Drucken

Berichterstattung über die Geldpolitik 2001

Ausgangslage

Die im Dezember 2000 von der Nationalbank publizierte Inflationsprognose deutete darauf hin, dass die Teuerung bei einem unveränderten Zinssatz von 3,5% im Laufe des Jahres 2001 leicht anziehen und dabei vorübergehend etwas über 2% liegen werde. Die Prognose ergab sich aufgrund des kräftigen Wirtschaftswachstums im Jahre 2000 und des massiven Anstiegs der Erdölpreise. Gleichzeitig wies die Nationalbank darauf hin, dass die sukzessive Straffung der schweizerischen Geldpolitik vom Herbst 1999 bis zum Sommer 2000 sowie die erwartete Konjunkturabkühlung in den USA und Europa dazu beitragen würden, eine inflationäre Überhitzung der schweizerischen Volkswirtschaft zu vermeiden. Für die Jahre 2001 und 2002 prognostizierte die Nationalbank eine Abschwächung des realen Wirtschaftswachstums auf 2,2% bzw. 1,6%.

Nachlassender Teuerungsdruck – Senkung des Zinszielbandes im März

Im Laufe des ersten Quartals 2001 zeigte sich indessen, dass der Preisdruck nachzulassen begann. Dazu trug neben der konjunkturellen Verlangsamung im In- und Ausland auch der unerwartet rasche Rückgang der Erdölpreise bei. Die Nationalbank reagierte auf diese Entwicklung am 22. März mit einer Senkung des Zinszielbandes für den Dreimonate-Libor um einen viertel Prozentpunkt auf 2,75%-3,75%. Dies war die erste Anpassung des Zielbandes seit Mitte 2000.

Keine Veränderung des Zinszielbandes bei der Lagebeurteilung im Juni

In den folgenden Monaten verlor die Konjunktur zwar an Schwung, doch war der Rückgang moderat und die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten blieben weiterhin stark ausgelastet. Die Nationalbank ging, wie die meisten Beobachter, davon aus, dass die amerikanische Konjunktur gegen Ende Jahr wieder leicht anziehen würde. Die am Konsumentenpreisindex gemessene Teuerung, die im ersten Quartal aufgrund von Sonderfaktoren deutlich gefallen war, stieg in den folgenden beiden Monaten wieder an und bewegte sich mit 1,5% ungefähr auf dem gleichen Niveau wie im Durchschnitt des Jahres 2000. Die am Mediengespräch vom 14. Juni präsentierte neue Inflationsprognose zeigte, dass die Nationalbank bei einem kurzfristigen Zinssatz von 3,25% mit einer Stabilisierung der Inflation in der Nähe von 1,5% im Jahre 2003 rechnete. Daher beschloss die Nationalbank bei der Lagebeurteilung im Juni, das Zinszielband unverändert zu belassen.

Zinssenkungen nach den Terroranschlägen in den USA

In der zweiten Jahreshälfte wurde immer deutlicher, dass sich die amerikanische Konjunktur nicht so rasch erholen würde, wie zunächst erwartet worden war. Ausserdem schwächte sich die europäische und vor allem die deutsche Konjunktur stärker ab als angenommen. Damit verschlechterten sich auch die Wachstumsaussichten für die Schweiz. Gleichzeitig ging die aktuelle Teuerung zurück. Damit war bereits vor den Terroranschlägen vom 11. September der Boden für eine weitere Senkung der Geldmarktsätze vorbereitet. Als die amerikanische Zentralbank und die EZB am 17. September ihre Zinssätze um einen halben Prozentpunkt senkten, zog die Nationalbank die auf den 20. September angesetzte geldpolitische Lagebeurteilung vor und senkte das Zielband um ebenfalls einen halben Prozentpunkt auf 2,25%-3,25%. Da die anderen Zentralbanken ihre Leitzinsen im gleichen Ausmass zurücknahmen, veränderte sich die Zinsdifferenz zum Ausland nicht. In den folgenden Tagen geriet der Franken vor allem gegenüber dem Euro unter starken Aufwertungsdruck. Am 21. September signalisierte die Nationalbank den Märkten, dass ihr die Entwicklung auf den Devisenmärkten grosse Sorge bereite, und am 24. September reduzierte sie das Zinszielband um nochmals einen halben Prozentpunkt auf 1,75%-2,75%. Die Nationalbank reagierte damit auf die Aufwertung des Frankens, welche die monetären Bedingungen in einer Weise zu verschärfen drohte, die vor dem Hintergrund des nachlassenden Wirtschaftswachstums unerwünscht war.

