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Berichterstattung über die Geldpolitik 2002

Ausgangslage

Im Dezember 2001 hatte die Nationalbank ihr Zinszielband für den Dreimonats-Libor auf 1,25%-2,25% gesenkt und eine Inflationsprognose mit der Annahme eines konstanten Zinssatzes von 1,75% veröffentlicht. Die Prognose deutete darauf hin, dass die Inflation in der Schweiz im Verlaufe des Jahres 2002 vorübergehend auf rund 0,5% fallen und anschliessend bis zum Ende des dreijährigen Prognosehorizonts schrittweise bis auf 1,5% steigen werde. Für das schweizerische Wirtschaftswachstum prognostizierte die Nationalbank eine Abschwächung von geschätzten 1,5% auf rund 1,0% im Jahre 2002. Die Nationalbank führte daher ihre expansive Geldpolitik vorerst fort, was unter anderem im starken Wachstum der Geldmenge M3 zum Ausdruck kam.

Neubeurteilung infolge unerwartet schwachen Wirtschaftswachstums und starken Frankens

Im Laufe des Jahres machten vor allem zwei Faktoren mehrmals eine Neubeurteilung der Lage notwendig. Erstens zeigte sich immer deutlicher, dass sich der erwartete Aufschwung verzögern und das ursprünglich prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,0% nicht zu erreichen sein würde. Der zweite Faktor war die Höherbewertung des Frankens. Der Franken hatte sich bereits nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 nominal und real deutlich aufgewertet. Nachdem der Druck vorübergehend nachgelassen hatte, gewann der Franken im April sowie im Juli erneut leicht an Wert. Die Höherbewertung des Frankens hätte bei unverändertem Zinssatz wie eine restriktivere Geldpolitik gewirkt. Dies war vor dem Hintergrund des unerwartet schwachen Wirtschaftswachstums und der tiefen Teuerung unerwünscht.

Senkung des Zielbandes im Mai und im Juli

Die Nationalbank reagierte auf diese Entwicklungen mit einer Senkung des Zinszielbandes in zwei Schritten. Am 2. Mai senkte sie das Zielband um einen halben Prozentpunkt auf 0,75%-1,75%. Am 26. Juli nahm sie eine nochmalige Senkung um erneut einen halben Prozentpunkt auf 0,25%-1,25% vor. Das nachlassende Wirtschaftswachstum und die tiefe Teuerung von unter 1% boten Spielraum für diese insgesamt deutliche Zinsreduktion.

Keine Veränderung des Zielbandes an den planmässigen Lagebeurteilungen

An den vierteljährlichen Lagebeurteilungen liess die Nationalbank das Zinszielband unverändert. Im März gab es noch keinen Grund für eine Änderung der Geldpolitik. Ausgehend von günstigen Konjunkturdaten aus den USA hatte sich die Stimmung sogar leicht verbessert, was sich auch in steigenden Aktienkursen niederschlug. Im Juni und September war zu berücksichtigen, dass das Zinszielband bereits zweimal, am 2. Mai bzw. am 26. Juli, gesenkt worden war. Es gab daher an diesen beiden vierteljährlichen Lagebeurteilungen kaum Anlass, zusätzliche Massnahmen zu treffen. Auch im Dezember liess die Nationalbank das Zielband unverändert. Sie führte ihre expansive Geldpolitik fort, um den erwarteten Aufschwung zu unterstützen.

Signale für eine mittelfristige Anhebung der Zinsen

Die im Juni 2002 publizierte Inflationsprognose deutete darauf hin, dass die Teuerung bei einem unveränderten Dreimonats-Libor von 1,25% gegen Ende des Prognosehorizonts rasch und deutlich steigen würde. Einen ähnlichen Verlauf zeigte auch die im Dezember 2002 publizierte Inflationsprognose, die auf einem konstanten Dreimonats-Libor von 0,75% basiert. Beide Prognosen signalisierten somit, dass das tiefe Zinsniveau vorerst angemessen sei, längerfristig aber ohne Gefährdung der Preisstabilität nicht aufrechterhalten werden könne.