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Die Geldpolitik der SNB nach Aufhebung des Mindestkurses

107. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Schweizerischen Nationalbank, Bern, 24.04.2015

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Angesichts eines sich dramatisch verändernden internationalen Umfelds für die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) entschied das Direktorium am 15. Januar 2015, den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufzuheben. Wegen der anhaltenden Abschwächung des Euros in der ersten Januarhälfte 2015 wäre der Mindestkurs nur noch mit permanenten und rasch zunehmenden Interventionen am Devisenmarkt durchzusetzen gewesen. Damit war diese Massnahme nicht mehr nachhaltig.

Das Ende des Mindestkurses bedeutet nicht, dass für die Geldpolitik der SNB wieder normale Zeiten angebrochen sind. Der Franken ist insgesamt deutlich überbewertet. Diese Überbewertung sollte sich über die Zeit korrigieren. Die Nationalbank trägt bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik der Wechselkurssituation weiterhin Rechnung. Sie verfolgt die Entwicklung am Devisenmarkt und deren potenziellen Auswirkungen auf die Schweiz sehr aufmerksam. Bei Bedarf ist sie auch künftig am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.

Mit der Aufhebung des Mindestkurses reduzierte die Nationalbank den Zins auf Sichteinlagen bei ihr auf minus 0,75%. Tiefe oder negative Zinsen sind ein globales Phänomen, dem sich die Schweiz nicht entziehen kann. Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte sich die Zinsdifferenz zwischen Anlagen in ausländischer Währung und Anlagen in Franken fast auf null verringert, weil die Zinsen im Ausland im Zuge der Finanzkrise stärker gefallen sind als in der Schweiz. Damit wurde der Franken für in- und ausländische Investoren noch attraktiver. Da die ausländischen Zinsen nahe null oder negativ sind, können die Schweizer Zinsen nicht an der Nulllinie verharren. Sie müssen in den negativen Bereich sinken, um die traditionelle Zinsdifferenz tendenziell wieder herzustellen und so das Halten von Franken gegenüber anderen Währungen zu verteuern.