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Szenenwechsel bei der Umsetzung der Geldpolitik

Geldmarkt-Apéro, Zürich, 26.03.2015

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Am 15. Januar dieses Jahres hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor dem Hintergrund der zunehmenden Divergenz zwischen den USA und Euroland den Mindestkurs auf. Die Unterschiede punkto Inflation, Wirtschaftswachstum, Zinserwartungen und Geldpolitik hatten sich im Verlauf von 2014 massiv vergrössert. Der Entscheid der SNB bedeutete auch für die Umsetzung der Schweizer Geldpolitik einen Szenenwechsel.

In der zweiten Jahreshälfte 2014 reagierte der Devisenmarkt auf das Auseinanderklaffen der beiden grossen Währungsräumen. Die Handelsvolumen und die Nervosität nahmen merklich zu, die Dynamik erfasste auch den Franken. Er geriet unter starken Aufwertungsdruck, der Umsatz im Währungspaar Euro-Franken legte ab Mitte November besonders stark zu. Im Dezember musste die SNB intervenieren, um den Mindestkurs durchzusetzen. Die Ankündigung eines Negativzinses auf den Giroguthaben am 18. Dezember brachte eine vorübergehende Entspannung. Doch bald nach Jahresbeginn spitzte sich die Lage erneut zu: Es zeichnete sich ab, dass die Durchsetzung des Mindestkurses immer grössere Beträge verschlingen würde, ohne Aussicht auf ein glimpfliches Ende.

Der Mindestkurs war eine ausserordentliche geldpolitische Massnahme mit einem direkten Bezug zum Devisenmarkt. Für die Umsetzung bedeutete dies, dass die Aufhebung schlagartig und überraschend erfolgen musste. Auch aus Reputationsgründen war wichtig, dass kein Marktteilnehmer über einen Informationsvorsprung verfügte. Entsprechend heftig fiel am Devisenmarkt und an den Finanzmärkten insgesamt die Reaktion auf den Paukenschlag der SNB aus. Zugleich mit der Aufhebung des Mindestkurses senkte die SNB den Negativzins weiter ab. Daraufhin fielen die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt sehr rasch, und mit der Zeit schwächte sich auch der Franken wieder etwas ab. Damit der Negativzins die geldpolitisch erwünschte Wirkung erzielt und das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv macht, muss er möglichst flächendeckend angewendet werden. Die SNB ist sich aber bewusst, dass die Massnahme auch mit Nebenwirkungen verbunden ist, namentlich im Bereich der Zinsabsicherung der Banken.

Die Schweizer Geldpolitik bleibt auch nach dem Wegfall des Mindestkurses von normalen Verhältnissen weit entfernt. Falls nötig werden für die Umsetzung weiterhin aussergewöhnliche Mittel herangezogen. Die SNB trägt der Wechselkurssituation nach wie vor Rechnung und wird bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv sein.