Einleitende Bemerkungen, Mediengespräch
Zusammenfassung
Geldpolitischer Entscheid
Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf sind wir zudem bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein, um angemessene monetäre Bedingungen zu gewährleisten.
Die Inflation ist seit Juni weiter angestiegen. Dies ist in erster Linie auf die höheren Energiepreise zurückzuführen. Mittelfristig hat der Inflationsdruck nur leicht zugenommen. Unsere Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und stützt die Wirtschaftsentwicklung.
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Sehr geehrte Damen und Herren,
Als Präsident begrüsse ich Sie im Namen des Direktoriums herzlich zum Mediengespräch der Schweizerischen Nationalbank. Nach unseren einleitenden Ausführungen stehen wir Ihnen wie üblich für Fragen zur Verfügung.
Geldpolitischer Entscheid
Ich beginne mit unserem geldpolitischen Entscheid. Wir haben beschlossen, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf sind wir zudem bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein, um angemessene monetäre Bedingungen zu gewährleisten.
Die Inflation ist seit Juni weiter angestiegen. Dies ist in erster Linie auf die höheren Energiepreise zurückzuführen. Mittelfristig hat der Inflationsdruck nur leicht zugenommen. Unsere Geldpolitik ist angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und stützt die Wirtschaftsentwicklung.
Inflationsprognose
Ich komme nun zur Entwicklung der Inflation. Die Inflation nahm leicht zu, von 0,6% im Mai auf 0,8% im August. Diese Zunahme war auf einen Anstieg der Teuerung von Waren zurückzuführen, die im August erstmals seit Mai 2024 wieder im positiven Bereich lag. Zum Anstieg der Warenteuerung haben vor allem höhere Preise für Erdölprodukte beigetragen.
Gemäss unserer bedingten Inflationsprognose wird die Inflation im vierten Quartal noch etwas ansteigen, bevor sie im Verlauf des Jahres 2027 wieder zurückgeht. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass die aktuell deutlich erhöhte Teuerung bei der Energie in den kommenden Quartalen wieder sinken dürfte. Danach steigt die bedingte Inflationsprognose leicht an.
Im Vergleich zur letzten Lagebeurteilung liegt unsere Prognose in der kürzeren Frist höher. Dies aufgrund der höher als erwarteten Preise für Erdölprodukte. Auch mittelfristig liegt unsere bedingte Inflationsprognose leicht höher als im Vorquartal, was unter anderem die Abschwächung des Frankens widerspiegelt. Die bedingte Inflationsprognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Im Jahresdurchschnitt liegt sie bei 0,7% im Jahr 2026, bei 0,8% in 2027 und bei 0,8% im Jahr 2028 (vgl. Tabelle). Unsere Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0% beträgt.
Damit übergebe ich das Wort an Antoine Martin, der über die internationalen Wirtschaftsaussichten spricht.
Internationale Wirtschaftsaussichten
Die Weltwirtschaft wuchs im zweiten Quartal stärker als erwartet. Die höheren Energiepreise lasteten zwar teilweise auf der Wirtschaftsaktivität, insgesamt blieb die Weltwirtschaft aber widerstandsfähig. So verlangsamten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte trotz der Kaufkraftverluste kaum. Gestützt wurde die globale Konjunktur zudem von anhaltend hohen Ausgaben im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie von einer sich verbessernden Dynamik in der Industrie.
Die Inflation liegt in vielen Ländern insbesondere aufgrund der gestiegenen Energiepreise über den Zielen der Zentralbanken. Die Leitzinsen wurden sowohl in der Eurozone als auch in den USA angehoben.
In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Weltwirtschaft über die kommenden Quartale moderat wachsen wird. Die hohen Energiepreise dürften die Wirtschaftsaktivität zwar noch belasten. Stützend wirkt hingegen eine erwartete weitere Verbesserung der Industriedynamik, die unter anderem mit einer steigenden Nachfrage in den Bereichen Technologie, erneuerbare Energien, Rüstung und teilweise Infrastruktur verbunden ist. Die Inflation dürfte noch einige Zeit erhöht bleiben.
