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Erläuterungen zur Geld- und Anlagepolitik der Nationalbank

109. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Schweizerischen Nationalbank, 28.04.2017

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Die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bleibt vor dem Hintergrund tiefer Inflation und nicht voll ausgelasteter Produktionskapazitäten in der Schweiz expansiv. Die Weltwirtschaft entwickelt sich insgesamt positiv. In der Eurozone besteht aber weiterer Aufholbedarf, und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist nach wie vor expansiv.

Der Franken bleibt deutlich überbewertet. Der Negativzins und die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, sind notwendig und angemessen, um den Druck auf den Franken zu verringern. Der Negativzins hat die traditionelle Zinsdifferenz zum Ausland mindestens teilweise wiederhergestellt. Wenn die Nachfrage nach Franken besonders stark ist, stellt die SNB dem Markt über Devisenkäufe zusätzliche Franken zur Verfügung. Ohne Negativzins und Interventionsbereitschaft wäre der Franken noch stärker, die Inflation würde erneut sinken und die Arbeitslosigkeit steigen.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die SNB Devisen im Gegenwert von 67 Mrd. Franken erworben. Angesichts des daraus resultierenden Bilanzwachstums hat die Anlagepolitik der SNB weiter an Bedeutung gewonnen. Die Anlagepolitik muss die Nationalbank in der Erfüllung ihres geldpolitischen Auftrags unterstützen und ihr den geldpolitischen Handlungsspielraum bewahren.

Um sicherzustellen, dass die Bilanz jederzeit zu geldpolitischen Zwecken eingesetzt werden kann, investiert die SNB ihre Devisen in sichere und liquide Wertpapiere. Die SNB legt zudem die Währungsreserven langfristig werterhaltend an. In den vergangenen Jahren hat die SNB ihr Anlageuniversum in Bezug auf Anlageklassen und -märkte sowie Währungen kontinuierlich ausgeweitet. Dadurch können neu gekaufte Devisen rasch investiert und bei Bedarf auch wieder veräussert werden. Zudem ermöglicht die Aufnahme neuer Anlagekategorien eine breite Diversifikation und trägt damit zum Werterhalt der Währungsreserven bei.

Eine wachsende Bilanz führt zwangsläufig zu stärkeren Schwankungen des Jahresergebnisses: Das absolute Gewinn- und Verlustpotenzial wird grösser. Für die Geldpolitik der SNB stellen gelegentliche Verluste, und selbst ein zeitweise negatives Eigenkapital, kein grundsätzliches Problem dar. Die SNB bliebe auch dann geldpolitisch handlungsfähig. Dennoch gilt es, einen solchen Zustand möglichst zu vermeiden. Die Rückstellungspolitik und die Ausschüttungsvereinbarung sind daher auf die Sicherung einer soliden Eigenkapitalausstattung ausgerichtet.