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Revision der Bilanzstatistiken

Hintergrund

Per Berichtsmonat November 2015 führte die Schweizerische Nationalbank (SNB) erstmals Erhebungen durch, die auf den revidierten Rechnungslegungsvorschriften für Banken der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA (RVB, FINMA-RS 15/01, vormals FINMA-RS 08/02) beruhen. Mit den RVB änderten sich Gliederung und Inhalt der Bilanzen und der Erfolgsrechnungen der Banken. Diese Änderungen widerspiegeln sich in den publizierten Tabellen zu den Bilanzstatistiken (data.snb.ch), welche die SNB ebenfalls ab Berichtsmonat November 2015 auf das RVB-Schema umstellte. Ziel der SNB war es, die Daten der neuen RVB – wenn immer möglich – mit den bisher publizierten Daten zu verknüpfen und den Datennutzern so lange Zeitreihen zur Verfügung zu stellen. Verschiedene dieser Reihen weisen aufgrund der RVB-Revision einen Bruch zwischen Oktober und November 2015 auf. In anderen Reihen wiederum blieben Reihenbrüche aus, da sich die bis anhin erhobenen Daten klar dem neuen Bilanzschema zuordnen liessen.

Wichtigste Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften

Verpflichtungen aus Kundeneinlagen

Die RVB fassen die bisherigen Passivpositionen «Übrige Verpflichtungen gegenüber Kunden» und Verpflichtungen gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform neu in den Verpflichtungen aus Kundeneinlagen zusammen.

Wertberichtigungen und Rückstellungen

Neu müssen Banken Wertberichtigungen zwingend mit der dazugehörigen Aktivposition verrechnen und dürfen sie nicht länger unter den Passiven ausweisen. Bisher konnten die Banken die Wertberichtigungen entweder direkt von den betroffenen Aktivpositionen abziehen oder sie in der Position Wertberichtigungen und Rückstellungen passivieren. Die alte Passivposition Rückstellungen und Wertberichtigungen wird dementsprechend in Rückstellungen umbenannt.

Allerdings dürfen Banken in den ersten beiden Geschäftsjahren nach Inkrafttreten der neuen RVB (d.h. bis Ende 2016) die Wertberichtigungen auch in einem Gesamt- oder Teilbetrag als globale Minusposition der Aktiven (in der Übergangs-Bilanzposition «Nicht verrechenbare Wertberichtigungen gemäss Übergangsbestimmungen») ausweisen, anstatt sie direkt mit den zugehörigen Aktivpositionen zu verrechnen.

Wertpapierfinanzierungsgeschäfte

Die RVB führen die neuen Bilanzpositionen Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften und Verpflichtungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften ein. Sie erfassen die Forderungen resp. Verpflichtungen aus Barhinterlagen, die im Zusammenhang mit Wertpapierdarlehensgeschäften (sog. Repos und Reverse-Repos) oder Wertpapierpensionsgeschäften (sog. SLB-Geschäfte) stehen. Banken verbuchten diese bis anhin unter den Forderungen oder Verpflichtungen gegenüber Banken resp. Kunden.

Verpflichtungen aus Handelsgeschäften

Die neue Passivposition Verpflichtungen aus Handelsgeschäften erfasst die Shortbestände im Handelsgeschäft und Verpflichtungen aus Shortpositionen aufgrund von Kassenleerverkäufen, die nach dem Abschlusstagprinzip verbucht werden. Bis anhin verbuchten die Banken diese unter Verpflichtungen gegenüber Banken bzw. «Übrige Verpflichtungen gegenüber Kunden».

Übrige Finanzinstrumente mit Fair-Value-Bewertung

Die neu eingeführte Fair-Value-Option (FVO) ermöglicht es den Banken, Finanzinstrumente unter bestimmten Bedingungen zum Fair-Value zu bewerten, anstatt wie bisher zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum Nominalwert. Wählen Banken die FVO für ein bestimmtes Instrument, buchen sie dieses – zum Fair-Value – unter der neuen Bilanzposition «Übrige Finanzinstrumente mit Fair-Value-Bewertung» auf der Aktivseite bzw. unter den «Verpflichtungen aus übrigen Finanzinstrumente mit Fair-Value-Bewertung» auf der Passivseite. Die Einführung der FVO und der zugehörigen Bilanzpositionen zielt insbesondere auf die Verbuchung von selbst emittierten strukturierten Produkten auf der Passivseite.

Derivative Finanzinstrumente

Bis anhin wurden die positiven resp. negativen Wiederbeschaffungswerte aller am Bilanzstichtag offenen derivativen Finanzinstrumente aus Eigen- und Kundengeschäften unter den Bilanzpositionen «Sonstige Aktiven» und «Sonstige Passiven» verbucht. Mit den RVB werden diese in den neuen Bilanzpositionen «Positive Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente» bzw. «Negative Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente» ausgewiesen.

Geldmarktpapiere

Die alten Bilanzpositionen Forderungen aus Geldmarktpapieren und Verpflichtungen aus Geldmarktpapieren entfallen unter den RVB. Die bisher in den Forderungen aus Geldmarktpapieren verbuchten Geldmarktpapiere fliessen – mit Ausnahme von Wechseln und Checks – neu in die Bilanzposition Finanzanlagen ein. Wechsel und Checks verbuchen die Banken neu je nach Gegenpartei als Forderungen gegenüber Banken bzw. Kunden. Auf der Passivseite fliessen Geldmarktpapiere neu je nach Gegenpartei in die Verpflichtungen gegenüber Banken, Verpflichtungen aus Kundeneinlagen oder bei unbekannter Gegenpartei in die Bilanzposition Anleihen und Pfandbriefdarlehen ein.

