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Anlagepolitik in Zeiten hoher Devisenreserven

Geldmarkt-Apéro, Zürich, 31.03.2016

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Seit 2008 hat sich die Bilanzsumme der Schweizerischen Nationalbank (SNB) versechsfacht. Dieser Anstieg ist das Ergebnis geldpolitischer Massnahmen zur Bekämpfung der übermässigen Frankenstärke. Seit Frühling 2009 gehören auch Interventionen am Devisenmarkt dazu. Die SNB hat damit das Währungsrisiko, das der Privatsektor nicht mehr tragen wollte, auf ihre Bilanz genommen.

Die SNB bewirtschaftet ihre Devisenanlagen professionell und kosteneffizient. Sie unterhält einen Anlage- und Risikoprozess, der nach ähnlichen Grundsätzen aufgebaut ist wie bei kommerziellen Vermögensverwaltern. Allerdings haben die Anforderungen der Geldpolitik bei der SNB stets Vorrang vor der Anlagepolitik. Sie misst der Liquidität und Sicherheit ihrer Anlagen hohe Bedeutung bei. Um langfristig den realen Werterhalt ihrer Anlagen in Franken zu sichern, geht die SNB gezielt bestimmte Marktrisiken ein. Diese Risiken werden durch die Diversifikation der Anlagen möglichst breit gestreut.

Wechselkursschwankungen sind das Hauptrisiko der Devisenanlagen. Aus geldpolitischen Gründen sichert die SNB diese jedoch nicht dagegen ab. Aufgrund des hohen Bestands können schon kleine Wechselkursveränderungen zu grossen Schwankungen des Anlageergebnisses führen. Es ist daher wichtig, dass die SNB in guten Jahren ausreichende Rückstellungen bilden kann.

Bei der Bewirtschaftung ihres grossen Aktienportfolios stellen sich Fragen zur Ethik und zur Corporate Governance. Gestützt auf ihre Ausschlusskriterien verzichtet die SNB auf Investitionen in Aktien bestimmter Unternehmen. Im vergangenen Jahr übte sie erstmals ihre Stimmrechte an Aktionärsversammlungen mittel- und grosskapitalisierter Unternehmen im Euroraum aus.

Im Markt für Unternehmensanleihen ist eine Verschlechterung der Liquiditätssituation zu beobachten. Dies hat Anpassungen bei der Bewirtschaftung der Unternehmensanleihen-Portfolios der SNB erforderlich gemacht. Die Märkte für Staatsanleihen mit hoher Bonität sind weiterhin liquide. Als langfristig orientierte Investorin ist die SNB von kurzfristigen Preisausschlägen, wie sie seit einiger Zeit vermehrt auch an den grossen Märkten auftreten, nicht betroffen.

Unabhängig von der Höhe der Anlagen stellt das Tiefzinsumfeld für alle Investoren eine besondere Herausforderung dar. Es handelt sich um ein globales Phänomen, dem sich die Schweiz nicht entziehen kann. In diesem Zusammenhang ist der Negativzins auf Sichtguthaben bei der SNB eine wichtige geldpolitische Massnahme. Ohne den Negativzins wäre der Franken noch stärker, mit entsprechend nachteiligen Auswirkungen auf das Wachstum und die Inflation in der Schweiz. Das zweite Element der Geldpolitik der SNB ist ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt Fremdwährungen gegen Franken zu kaufen. Die aktuelle Geldpolitik ist damit unverändert expansiv ausgerichtet.