Drucken

Weshalb ein starkes Bildungssystem auch der Nationalbank ein wichtiges Anliegen sein muss

Eröffnungsfeier Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Universität Luzern, Luzern, 06.09.2016

  • Vollständiger Text
    (133 KB)

Ein starkes Bildungswesen ist eine zentrale Grundlage für den Wohlstand eines Landes. In der Schweiz ist das Bildungssystem föderalistisch aufgebaut, durchlässig gestaltet und qualitativ hochstehend. Es besticht durch seine Ausrichtung auf das Ziel der Arbeitsmarktfähigkeit, was besonders in der dualen Berufsbildung mit dem ausgeprägten Bezug zur Realität in den Unternehmen zum Ausdruck kommt. Das Bildungssystem trägt dazu bei, dass die Schweizer Wirtschaft innovativ, flexibel und robust ist - und angesichts des strukturellen und technologischen Wandels auch künftig erfolgreich sein kann. Ohne gute Bildung würde der Arbeitsmarkt viel schlechter funktionieren, und die Stabilitätskultur wäre in der Gesellschaft weniger gut verankert. Diese Stärken erlauben es der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eine Geldpolitik zu führen, die auf langfristige Stabilität bedacht ist.

Attraktive Universitäten sind ein wichtiger Baustein eines guten Bildungssystems. Die SNB pflegt einen intensiven Wissens- und Meinungsaustausch mit der akademischen Welt, wobei zentralbankpolitisch relevante Themen im Vordergrund stehen. Denn sie kann ihren Auftrag nur dann optimal wahrnehmen, wenn die relevanten Erkenntnisse aus der Forschung angemessen in die Entscheidungsfindung einfliessen. Zudem rekrutiert und beschäftigt die SNB selber viele Ökonomen. Der Kontakt zu den Universitäten stellt eine notwendige Bedingung dafür dar, dass die Forscher der SNB auf dem neusten Stand des ökonomischen Wissens bleiben und die SNB als Arbeitgeberin attraktiv ist. Die SNB versteht sich aber auch als Dienstleisterin für Forschung und Lehre. Sie veröffentlicht soweit als möglich ihre eigenen Forschungsergebnisse und macht das andere von ihr gesammelte Wissen über die Volkswirtschaft, z.B. im Bereich Statistik, ebenfalls zugänglich.

Akademische Bildung ist ein Privileg, für das die Gesellschaft mit Fug und Recht eine Gegenleistung erwartet. Für Studienabgänger heisst dies, dass sie durch ein besonders grosses Engagement zum Gedeihen der Schweiz beitragen sollten. Die SNB wünscht sich von den Universitäten auch konkrete und brauchbare Anregungen für die Schweizer Wirtschaftspolitik, wie z.B. bei der Altersvorsorge und beim Gesundheitswesen. Überzeugende Lösungen in diesen Bereichen gestatten es nämlich der Geldpolitik, weiterhin die volle Wirkung zu entfalten.

Das starke Bildungssystem weist neben der wirtschaftlichen auch eine eminent staatsbürgerliche Komponente auf - als Kitt des Zusammenhalts der ganzen Gesellschaft. Erstens ermöglicht eine gute Allgemeinbildung dem Stimmbürger, sich selber eine Meinung zu komplexen Sachfragen zu machen. Dies ist eine Bedingung dafür, dass die Vorzüge der direkten Demokratie zur Entfaltung kommen können. Zweitens wirkt ein Bildungssystem, das auf die möglichst umfassende Teilhabe der Menschen an der Arbeitswelt ausgerichtet ist, als starker Integrationsfaktor. Und drittens beugt es dank hoher Qualität und Durchlässigkeit Kastendenken und Standesdünkel vor.