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Berichterstattung über die Geldpolitik 2003

Ausgangslage

An der vierteljährlichen Lagebeurteilung im Dezember 2002 war die Nationalbank davon ausgegangen, dass das schweizerische Wirtschaftswachstum im Jahre 2003 bei 1% liegen und ein nachhaltiger Konjunkturaufschwung erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte eintreten werde. Unter der Annahme eines konstanten Dreimonats-Libors von 0,75% prognostizierte sie für die nächsten Jahre Inflationsraten zwischen 0,7% (Jahresdurchschnitt 2003) und 1,6% (2005). Es schien deshalb angemessen, das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert auf dem seit dem 26. Juli 2002 geltenden Niveau von 0,25% bis 1,25% zu belassen.

Senkung des Zielbandes im März

In den ersten Monaten des Jahres 2003 wurde deutlich, dass sich der Konjunkturaufschwung verzögern würde. Der sich anbahnende Krieg im Irak verstärkte diese Tendenz. In dieser Situation wollte die Nationalbank einer Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen über eine Aufwertung des Frankens entgegentreten. Am 6. März senkte die Nationalbank daher das Zielband für den Dreimonats-Libor um einen halben Prozentpunkt auf 0% bis 0,75%. Gleichzeitig gab sie bekannt, dass sie den Dreimonats-Libor bis auf weiteres im unteren Bereich des neuen Zielbandes, bei 0,25% halten werde. Aus technischen Gründen (Null-Prozent-Untergrenze für nominelle Zinssätze) wurde die Breite des Zielbandes vorübergehend von 100 auf 75 Basispunkte reduziert. An der vierteljährlichen Lagebeurteilung vom 20. März wurde diese Politik bestätigt und gleichzeitig eine neue Inflationsprognose veröffentlicht (vgl. Tabelle Inflationsprognosen).

Lockerung der monetären Bedingungen durch Tieferbewertung des Frankens

Nach der Senkung des Zielbandes für den Dreimonats-Libor im März wertete sich der Franken spürbar ab. Damit lockerten sich die monetären Bedingungen wie gewünscht nochmals. Gleichwohl fielen die Wirtschaftsdaten zunächst etwas schwächer als erwartet aus. Nachdem die Nationalbank ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2003 bereits im März auf ein knappes Prozent zurückgenommen hatte, ging sie Mitte Jahr von einer Stagnation und wenig später von einem moderaten Rückgang des Bruttoinlandprodukts aus. Die Inflation bildete sich nochmals leicht zurück.

Keine weiteren Veränderungen des Zielbandes bis Ende Jahr

An den vierteljährlichen Lagebeurteilungen vom 11. Juni, 18. September und 11. Dezember wurde das Zielband unverändert auf 0,0% bis 0,75% belassen. Die an den drei Terminen publizierten Inflationsprognosen unterschieden sich nur geringfügig (vgl. Tabelle).

Inflationsprognosen Jahresdurchschnittswerte in Prozent

Monat
Libor*
2003
2004
2005
2006
Dez 02
0,75
0,7
0,9
1,6
Mrz 03
0,25
0,7
0,9
1,9
Jun 03
0,25
0,6
0,4
1,2
Sep 03
0,25
0,5
0,2
1,0
Dez 03
0,25
0,6
0,4
1,0
2,3

*Annahme eines konstanten Dreimonats-Libors

Inflationsprognose signalisiert Zinserhöhung in der mittleren Frist

Über das ganze Jahr gesehen war die Nationalbank bestrebt, die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen und die Attraktivität von Frankenanlagen tief zu halten. Sie betrachtete ihre Geldpolitik als expansiv. In den Inflationsprognosen kam dies dadurch zum Ausdruck, dass die prognostizierte Inflation gegen Ende des Prognosezeitraums jeweils deutlich anstieg und für das Jahr 2006 über 2,0% anzeigte. Damit wurde deutlich, dass das tiefe Zinsniveau nicht auf Dauer aufrechterhalten werden kann.

Starkes Geldmengenwachstum

Mit der expansiven Geldpolitik weiteten sich auch die Geldaggregate aus. Das starke Geldmengenwachstum überzeichnete indessen das Risiko für die Preisstabilität. Zum einen entwickelte sich die Kreditschöpfung der Banken weiterhin verhalten. Zum andern widerspiegelte die Zunahme der Liquidität auch die Unsicherheit der Anleger, die nach schlechten Börsenerfahrungen und angesichts der unsicheren Wirtschaftslage eine Präferenz für Liquidität hatten. Die Liquditätspräferenz ist speziell ausgeprägt, wenn das Zinsniveau auf dem Geldmarkt nahe bei 0% liegt. In diesem Fall decken die Zinserträge die den Anlegern beim Abschluss bestimmter Geldmarktgeschäfte belasteten Kommissionsgebühren nicht mehr. So sind im Jahre 2003 insbesondere Treuhandanlagen in Schweizer Franken im Ausland auf Sichtkonti in die Schweiz zurückgeflossen. Dieser Kapitalzustrom erhöhte die Geldaggregate zusätzlich.

Festhalten an expansiver Geldpolitik trotz starken Geldmengenwachstums

Die Nationalbank war der Auffassung, dass die Geldpolitik erst bei gesichertem konjunkturellem Aufschwung gestrafft werden müsse. Eine Belebung der Nachfrage treibe die Preise angesichts der freien Produktionskapazitäten nicht unmittelbar nach oben und es verbleibe damit genügend Zeit, die Geldpolitik anzupassen.