Weitere Senkung des Zinszielbandes im Dezember

An der geldpolitischen Lagebeurteilung im Dezember beschloss die Nationalbank, das Zielband für den Dreimonate-Libor nochmals um einen halben Prozentpunkt auf 1,25%-2,25% zurückzunehmen. Sie reagierte damit auf die weitere Verschlechterung der Konjunkturaussichten und die damit verbundene Abnahme des Inflationsdrucks. Die am Mediengespräch vom 7. Dezember veröffentlichte Inflationsprognose, die auf einem Dreimonate-Libor von 1,75% basiert, rechnet mit einer Inflationsrate von durchschnittlich 0,9% für 2002, 1,3% für 2003 und 1,5% für 2004. Gleichzeitig legte die Nationalbank der Prognose einen Anstieg des realen Bruttoinlandproduktes von 1,5% im Jahre 2001 und von rund 1% im Jahre 2002 zu Grunde.

Kurzfristiger Anstieg der Repo-Sätze innerhalb des Zinszielbandes

Mit diesen vier Zinsschritten nahm die Nationalbank das Zielband für den Dreimonate-Libor im Jahre 2001 um insgesamt 1,75 Prozentpunkte zurück. Bei jeder Änderung – ausser beim Zinsschritt vom 24. September – teilte sie den Märkten überdies mit, dass der Dreimonate-Libor bis auf weiteres im mittleren Bereich des Zielbandes gehalten würde. Da die Märkte seit Jahresbeginn jedoch immer mit tendenziell sinkenden Zinssätzen rechneten, hatte dies zur Folge, dass die Nationalbank die kurzfristigen Repo-Zinssätze zeitweise ansteigen lassen musste. Dies war insbesondere im März, September und November der Fall, als immer stärker mit einer möglicherweise sogar vorgezogenen Satzanpassung gerechnet wurde. In diesen Fällen war die Nationalbank allerdings auch bereit, die durch das Zielband gebotene Flexibilität auszunutzen und den Dreimonate-Libor vorübergehend deutlich unter die Mitte des jeweils gültigen Zielbandes fallen zu lassen.

Keine Anzeichen eines längerfristigen Preisanstiegs

Die im Laufe des Jahres 2001 vorgenommene substanzielle Senkung der kurzfristigen Zinssätze wurde dadurch erleichtert, dass die Entwicklung der Geldaggregate keine Gefährdung der längerfristigen Preisstabilität anzeigte. Die Geldmenge M3, die sich zwischen 1997 und Mitte 1999 insgesamt nur wenig verändert hatte, stieg im Laufe des Jahres 2001 zwar kontinuierlich an, doch blieb das Wachstum moderat. Im vierten Quartal lag M3 um durchschnittlich 4,8% über dem Stand des Vorjahres.

Anstieg der Notenbankgeldmenge aufgrund steigender Notennachfrage

Deutlich stärker erhöhte sich die saisonbereinigte Notenbankgeldmenge, welche die Liquidität misst, die der Wirtschaft von der Nationalbank direkt zur Verfügung gestellt wird. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf einen kräftigen Zuwachs des Notenumlaufs zurückzuführen, der durch Sonderfaktoren wie die bevorstehende Einführung des Euro-Bargeldes beeinflusst wurde. Die zweite Komponente der Notenbankgeldmenge, die Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank, nahm bei grossen Schwankungen ebenfalls zu. Zu diesen Schwankungen dürfte vor allem das Zusammenspiel zwischen den Zinserwartungen der Märkte und dem Bestreben der Nationalbank, den Dreimonate-Libor nahe der Mitte des Zinszielbandes zu halten, beigetragen haben.

geldaggregate_d_2001