Einleitende Bemerkungen, Mediengespräch
Zusammenfassung
Geldpolitischer Entscheid
Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt nach wie vor 0,25 Prozentpunkte. Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht. Damit wirken wir einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.
Unsere bedingte Inflationsprognose liegt für die nächsten Quartale wegen des Anstiegs der Energiepreise höher als im Dezember. Der mittelfristige Inflationsdruck hat sich gegenüber der letzten Lagebeurteilung aber kaum verändert. Unsere Geldpolitik trägt dazu bei, die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und stützt die Wirtschaftsentwicklung. Wir werden die Lage weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität in der mittleren Frist sicherzustellen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Als Präsident begrüsse ich Sie im Namen des Direktoriums herzlich zum Mediengespräch der Schweizerischen Nationalbank. Nach unseren einleitenden Ausführungen stehen wir Ihnen wie üblich für Fragen zur Verfügung.
Geldpolitischer Entscheid
Ich beginne mit unserem geldpolitischen Entscheid. Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt nach wie vor 0,25 Prozentpunkte. Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht. Damit wirken wir einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.
Unsere bedingte Inflationsprognose liegt für die nächsten Quartale wegen des Anstiegs der Energiepreise höher als im Dezember. Der mittelfristige Inflationsdruck hat sich gegenüber der letzten Lagebeurteilung aber kaum verändert. Unsere Geldpolitik trägt dazu bei, die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und stützt die Wirtschaftsentwicklung. Wir werden die Lage weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität in der mittleren Frist sicherzustellen.
Inflationsprognose
Lassen Sie mich nun die Entwicklung der Inflation genauer erläutern. Die Inflation stieg seit der letzten Lagebeurteilung wie erwartet leicht an, von 0,0% im November auf 0,1% im Februar. Zu diesem Anstieg hat insbesondere eine höhere Warenteuerung beigetragen.
Mit den aufgrund der Eskalation im Nahen Osten gestiegenen Energiepreisen dürfte die Inflation in den nächsten Quartalen stärker zunehmen. Entsprechend liegt unsere bedingte Inflationsprognose in der kurzen Frist höher als im Dezember. In der mittleren Frist ist sie aufgrund des stärkeren Frankens leicht tiefer. Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Sie liegt im Jahresdurchschnitt bei 0,5% für 2026, 0,5% für 2027 und 0,6% für 2028 (vgl. Tabelle). Unsere Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0% beträgt.
Damit übergebe ich das Wort an Antoine Martin, der über die internationalen Wirtschaftsaussichten sprechen wird.
Internationale Wirtschaftsaussichten
Die Weltwirtschaft wuchs im vierten Quartal solide. Trotz der US-Zölle und der handelspolitischen Unsicherheit nahmen der globale Warenhandel und die Investitionen weiter zu, u.a. dank den grossen Ausgaben im Bereich der künstlichen Intelligenz. Auch der Konsum stützte das Wachstum. Die Inflation blieb in den USA erhöht. In der Eurozone hingegen lag sie weiterhin nahe am Zielwert der Zentralbank. Die Leitzinsen wurden in beiden Währungsräumen unverändert belassen.
Die Unsicherheit bezüglich des Wirtschaftsausblicks hat mit dem Konflikt im Nahen Osten deutlich zugenommen. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise die Inflation in vielen Ländern kurzfristig erhöht. Zudem dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft vorübergehend etwas verlangsamen, u.a. da die höhere Inflation auf der Kaufkraft der Konsumenten lasten dürfte. Stützend wirken hingegen die im vergangenen Jahr gelockerte Geldpolitik sowie die in einigen Ländern expansivere Fiskalpolitik.
Der Ausblick für die Weltwirtschaft unterliegt bedeutenden Risiken, insbesondere aufgrund der Situation im Nahen Osten. So könnten die Energiepreise stärker ansteigen als im Basisszenario erwartet, was die Inflation deutlich erhöhen und das Wirtschaftswachstum merklich bremsen würde. Auch mögliche Lieferkettenprobleme und die gestiegene Unsicherheit könnten auf dem Wachstum lasten. Neben der Situation im Nahen Osten bleibt zudem auch der handelspolitische Ausblick weiterhin unsicher.
