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Die SNB-Anlagepolitik und ihre Besonderheiten

Geldmarkt-Apéro, Zürich, 23.03.2017

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Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) basiert seit der Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro Anfang 2015 auf dem Negativzins und der Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Dadurch wirkte sie dem Aufwertungsdruck auf den Franken und einer damit verbundenen unerwünschten Verschärfung der monetären Bedingungen entgegen. Das vergangene Jahr war auf internationaler Ebene von einem markanten Anstieg der wirtschaftspolitischen Unsicherheit geprägt. Entsprechend waren bei Investoren im In- und Ausland sichere Anlagen wie der Franken gesucht. Die SNB liess denn ihren Worten auch Taten folgen und erwarb 2016 Devisen im Gegenwert von rund 67 Mrd. Franken.

Die Devisenkäufe schlagen sich in einem wachsenden Bestand an Devisenreserven nieder. Der Anlageprozess der SNB ist nach denselben Prinzipien aufgebaut, die auch grosse institutionelle Vermögensverwalter kennen. Doch weist die Anlagepolitik der SNB einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Zentralbanken respektive von anderen institutionellen Investoren unterscheiden. Weil der Franken eine fundamental starke Währung ist, kann die SNB einen höheren Anteil der Devisenreserven in Aktien halten, als dies für die meisten anderen Zentralbanken sinnvoll ist. Der wichtigste Unterschied zu institutionellen Investoren wie beispielsweise Pensionskassen besteht darin, dass die SNB ihren anlagemässig bedeutendsten Risikofaktor, das Währungsrisiko, nicht absichern kann, weil dies den geldpolitischen Zielen zuwiderläuft. Zudem liegt die Aktienquote der SNB deutlich tiefer als bei einer durchschnittlichen Pensionskasse, würden doch mehr Aktien relativ rasch zu einer Zunahme der Volatilität führen. Aktien weisen indes andere günstige Eigenschaften auf: Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines realen Werterhalts der Devisenreserven und helfen, den maximalen 12-Monatsverlust zu begrenzen.

Im Rahmen ihres geldpolitischen Auftrags nutzt die SNB seit rund 20 Jahren die anlagepolitischen Diversifikationsmöglichkeiten, um das Rendite-Risiko-Profil der Devisenreserven zu optimieren. Mit der Anpassung des Nationalbankgesetzes im Jahr 1997 konnte die SNB erstmals Anlagen erwerben, die eine längere Restlaufzeit als ein Jahr aufweisen. Das neue Nationalbankgesetz, das 2004 in Kraft getreten ist, definiert die Anlagepolitik als eine Kernaufgabe und hat den Spielraum der SNB deutlich erweitert. Die stetige Diversifikation um neue Anlageklassen und Währungen hat sich bewährt. Es ist dadurch gelungen, das Rendite-Risiko-Profil fortlaufend zu verbessern - und das selbst in den letzten Jahren, die von einer starken Bilanzausweitung geprägt waren. Auch in Zukunft wird die SNB ihre Anlagepolitik weiter optimieren.