Die Unsicherheit in Bezug auf das Basisszenario ist vor allem wegen der Situation im Nahen Osten weiterhin hoch. So könnten die Energiepreise deutlich höher zu liegen kommen als erwartet. Das würde die Inflation weiter erhöhen und das Wirtschaftswachstum merklich bremsen. Neben der Situation im Nahen Osten bleibt auch das handelspolitische Umfeld unsicher.
Damit kommen wir zur Lage im Inland, die Petra Tschudin präsentiert.
Wirtschaftsaussichten für die Schweiz
In der Schweiz wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im zweiten Quartal ausserordentlich stark. Eine ungewöhnlich kräftige Entwicklung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie führte dazu, dass das BIP die zugrundeliegende Wachstumsdynamik überzeichnete. Aber auch ohne diesen Effekt war das Wachstum solide und breit abgestützt. Aktuelle Indikatoren wie z.B. die Informationen aus unseren Gesprächen mit Unternehmen bestätigen dieses Bild und zeigen, dass sich die positive Entwicklung im dritten Quartal fortgesetzt hat. Gleichzeitig blieb die Auslastung insbesondere in der Industrie unterdurchschnittlich, während die Arbeitslosigkeit bis in den Frühsommer nochmals etwas anstieg.
Für die nächsten Quartale erwarten wir ein moderates Wachstum. Vom Ausland dürften weiter Wachstumsimpulse ausgehen. Ausserdem wirken unsere Geldpolitik und die erfolgte Frankenabwertung stützend. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir aktuell ein Wachstum zwischen 1,5% und 2%. Diese im Vergleich zur letzten Lagebeurteilung höhere Prognose spiegelt vor allem revidierte BIP-Daten für das Jahr 2025 und das überraschend starke Wachstum im zweiten Quartal 2026 wider. Für das Jahr 2027 erwarten wir unverändert ein Wachstum von rund 1,5%.
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz sind Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Insbesondere könnte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen und die globale Wirtschaftsaktivität stärker bremsen. Auch das handelspolitische Umfeld und die Wechselkursentwicklung bleiben weiterhin Unsicherheitsfaktoren.
Damit übergebe ich das Wort wieder an Martin Schlegel.
Geldpolitischer Ausblick
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich nun auf die Geldpolitik zurückkommen.
Seit unserer letzten Lagebeurteilung im Juni ist die Inflation weiter angestiegen. Dieser Anstieg spiegelt vor allem die höheren Energiepreise wider. Trotz dieser Entwicklung ist die Inflation in der Schweiz mit 0,8% im internationalen Vergleich relativ tief.
Unsere neue bedingte Inflationsprognose zeigt zudem an, dass der mittelfristige Inflationsdruck gegenüber Juni nur leicht zugenommen hat. Unter der Annahme eines konstanten SNB-Leitzinses von 0% liegt die Inflationsprognose weiterhin über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität, den wir mit einer Inflationsrate zwischen 0% und 2% gleichsetzen. Wir haben daher entschieden, den SNB-Leitzins unverändert zu belassen.
Seit unserer letzten Lagebeurteilung hat der Franken auf handelsgewichteter Basis rund 3 Prozent an Wert verloren. Diese Abwertung stand im Einklang mit der Ausweitung der Zinsdifferenzen zwischen den grossen Währungsräumen und der Schweiz. So sind die längerfristigen Zinsen in der Schweiz zwar etwas angestiegen, aber weniger stark als in den grossen Währungsräumen.
Die Unsicherheit bezüglich der Inflations- und Wirtschaftsentwicklung bleibt hoch, insbesondere mit Blick auf die weitere Entwicklung der Energiepreise und deren Auswirkungen. Wir werden die Lage daher weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die monetären Bedingungen angemessen zu gestalten. Dabei sind wir auch bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wir stehen Ihnen nun für Fragen zur Verfügung.