Damit kommen wir zur Lage im Inland, die Petra Tschudin präsentieren wird.
Wirtschaftsaussichten für die Schweiz
In der Schweiz wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im vierten Quartal wieder, nachdem es im Vorquartal zurückgegangen war. Grund dafür ist, dass die Wertschöpfung in der pharmazeutischen Industrie nach dem deutlichen Rückgang im dritten Quartal wieder anstieg. Die Dienstleistungen expandierten weiter. Die Arbeitslosigkeit stabilisierte sich und lag im Februar auf dem gleichen Niveau wie zum Zeitpunkt der letzten Lagebeurteilung.
Für die kommenden Monate sind die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz unsicher. In der kürzeren Frist könnte das Wachstum eher verhalten ausfallen, mittelfristig ist eine gewisse Belebung zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2026 gehen wir aktuell von einem Wachstum von rund 1% aus, gefolgt von rund 1,5% im Jahr 2027.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz ist die Entwicklung der Weltwirtschaft. Insbesondere könnte die Situation im Nahen Osten die globale Wirtschaftsaktivität bremsen und den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöhen.
Damit übergebe ich das Wort wieder an Martin Schlegel.
Geldpolitischer Ausblick
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun auf die Geldpolitik zurückkommen.
Ich beginne mit der Wechselkursentwicklung. Seit 2020 hat der Franken auf nominaler, handelsgewichteter Basis deutlich an Wert gewonnen. Um die längerfristige Wechselkursentwicklung einzuordnen, muss auch die Preisentwicklung im In- und Ausland berücksichtigt werden. Die reale Aufwertung war deutlich geringer als die nominale, da die Preise in der Schweiz wesentlich weniger stark angestiegen sind als im Ausland. So hat sich der Franken zum Euro und auch zum US-Dollar zwischen 2020 und 2025 real trotz einiger Schwankungen insgesamt wenig verändert.
In unsicheren Zeiten wird der Franken als sicherer Hafen gesucht. Er hat sich seit unserer Lagebeurteilung im Dezember aufgewertet. Mit der Eskalation im Nahen Osten hat der Aufwertungsdruck nochmals zugenommen. Auf handelsgewichteter Basis hat der Franken seit Mitte Dezember rund 2,5% an Wert gewonnen.
Was bedeutet das für die monetären Bedingungen? Die monetären Bedingungen ergeben sich aus Zinsniveau und Wechselkurs. Mit der Aufwertung des Frankens sind die monetären Bedingungen im Vergleich zur Lagebeurteilung im Dezember straffer geworden. Die Aufwertung mindert die importierte Teuerung und dämpft die Wirtschaftsentwicklung.
Gleichzeitig liegen die Zinsen in der Schweiz deutlich tiefer als im Ausland. Diese Zinsdifferenz macht Anlagen in Franken weniger attraktiv und wirkt so dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegen. Die expansive Wirkung des tiefen Zinsniveaus zeigt sich auch am robusten Kreditwachstum. Damit unterstützt unsere Geldpolitik die Wirtschaftsentwicklung.
Unsere bedingte Inflationsprognose liegt für die nächsten Quartale wegen des Anstiegs der Energiepreise höher als im Vorquartal. In der mittleren Frist ist der Inflationsdruck nahezu unverändert. Wir haben daher beschlossen, den SNB-Leitzins bei 0% zu belassen.
Die Unsicherheit bezüglich der Inflations- und Wirtschaftsentwicklung ist zurzeit deutlich erhöht. Wir werden die Lage daher weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die monetären Bedingungen angemessen zu gestalten. Eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens stellt ein Risiko für die Preisstabilität dar. Um diesem Risiko entgegenzutreten, ist unsere Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wir stehen Ihnen nun für Fragen zur Verfügung.