BIS Innovation Hub

Mandat und Schweizer Zentrum

Der BIS Innovation Hub wurde 2019 gegründet und hat Zentren in der Schweiz, Hongkong, Singapur, London und Stockholm sowie demnächst in Paris/Frankfurt und Toronto. Zudem wurde eine strategische Partnerschaft mit der Federal Reserve Bank of New York abgeschlossen. Ziel des Innovation Hub ist es, vertiefte Erkenntnisse über relevante technologische Entwicklungen zu gewinnen, welche die Aufgaben von Zentralbanken betreffen, und öffentliche Güter im Technologiebereich zu entwickeln, um das Funktionieren des globalen Finanzsystems weiter zu verbessern. Im Schweizer Zentrum des BIS Innovation Hub mit Büros in Basel und Zürich arbeiten Mitarbeitende der BIZ und der SNB an verschiedenen Projekten. Eine Auswahl von laufenden und abgeschlossenen Projekte wird unten beschrieben.

Projekte im Schweizer Zentrum

  • Projekt Helvetia

    In Projekt Helvetia arbeiten die SNB, die BIZ und die SIX Group als Betreiberin der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur zusammen. Im Zentrum steht die Integration von digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) in eine Finanzmarktinfrastruktur für die Aufbewahrung und Übertragung von tokenisierten Wertschriften, die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert. In einer ersten Phase wurden zwei Ansätze untersucht und ausgetestet: erstens die Ausgabe eines Zentralbank-Tokens für Finanzinstitute - eine sogenannte Wholesale CBDC; zweitens die Einrichtung einer Schnittstelle zwischen der DLT-basierten Finanzmarktinfrastruktur und dem Schweizer Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing.

    Der im Dezember 2020 erschienene Abschlussbericht zeigt, dass beide Ansätze technisch machbar sind und sich innerhalb des Schweizer Rechtsrahmens zivilrechtlich umsetzen lassen. Zudem hat das Projekt Vor- und Nachteile einer Token-Lösung gegenüber dem Schnittstellenansatz aufgezeigt. Diese werden in einer zweiten Phase weiter analysiert. Das Projekt soll zudem um die Integration von Wholesale CBDC in die Verbuchungssysteme von Banken und der SNB und im grenzüberschreitenden Kontext erweitert werden. Auch diese Phase des Projekts dient ausschliesslich dazu, ein besseres Verständnis für digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute zu entwickeln und entsprechende Erfahrungen zu sammeln. Unter untenstehendem Link kann der Abschlussbericht von Projekt Helvetia (auf Deutsch und Englisch), sowie Erklärungsvideos (auf Englisch) gefunden werden.

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  • Projekt Jura

    Projekt Jura untersuchte die Abwicklung von Franken- und Euro-Devisentransaktionen in Wholesale CBDCs sowie die Ausgabe, die Übertragung und die Rücknahme eines tokenisierten, in Euro denominierten "Commercial Papers" zwischen französischen und schweizerischen Finanzinstitutionen. Das Projekt setzte die von der SNB und dem BIS Innovation Hub unter der Bezeichnung Projekt Helvetia durchgeführten Machbarkeitsstudien fort und ist Teil einer Serie von Wholesale-CBDC-Experimenten, die von der BdF im Jahr 2020 initiiert wurde.

    Das Experiment untersuchte die direkte Übertragung von Franken- und Euro-Wholesale-CBDCs zwischen französischen und schweizerischen Geschäftsbanken auf einer einzigen Plattform. Es handelt sich dabei um eine von einer Drittpartei betriebenen Plattform, die auf der Distributed Ledger Technologie (DLT) basiert. Die Transaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten und Devisentransaktionen wurden mittels payment-versus-payment- und delivery-versus-payment-Mechanismen sicher und effizient abgewickelt. Das Experiment wurde in einer quasi realen Umgebung mit echten Werttransaktionen durchgeführt und erfüllte die aktuell geltenden regulatorischen Anforderungen.

    Die Ausgabe von Wholesale CBDCs auf einer Drittplattform und das Gewähren von direktem Zugang zu Zentralbankgeld an regulierte ausländische Finanzinstitute wirft komplexe geldpolitische Fragen auf. Das Projekt erprobte einen neuen Ansatz mit Sub-Netzwerken und "Dual Notary Signing". Dieser könnte den Zentralbanken das nötige Vertrauen bezüglich der Ausgabe von Wholesale CBDCs auf Drittplattformen und des Gewährens von Zugang zu Zentralbankgeld an ausländische Finanzinstitute geben.

    Das Projekt Jura bildet einen Beitrag zu den laufenden Arbeiten der G20 betreffend den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Das Experiment ist rein exploratorischer Natur und darf nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von Wholesale CBDCs durch die BdF oder die SNB interpretiert werden.

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  • Projekt Helvetia Phase II

    Projekt Helvetia Phase II setzt die Erforschung der Abwicklung von tokenisierten Vermögenswerten in digitalem Zentralbankgeld für Finanzinstitute (wholesale CBDC), die 2020 mit Phase I des Projekts Helvetia begann, fort. Es ist ein gemeinsames Experiment der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und SIX. An Phase II waren auch fünf Geschäftsbanken beteiligt.

    Das Projekt zeigt, dass wholesale CBDC in bestehende Kernbankensysteme und Prozesse von Geschäfts- und Zentralbanken integriert werden kann. Die Ausgabe von wholesale CBDC auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT)-basierten Plattform, die einem Unternehmen des Privatsektors gehört und von diesem betrieben wird, wäre sowohl operationell als auch rechtlich gemäss Schweizer Gesetzgebung möglich. Das Experiment untersuchte die Abwicklung von Interbank-, geldpolitischen und grenzüberschreitenden Transaktionen auf den Testsystemen von SIX Digital Exchange (SDX), des Schweizer Echtzeit-Bruttoabwicklungssystems SIX Interbank Clearing (SIC) und der Kernbankensysteme.

    Projekt Helvetia blickt auf eine Zukunft mit vermehrt tokenisierten Vermögenswerten und DLT-basierten Finanzinfrastrukturen. Es ist rein exploratorischer Natur und darf nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von wholesale CBDC durch die SNB interpretiert werden.

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  • Projekt Rio

    In Projekt Rio wird ein Prototyp einer Plattform zur Beobachtung von hochfrequenten Märkten entwickelt. Der Handel, z.B. an Devisenmärkten, hat sich durch neue Technologien in den letzten Jahrzehnten stark beschleunigt und ist zunehmend fragmentiert, d.h., findet auf immer mehr Plattformen parallel statt. Dies stellt die Zentralbanken vor die Herausforderung, den Entwicklungen an den hochfrequenten Märkten zu folgen. Der im Schweizer Zentrum entwickelte Prototyp soll es ermöglichen, die schnellen Marktbewegungen und die grossen Datenmengen von verschiedenen Handelsplätzen in Echtzeit zu verarbeiten. Damit wird den Zentralbanken ein Instrument zur Beobachtung und Analyse der Handelsbedingungen über das Funktionieren des Marktes zur Verfügung gestellt.

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