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Geldpolitik und Konjunktur in der Schweiz

BTV und Österreichischer Gewerbeverein, Wien, 30.01.2006

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Die Konjunkturlage in der Schweiz hat sich im Verlauf des letzten Jahres deutlich verbessert. Insbesondere der private Konsum, die Bauinvestitionen und der Aussenhandel haben zu einer positiven Dynamik beigetragen. Die Aussichten bleiben auch für 2006 günstig. Die Nationalbank geht von einem Wachstum für das reale Bruttoinlandprodukt von gut 2% aus. Dabei dürfte die Exportnachfrage aufgrund des robusten Wachstums der Weltwirtschaft und der günstigen Wechselkursverhältnisse weiterhin kräftig bleiben. Die Ausrüstungsinvestitionen sollten nicht zuletzt wegen einem Nachholbedarf deutlich ansteigen. Der private Konsum könnte von einer Verbesserung der Arbeitsmarktlage und höheren Realeinkommen profitieren. Die Bautätigkeit dürfte dagegen auf einem hohen Niveau verweilen.

Trotz einem starken Anstieg der Erdölpreise blieb die Inflation in der Schweiz im Bereich der Preisstabilität. Die Entwicklung der Kerninflation deutet darauf hin, dass kaum grössere Zweitrundeneffekte zu erwarten sind. Die Inflationsprognose der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigt, dass in der kurzen Frist keine Gefahren für die Preisstabilität bestehen. Jedoch würde eine unverändert expansive Geldpolitik mit der Zeit zu einem deutlichen Anstieg der Inflation führen. Die SNB wird daher ihre bereits eingeleitete graduelle Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen, wobei Geschwindigkeit und Ausmass der Normalisierung von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. Die SNB ist dank günstiger Inflationsentwicklung in der Lage, eine vorsichtige Annährung an ein neutrales Zinsniveau vorzunehmen, das möglicherweise tiefer liegt als in der Vergangenheit. Sie wird dabei weiterhin eine autonome Geldpolitik führen.

Die grössten Risiken für die Konjunktur sind im Moment ein möglicher Anstieg der Ölpreise, ein grosser Wertverlust des Dollars und ein starker Anstieg der langfristigen Zinssätze. Die günstigen Aussichten für die Konjunktur in der Schweiz dürfen nicht dazu führen, dass die Bestrebungen zur Lösung der strukturellen Probleme in der Schweiz zurückgehen. Das über längere Zeit ungenügende Wachstum kann nur durch konsequente Umsetzung der Strukturreformen überwunden werden.