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Das Swiss Interbank Clearing (SIC)

Inhalt

Das Swiss Interbank Clearing (SIC) ist das Schweizer Interbanken-Zahlungssystem. Seit Inbetriebnahme am 10. Juni 1987 wird es durch die SIX Interbank Clearing AG im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) betrieben. Der Teilnehmerkreis des SIC umfasst primär inländische Banken und die PostFinance sowie weitere Finanzmarktteilnehmer wie Effektenhändler, Versicherungen und Bargeldverarbeiter, die in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein ansässig sind. Finanzinstitute aus dem Ausland können teilnehmen, wenn sie eine Reihe weiterer Auflagen erfüllen. Neben Grossbetragszahlungen werden auch Massenzahlungen, die in Zusammenhang mit Dienstleistungen von Finanzmarktteilnehmern (Überweisungen, Kartenzahlungen, Lastschriftverfahren usw.) stehen, über das SIC-System abgewickelt. Sowohl in Bezug auf die Anzahl abgewickelter Transaktionen als auch auf die abgewickelten Volumina hat das SIC-System seit seiner Einführung kontinuierliches Wachstum erfahren (siehe Datenportal der Schweizerischen Nationalbank).  

Organisation

Die SNB fungiert als Managerin des Schweizer Interbanken-Zahlungssystems, betreibt das SIC-System allerdings nicht selbst. Seit der Einführung des SIC-Systems im Jahr 1987 ist die SIX Interbank Clearing AG, eine Tochtergesellschaft der SIX, im Auftrag der SNB für den Betrieb verantwortlich.

Zu den Aufgaben der SNB als Systemmanagerin gehören im Wesentlichen die Festlegung des Teilnehmerkreises und der Teilnahmevoraussetzungen, das Führen der Konten, der Erlass von Abwicklungsregeln, die Steuerung des Tagesablaufs, die Bereitstellung von Liquidität für die Abwicklung von Zahlungen sowie die Organisation des Krisenmanagements. Die SIX Interbank Clearing AG übernimmt betriebliche Aufgaben wie die technische Überwachung des Tagesbetriebs, die Entwicklung und Wartung der Software, die Verwaltung der Datenbestände sowie die Entwicklung und Betreuung der administrativen Verhaltensregeln.

Die Zusammenarbeit zwischen der Nationalbank und der SIX Interbank Clearing AG bei Betrieb, Unterhalt und Weiterentwicklung des SIC-Systems ist vertraglich geregelt ("SIC-Vertrag"). Zudem nimmt die SNB Einsitz im Verwaltungsrat der SIX Interbank Clearing AG.

Abwicklung

Den Teilnehmern dienen Sichteinlagen auf den Girokonten der SNB als Liquidität für die Abwicklung von Zahlungen im SIC-System. Das SIC ist gemäss geltender Terminologie ein Echtzeit-Brutto-System. Diese Kategorie von Zahlungsverkehrssystemen wird auch als Real-Time-Gross-Settlement-Systeme (RTGS-Systeme) bezeichnet. Solche Systeme wickeln jede Zahlung einzeln in Zentralbankgeld ab, sofern genügend Deckung vorhanden ist. Die Zahlung ist unwiderruflich und endgültig.

Für jeden SIC-Teilnehmer unterhält die SNB neben dem Girokonto auch ein Verrechnungskonto für die Teilnahme am SIC-System. Rechtlich bilden die beiden Konten eine Einheit. Das Girokonto dient der Abwicklung von Bargeldbezügen und Transaktionen aus dem direkten Verkehr mit der Nationalbank und wird auf dem Buchungssystem der SNB geführt, während die SIC-Transaktionen über die Verrechnungskonten auf dem Abwicklungssystem der SIX Interbank Clearing AG abgewickelt werden. Untertags befindet sich die meiste Liquidität auf den Verrechnungskonten; diese wird im Rahmen der SIC-Tagesendverarbeitung auf das Girokonto bei der SNB überführt, verbucht und für den neuen Valutatag wieder auf die einzelnen Verrechnungskonten im SIC-System transferiert.

