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Finanzmärkte im Wandel der Zeit - Heute und morgen: Ein Blick in die digitale Zukunft

Geldmarkt-Apéro, Zürich, 05.04.2018

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Fintech, DLT und Kryptowährungen beschäftigen die Öffentlichkeit und die Finanzindustrie derzeit stark. Alternative private Währungen hat es schon früher immer wieder gegeben. Heute, in der digitalen Welt, lassen sie sich jedoch quasi per Mausklick kreieren. Doch damit allein sind Kryptowährungen noch lange nicht mit Geld vergleichbar.

Es ist wichtig, zwischen Kryptowährungen als Anlageinstrument und der zugrundeliegenden Technologie zu unterscheiden. Die "Distributed Ledger Technology" (DLT), auf der Kryptowährungen basieren, hat in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft Potenzial. DLT gilt als eine der grossen Innovationen im Fintech-Bereich.

DLT tangiert auch einen wichtigen Teil des Finanzsystems, nämlich die Finanzmarktinfrastruktur. Da die gesetzlichen Aufgaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) u.a. auch die Erleichterung und Sicherung des Funktionierens bargeldloser Zahlungssysteme umfassen und die SNB auf eine sichere Finanzmarktinfrastruktur angewiesen ist, beobachtet und begleitet sie die Entwicklungen in diesem Bereich sehr eng. Die SNB begrüsst Innovationen, welche die Effizienz erhöhen. Doch dies darf nicht das einzige Kriterium sein. Als Notenbank muss die SNB auch die Risiken im Auge behalten. Dies gilt ganz besonders für diejenigen Teile der Infrastruktur, die für die Schweiz systemisch bedeutsam sind. Hier stellt die SNB höchste Ansprüche an die Sicherheit.

Es braucht ein risikoloses Zahlungsinstrument, um die Risiken in systemisch wichtigen Bereichen zu minimieren. Deshalb werden heute zeitkritische Hochbetragszahlungen üblicherweise auf den Zahlungssystemen der Zentralbanken und in Zentralbankgeld abgewickelt. Die Zentralbanken gewährleisten so ein verlässliches Fundament der Infrastruktur. Ob in Zukunft DLT auch in diesem Bereich zum Einsatz kommt, ist noch nicht absehbar. Sollte sich DLT aber z.B. in der Wertschriftenabwicklung durchsetzen, stellt sich die Frage, wie DLT-basierte Systeme und konventionelle Zahlungssysteme der Zentralbanken koexistieren können.

Welche Technologien und Lösungen sich um dieses solide Fundament herum letztlich durchsetzen werden, soll jedoch grundsätzlich dem Markt überlassen sein. Diese Rollenteilung zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken entspricht unserem heutigen zweistufigen Finanzsystem. Es trägt zur Systemstabilität bei und ermöglicht genügend Flexibilität für Innovationen.

Bei Fintech geht es freilich um mehr als nur um DLT. Um die sich ständig wandelnden Kundenbedürfnisse zu befriedigen, arbeiten Fintech-Firmen genauso wie Banken kontinuierlich an neuen Lösungen. Einer der wichtigen Bereiche bei Fintech ist der Retailzahlungsverkehr. Die SNB verfolgt die Entwicklung eng, um die Auswirkungen auf das Finanzsystem jederzeit rechtzeitig beurteilen zu können.

Gegenwärtig wird unter dem Stichwort "digitales Zentralbankgeld für die breite Bevölkerung" eine prominentere Rolle der Zentralbanken im Endkundenbereich diskutiert. Die SNB lehnt diese Idee ab. Digitales Zentralbankgeld für die breite Bevölkerung ist nicht nötig, um einen effizienten bargeldlosen Zahlungsverkehr zu gewährleisten. Es wären damit kaum Vorteile verbunden, dafür entstünden unkalkulierbare Risiken im Bereich der Finanzstabilität.