaufkraft der privaten Haushalte. Entsprechend trübte sich die Stimmung bei den Unternehmen und Haushalten in den letzten Monaten ein. Die Inflation stieg in vielen Ländern aufgrund der höheren Energiepreise deutlich an. Die Leitzinsen wurden in der Eurozone angehoben, während sie in den USA unverändert blieben.
In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Inflation global infolge der gestiegenen Rohstoffpreise über die nächsten Quartale erhöht bleibt. Das dürfte weiter auf der Kaufkraft der Konsumenten lasten und dazu führen, dass das Wachstum der Weltwirtschaft kurzfristig moderater ausfällt als noch in den Vorquartalen. Mittelfristig dürfte das Wachstum jedoch wieder anziehen.
Die Unsicherheit in Bezug auf das Basisszenario ist vor allem wegen der nach wie vor fragilen Situation im Nahen Osten weiterhin hoch. So könnten die Rohstoffpreise deutlich höher zu liegen kommen als erwartet. Das würde die Inflation weiter erhöhen und das Wirtschaftswachstum merklich bremsen. Neben der Situation im Nahen Osten bleibt auch das handelspolitische Umfeld unsicher.
Damit kommen wir zur Lage im Inland, die Petra Tschudin präsentiert.
Wirtschaftsaussichten für die Schweiz
Angesichts des Konflikts im Nahen Osten zeigte sich die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz widerstandsfähig. So wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im ersten Quartal solide. Gestützt wurde das Wirtschaftswachstum durch die verarbeitende Industrie. Auch die Dienstleistungen und der Bau trugen zum Wachstum bei. Aktuelle Indikatoren wie z.B. die Informationen aus unseren Gesprächen mit Unternehmen in den letzten Wochen deuten ebenfalls auf eine solide Wirtschaftsdynamik hin. Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklung stieg die Arbeitslosigkeit seit der letzten Lagebeurteilung etwas an.
In den kommenden Quartalen dürfte die moderatere Entwicklung der Weltwirtschaft das Wachstum in der Schweiz dämpfen, während unsere Geldpolitik stützend wirkt. Mittelfristig liefert die erwartete Verbesserung der internationalen Konjunktur einen Wachstumsimpuls. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir aktuell mit einem Wachstum von rund 1%. Für 2027 erwarten wir rund 1,5%.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz sind Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Insbesondere könnte sich die Lage im Nahen Osten erneut zuspitzen und die globale Wirtschaftsaktivität stärker bremsen. Auch könnte der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder zunehmen. Darüber hinaus ist die US-Handelspolitik weiterhin ein Unsicherheitsfaktor.
Damit übergebe ich das Wort wieder an Martin Schlegel.
Geldpolitischer Ausblick
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun auf die Geldpolitik zurückkommen.
Die globale Wirtschafts- und Inflationsentwicklung wird derzeit von den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten geprägt. Der Anstieg der Energiepreise führte weltweit zu höherer Inflation. In der Schweiz fiel der Anstieg der Inflation geringer aus als in vielen anderen Ländern. Die Inflation ist mit 0,6% im internationalen Vergleich relativ tief und liegt im Bereich der Preisstabilität, den wir mit einer Inflationsrate zwischen 0% und 2% gleichsetzen.
Die Inflation dürfte in den nächsten Quartalen noch leicht ansteigen, danach jedoch wieder etwas zurückgehen. Der mittelfristige Inflationsdruck hat sich kaum verändert. Unsere bedingte Inflationsprognose ist in der mittleren Frist praktisch unverändert gegenüber März. Sie liegt über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität. Wir haben daher entschieden, den SNB-Leitzins unverändert zu belassen. Unsere Geldpolitik wirkt weiterhin expansiv.
Lassen Sie mich noch kurz auf die Wechselkursentwicklung eingehen. Der Aufwertungsdruck auf den Franken hatte mit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten zunächst zugenommen, da der Franken als sicherer Hafen gesucht war. Deshalb hatten wir unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, Anfang März erhöht. Seitdem sind die Zinsen in den grossen Währungsräumen angestiegen, u.a. weil die Märkte aufgrund der höheren Inflation dort eine straffere Geldpolitik erwarten. Mit der Ausweitung der Zinsdifferenzen zum Ausland hat der Franken etwas an Wert verloren. Die geopolitische Lage bleibt jedoch unsicher. Das Risiko von starkem Aufwertungsdruck besteht somit weiterhin. Bei Bedarf ist unsere Bereitschaft am Devisenmarkt zu intervenieren daher erhöht.
Die Unsicherheit bezüglich der Inflations- und Wirtschaftsentwicklung ist nach wie vor hoch. Wir werden die Lage daher weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die monetären Bedingungen angemessen zu gestalten.
Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir den Publikationstermin des Finanzstabilitätsberichtes geändert haben. Neu wird er nicht mehr zeitgleich mit der geldpolitischen Kommunikation veröffentlicht, sondern jeweils zwei Wochen danach - dieses Jahr am 2. Juli. Indem wir dem Bericht einen eigenständigen Publikationstermin geben, kommen wir auch einem Bedürfnis der Medien nach.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wir stehen Ihnen nun für Fragen zur Verfügung.