Das SIC-System verarbeitet Zahlungen ausschliesslich unter der Bedingung, dass deren Ausführung auf dem Konto keinen negativen Saldo verursacht. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, stellt das System die Zahlung in eine Warteschlange. Es verarbeitet Zahlungen automatisch, sobald Zahlungseingänge oder ein Transfer vom Girokonto wieder für ausreichende Liquidität auf dem SIC-Verrechnungskonto sorgen. Dabei erfolgt die Verarbeitung von Zahlungen aus der Warteschlange gemäss dem Prinzip "First in first out" (Fifo-Prinzip). Die Absenderbank kann die Reihenfolge der Verrechnung allerdings beeinflussen, indem sie einer Zahlung eine Prioritätsklasse zuordnet. Innerhalb einer Prioritätsklasse steuert dann wiederum das Fifo-Prinzip den Verarbeitungsprozess.

Betrieb

Das SIC-System steht den Teilnehmern an Bankwerktagen rund um die Uhr zur Verfügung, wobei während rund 23 Stunden Zahlungen eingeliefert und verrechnet werden können. Um eine möglichst reibungslose Abwicklung im SIC-System zu erreichen, stellt die SNB den Teilnehmern über Repo-Geschäfte zinslos Innertagsliquidität zur Verfügung (siehe Merkblatt zur Innertagsfazilität).

Der Valutatag im SIC beginnt um ca. 19 Uhr und endet um 18.15 Uhr des folgenden Bankwerktages. Somit deckt sich ein SIC-Tag zeitlich nicht mit einem Kalendertag. Zwischen 19 Uhr des Vortages und 17 Uhr des aktuellen Valutatages lassen sich unbeschränkt Zahlungsaufträge abwickeln. Bis zum Clearingstopp-1 (17 Uhr) eingelieferte Kundenzahlungen werden bis am Tagesende mit Valuta "Heute" verrechnet. Nach dem Clearingstopp-1 bis zum Clearingstopp-2 (18 Uhr) werden nur noch Ausgleichzahlungen unter Teilnehmern mit gleicher Valuta verrechnet; Kundenzahlungen erhalten das Valutadatum des nächsten Bankwerktages.

Nach Clearingstopp-2 können Teilnehmer, deren Zahlungen mangels Deckung bis dahin nicht verrechnet werden konnten, bis spätestens 18.15 Uhr (Clearingstopp-3) die dazu notwendige Liquidität bei der SNB über die sog. "Engpassfinanzierungsfazilität" (EFF) beschaffen. Die Inanspruchnahme der EFF, faktisch handelt es sich dabei um Repo-Geschäfte zum Sondersatz, setzt jedoch eine entsprechende vertragliche Vereinbarung mit der SNB sowie die Hinterlegung von repofähigen Effekten voraus (siehe Merkblatt zur Engpassfinanzierungsfazilität und Merkblatt zu den SNB-repofähigen Effekten).

Um ca. 18.15 Uhr (Clearingstopp-3) startet die SNB die Tagesendverarbeitung (TEV). Im SIC-System werden u.a. alle noch in den Warteschlangen hängigen Zahlungen mit Valuta "Heute" gelöscht und der SNB die Tagesabschlusslisten aller Verrechnungskonten zugestellt. Diese verbucht die SIC-Umsätze der Teilnehmer aus den Listen auf den zugehörigen Girokonten und führt diverse Abstimmungen durch. Können die SIC-Umsätze mit den SNB-Buchungen fehlerfrei abgestimmt werden, initiiert die SNB meist kurz vor 19 Uhr die Tagesanfangsverarbeitung (TAV). In der Folge übermittelt sie wiederum die Giroguthaben der Teilnehmer auf die entsprechenden Verrechnungskonten im SIC. Damit beginnt ein neuer SIC-Tag.