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Das geldpolitische Instrumentarium

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Aufgabe, den Geldmarkt in Schweizer Franken mit Liquidität zu versorgen (Nationalbankgesetz (NBG), Art. 5 Abs. 2 Bst. a). Die Geschäfte, welche die SNB am Finanzmarkt tätigen darf, sind unter Art. 9 NBG aufgelistet. Die Bank wirkt gemäss Art. 9 Abs. 1 Bst. e NBG auch als Kreditgeber in letzter Instanz (Lender of Last Resort). Die «Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank über das geldpolitische Instrumentarium» vom 25. März 2004 konkretisieren Art. 9 NBG und beschreiben die Instrumente und Verfahren, welche die SNB zur Umsetzung ihrer Geldpolitik einsetzt. Sie definieren zudem, zu welchen Bedingungen diese Geschäfte abgeschlossen werden und welche Effekten als Sicherheit für geldpolitische Operationen verwendet werden können. Grundsätzlich sind alle in der Schweiz domizilierten Banken und andere inländische Finanzmarktteilnehmer sowie die international tätigen Banken im Ausland, welche den Bedingungen der Nationalbank nachkommen, als Geschäftspartner zugelassen. Die Richtlinien werden durch fünf Merkblätter ergänzt. Diese richten sich vornehmlich an die Geschäftspartner.

Offenmarktoperationen und stehende Fazilitäten

Im geldpolitischen Instrumentarium wird zwischen den Offenmarktoperationen und den stehenden Fazilitäten unterschieden. Bei den Offenmarktoperationen geht die Initiative zum Geschäftsabschluss von der SNB aus. Bei den stehenden Fazilitäten, der Innertags- und der Engpassfinanzierungsfazilität, setzt die Nationalbank lediglich die Konditionen fest, zu denen die Geschäftsbanken kurzfristig Liquidität beziehen können.

Die Offenmarktoperationen umfassen Repo-Geschäfte, Emissionen von eigenen Schuldverschreibungen (SNB Bills) sowie deren Kauf und Verkauf am Sekundärmarkt. Bei einem Repo-Geschäft verkauft der Geldnehmer per Kasse Effekten an den Geldgeber und vereinbart mit diesem gleichzeitig den Rückkauf von Effekten gleicher Gattung und Menge auf einen späteren Zeitpunkt. Für die Dauer des Geschäfts wird vom Geldnehmer ein Zins (Repo-Satz) bezahlt. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich beim Repo um ein gesichertes Darlehen. Durch die Emission von SNB Bills kann die SNB Liquidität binden.

Die Offenmarktoperationen der SNB dienen der Versorgung des Schweizer Franken Geldmarktes mit Liquidität. Die SNB kann Repo-Geschäfte im Rahmen von Auktionen oder bilateral mit einzelnen Geschäftspartnern durchführen. Die Auktionen werden in Form eines Mengen- oder Zinstenders durchgeführt. Bei einem Mengentender fragen die Geschäftspartner der Nationalbank bei einem vorgegebenen Preis (Repo-Satz) einen bestimmten Liquiditätsbetrag nach. Bei einem Zinstender kommunizieren die Geschäftspartner der SNB den nachgesuchten Betrag sowie den Zinssatz, den sie bereit sind, für die auktionierte Liquidität zu bezahlen. Die Höhe des Repo-Satzes, der Umfang der einzelnen Geschäfte sowie die Laufzeiten richten sich nach den geldpolitischen Erfordernissen. Die Laufzeit der Repo-Geschäfte kann zwischen einem Tag (Overnight) und mehreren Monaten betragen. Mittels der Zinskonditionen und dem Umfang dieser Operationen kann die SNB Einfluss auf die Geldmarktzinsen nehmen. Die SNB kann ausserdem jederzeit auf die Preisbildung im Geldmarkt Einfluss nehmen, indem sie auf dem elektronischen Marktplatz für Repo-Geschäfte Angebote platziert oder Offerten akzeptiert. Damit kann sie zur Stabilisierung der kurzfristigen Geldmarktzinsen beitragen. Die Emission der SNB Bills erfolgt öffentlich im Auktionsverfahren oder mittels Privatplatzierung. Die Auktionen werden entweder in Form eines Mengen- oder eines Zinstenders auf einer elektronischen Handelsplattform durchgeführt. Die Laufzeit kann bis zu einem Jahr betragen. Die Nationalbank kann SNB Bills während der Laufzeit zurückkaufen und wieder verkaufen. Die Verzinsung der SNB Bills erfolgt auf Diskontbasis.

Bei den stehenden Fazilitäten stellt die Nationalbank über die Innertagsfazilität den Geschäftspartnern während des Tages über Repo-Geschäfte zinslos Liquidität (Intraday) zur Verfügung. Diese Liquidität erleichtert die Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Swiss Interbank Clearing (SIC) und der Devisentransaktionen im multilateralen Zahlungssystem Continuous Linked Settlement (CLS). Der bezogene Geldbetrag muss spätestens am Ende desselben Bankwerktages zurückbezahlt werden. Zur Erfüllung der Mindestreservevorschriften und der bankengesetzlichen Liquiditätsvorschriften wird er nicht angerechnet.

Zur Überbrückung von unerwarteten Liquiditätsengpässen bietet die Nationalbank eine Engpassfinanzierungsfazilität an. Diese Fazilität kann mittels Repo-Geschäft zum Sondersatz bis zum nächsten Bankwerktag (Overnight) in Anspruch genommen werden. Der Sondersatz berechnet sich aus dem SARON (Swiss Average Rate Overnight) zuzüglich eines Zinsaufschlags. Der Sondersatz wird täglich über die elektronischen Marktinformationsdienste bekannt gegeben. Die Voraussetzung für den Abschluss eines Repo-Geschäfts zum Sondersatz bildet die Einräumung einer Limite durch die SNB sowie die dauernde Deckung dieser Limite mit mindestens 110 Prozent SNB-repofähigen Effekten. Die Limite bestimmt den maximal möglichen Bezug von Liquidität durch einen Geschäftspartner. Die Beanspruchung der Limite erfolgt in Form eines Overnight-Repo-Geschäfts. Die Effekten werden in einem auf den Geschäftspartner lautenden «Deckungsdepot SNB» bei der SIX SIS AG aufbewahrt.

Weitere geldpolitische Instrumente

Neben den ordentlichen Instrumenten stehen der Nationalbank als weitere Instrumente Devisenkassa- und Termingeschäfte, Devisenswaps sowie An- und Verkauf von Effekten in Franken zur Verfügung. Zudem kann sie Derivate auf Forderungen, Effekten, Edelmetalle und Währungspaare schaffen, kaufen oder verkaufen.

Ausführlichere Informationen finden sich in den «Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank über das geldpolitische Instrumentarium» sowie in den dazugehörigen fünf Merkblättern. Weitere Informationen zu den Offenmarktoperationen, stehenden Fazilitäten sowie den Swiss Reference Rates sind unter der Rubrik «Informationen für Finanzmärkte» verfügbar.