Geldpolitische Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026
Nationalbank belässt SNB-Leitzins unverändert bei 0%
Die Nationalbank belässt den SNB-Leitzins unverändert bei 0%. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf ist die Bereitschaft der Nationalbank am Devisenmarkt zu intervenieren erhöht. Damit wirkt die Nationalbank einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.
Infolge der höheren Energiepreise ist die Inflation in den letzten Monaten angestiegen. Der mittelfristige Inflationsdruck ist gegenüber der letzten Lagebeurteilung aber praktisch unverändert. Die Geldpolitik der Nationalbank ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und sie stützt die Wirtschaftsentwicklung. Die Nationalbank wird die Lage weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität sicherzustellen.
Die Inflation stieg seit der letzten Lagebeurteilung wie erwartet an, von 0,1% im Februar auf 0,6% im Mai. Dieser Anstieg war hauptsächlich auf höhere Preise für Erdölprodukte zurückzuführen. Die anderen Waren und Dienstleistungen trugen kaum zum Anstieg der Teuerung bei.
Gemäss der bedingten Inflationsprognose wird die Teuerung in den nächsten Quartalen zunächst noch leicht zunehmen, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder etwas zurückgehen dürfte. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise mit der Zeit nachlassen dürften. Die Energiepreise werden massgeblich von der weiteren Entwicklung der Lage im Nahen Osten beeinflusst.
Im Vergleich zur letzten Lagebeurteilung liegt die Prognose in der kürzeren Frist leicht höher. Dies aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise und der höheren Inflation im Ausland. Mittelfristig ist die Inflationsprognose praktisch unverändert. Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Im Jahresdurchschnitt liegt sie bei 0,6% im Jahr 2026, bei 0,6% in 2027 und bei 0,7% im Jahr 2028 (vgl. Tabelle). Die Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0% beträgt.
Die Weltwirtschaft wuchs im ersten Quartal insgesamt solide. Mit der Eskalation im Nahen Osten und dem Anstieg der Energiepreise verlangsamte sich die Konjunkturdynamik jedoch etwas. Die Inflation stieg in vielen Ländern aufgrund der höheren Energiepreise deutlich an. Die Leitzinsen wurden in der Eurozone angehoben, während sie in den USA unverändert blieben.
In ihrem Basisszenario geht die Nationalbank davon aus, dass die Inflation global infolge der gestiegenen Rohstoffpreise über die nächsten Quartale erhöht bleibt. Zudem dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft kurzfristig moderater ausfallen als noch in den Vorquartalen. Mittelfristig dürfte das Wachstum jedoch wieder anziehen.
Die Unsicherheit in Bezug auf das Basisszenario ist vor allem wegen der nach wie vor fragilen Situation im Nahen Osten weiterhin hoch. So könnten die Rohstoffpreise deutlich höher zu liegen kommen als erwartet. Das würde die Inflation weiter erhöhen und das Wirtschaftswachstum merklich bremsen. Neben der Situation im Nahen Osten bleibt auch das handelspolitische Umfeld unsicher.
In der Schweiz zeigte sich die Wirtschaftsentwicklung angesichts des Konflikts im Nahen Osten widerstandsfähig. So wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im ersten Quartal solide. Die Arbeitslosigkeit stieg seit der letzten Lagebeurteilung etwas an.
In den kommenden Quartalen dürfte die moderatere Entwicklung der Weltwirtschaft das Wachstum in der Schweiz dämpfen, während die Geldpolitik stützend wirkt. Mittelfristig liefert die erwartete Verbesserung der internationalen Konjunktur einen Wachstumsimpuls. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Nationalbank aktuell mit einem Wachstum von rund 1%. Für 2027 erwartet die Nationalbank rund 1,5%.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz sind Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Insbesondere könnte sich die Lage im Nahen Osten erneut zuspitzen und die globale Wirtschaftsaktivität stärker bremsen. Auch könnte der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder zunehmen. Darüber hinaus ist die US-Handelspolitik weiterhin ein Unsicherheitsfaktor.
Vertiefte Informationen zum geldpolitischen Entscheid finden sich in den Einleitenden Bemerkungen des Direktoriums (verfügbar auf der SNB-Website ab 18. Juni 2026, 10:00 Uhr).