Drucken

Die demographische Herausforderung: Makroökonomische Perspektiven

Tagung "Die alternde Gesellschaft als sozio-ökonomische Herausforderung", Universität Basel, Basel, 09.02.2007

  • Vollständiger Text
    (160 KB)
Die demographische Alterung, d.h. die Zunahme des Durchschnittsalters der Bevölkerung bzw. die Umkehrung der Alterspyramide ist auch für eine Notenbank ein Thema. Ohne eine sorgfältige Analyse der längerfristigen realwirtschaftlichen Entwicklungen bliebe jede geldpolitische Lagebeurteilung und somit jede Inflationsprognose unzulänglich. In die geldpolitische Lagebeurteilung der Nationalbank fliessen neben dem Geschehen auf den Geld- und Kapitalmärkten auch die längerfristigen Wachstumsaussichten und damit ebenfalls die Bevölkerungsperspektiven ein.
 
Die Alterung der Bevölkerung ist eine Tatsache. Damit verbinden sich drei Haupttendenzen, welche die demographische Landschaft der Schweiz in den nächsten Jahrzehnten stark beeinflussen: Die Erwerbsbevölkerung nimmt ab, der Altersquotient, d.h. das Verhältnis Über-65-Jährigen zu den 20-bis 64-Jährigen wächst, und die Hochaltrigkeit steigt.
 
In der Zukunft muss die Schweiz mit weniger Ressourcen mehr produzieren. «Mit weniger Ressourcen» wegen der Abnahme der Erwerbsbevölkerung; «mehr produzieren» wegen der Verschlechterung des Altersquotienten und wegen der steigenden Hochaltrigkeit. Das Fazit der makroökonomischen Perspektiven ist klar: Lassen sich die Arbeitsproduktivität und/oder der Arbeitseinsatz nicht anheben, wird die bevorstehende demographische Entwicklung mittel- und langfristig zu einem geringeren Wachstum führen.
 
Umso wichtiger wird die Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Das Wachstum der Arbeitsproduktivität hängt wesentlich von der Ausstattung der Arbeitsplätze mit Kapital und vom Markterfolg der abgesetzten Produkte ab. «Milchmädchenrechnungen» sind jedoch nicht am Platz. Weder der technische Fortschritt noch der Kapitaleinsatz sind von der demographischen Alterung unabhängig. Die "Altersmüdigkeit" kann die Innovationskraft hemmen. Umgekehrt kann die wachsende Erfahrung das Humankapital steigern. Den Folgen der Verknappung der Arbeitskraft kann mit mehr Investitionen entgegen getreten werden. Anderseits können sowohl die Spar- als auch die Investitionsquote sinken, letzteres vor allem dann, wenn ausländische Standorte attraktiver würden. Der Gesamteffekt dieser Wechselwirkungen auf das Wachstum steht nicht fest.
 
Die Perspektiven rufen nach Massnahmen zur Erhöhung sowohl der Arbeitsproduktivität als auch des Arbeitseinsatzes. In einer Marktwirtschaft stehen den Arbeitgebern, den Arbeitnehmern und den Selbständigerwerbenden viele Instrumente und Verhaltensmuster zur Verfügung, um die Arbeitsproduktivität und den Arbeitseinsatz zu steigern. Doch auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind verbesserungsfähig. Erstens sollte nicht zugelassen werden, dass sich die Innovationskapazität der Schweiz vermindert. Zweitens sollte die Schweiz weiterhin mehr Investitionen an sich ziehen bzw. an sich binden. Drittens könnte die Erwerbsbevölkerung durch eine qualifiziertere Immigration verstärkt werden. Analog könnten auch die bereits hier ansässigen Frauen einen Beitrag zur Steigerung der Erwerbsquote der Schweiz leisten.