Reihenbrüche

Aufgrund der Revision der Rechnungslegungsvorschriften weisen verschiedene Positionen in den bankenstatistischen Tabellen Reihenbrüche zwischen Oktober und November 2015 auf. Die Brüche resultieren aus den geänderten Vorschriften zur Gliederung und zum Inhalt der Bilanz der Banken. Weiter nutzten die Banken den Umstieg auf die neuen Rechnungslegungsvorschriften teilweise auch, um weitere interne Umstellungen vorzunehmen, woraus sich zusätzliche Veränderungen in den gemeldeten Daten ergaben.

Die nachfolgenden Ausführungen zu den wichtigsten Reihenbrüchen beziehen sich grösstenteils auf Totalpositionen; die Brüche setzten sich – mitunter ungleichmässig – in den Gliederungen nach Bankengruppen, Währungen, Fälligkeiten und Sektoren fort:

Forderungen gegenüber Banken und Forderungen gegenüber Kunden

Die Forderungen gegenüber Banken gingen von Oktober auf November 2015 um 141,7 Mrd. Franken (–28%) zurück. Mit einem Rückgang um 122,7 Mrd. Franken (–33%) waren die Forderungen gegenüber Banken im Ausland weitaus stärker betroffen als die Forderungen gegenüber inländischen Banken (–19,0 Mrd. Franken; –15%). Hauptverantwortlich für diese Abnahme ist, dass die Forderungen aus Wertpapierdarlehensgeschäften (Repos) ab November 2015 unter der neuen Bilanzposition Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften bilanziert werden.

Im Vergleich zu den Forderungen gegenüber Banken nahmen die Forderungen gegenüber Kunden im Aggregat über alle Banken deutlich schwächer ab (–22,0 Mrd. Franken; –3%). Dieser Rückgang konzentrierte sich auf die Kantonalbanken (–9,3 Mrd. Franken; –17%) sowie die Grossbanken (–16,8 Mrd. Franken; –4%) und ist wie bei den Forderungen gegenüber Banken insbesondere auf die Einführung der neuen Bilanzposition Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften zurückzuführen.

Verpflichtungen gegenüber Banken

Auch die Verpflichtungen gegenüber Banken sanken durch die Einführung der neuen Bilanzposition Verpflichtungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften, wenn auch weniger stark als die Forderungen gegenüber Banken auf der Aktivseite (–90,6 Mrd. Franken; –19%). Der Rückgang gegenüber Banken im Ausland betrug dabei 62,1 Mrd. Franken (–18%); die Verpflichtungen gegenüber inländischen Banken sanken um 28,5 Mrd. Franken (–20%).

Fälligkeitszuordnung von Callgeldern

Callgelder wurden in den bilanzstatistischen Erhebungen der SNB bislang unter der Fälligkeitskategorie «mit Restlaufzeit bis 1 Monat» erhoben und publiziert. Nach den alten wie auch den neuen Rechnungslegungsvorschriften sind sie hingegen der Kategorie «kündbar» zuzuordnen. Mit der Umstellung der Erhebungen auf das neue RVB-Schema wurde diese Abweichung bereinigt. Per November 2015 zeigt sich dies zum einen im erstmaligen Ausweis von kündbaren Forderungen und Verpflichtungen gegenüber Banken in Höhe von 8,1 resp. 10,8 Mrd. Franken. Zum anderen stiegen die kündbaren «Kundeneinlagen ohne Vorsorgegelder» um rund 40 Mrd. Franken (+7%), während die «Kundeneinlagen ohne Vorsorgegelder» mit der Restlaufzeit bis 1 Monat um 35,0 Mrd. Franken (–29%) abnahmen. Von dieser Umklassierung waren insbesondere die die Grossbanken betroffen.

Kassenobligationen

Die Kassenobligation sanken von Oktober auf November um 8,9 Mrd. Franken (–39%). Der Rückgang betraf die Bankengruppe der Raiffeisenbanken, welche mit der Umstellung auf die RVB auch interne Umstellungen vornahmen: Bestimmte bis anhin in den Verpflichtungen aus Kassenobligationen enthaltene Positionen wurden neu den Termineinlagen zugeordnet.

Anleihen und Pfandbriefdarlehen

Die Verpflichtungen aus Anleihen und Pfandbriefdarlehen nahmen von Oktober auf November 2015 um 112,8 Mrd. Franken ab (–22%). Hinter diesem Rückgang stehen insbesondere Verbindlichkeiten wie z.B. selbstemittierte strukturierte Produkte, die bei Anwendung der sogenannten Fair-Value-Option unter der neuen Bilanzposition Verpflichtungen aus übrigen Finanzinstrumenten mit Fair-Value-Bewertung verbucht werden können. Die Fair-Value-Option wurde insbesondere von den Grossbanken und dort für Verpflichtungen gegenüber dem Ausland verwendet.

Rückstellungen

Die Rückstellungen lagen im November 2015 für das Total Inland und Ausland 4,4 Mrd. Franken (–18%) unter dem Wert des Vormonats. Bis und mit Oktober 2015 waren noch bestimmte Wertberichtigungen in dieser Bilanzposition enthalten. Mit der Einführung der RVB dürfen die Banken Wertberichtigungen nicht länger passivieren: Die Banken ziehen die Wertberichtigungen direkt bei der zugehörigen Aktivposition ab oder melden sie als globale Minusposition der Aktiven in der Übergangsbilanzposition «Nicht verrechenbare Wertberichtigungen gemäss Übergangsbestimmungen».