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Geldpolitik in Krisenzeiten - Warum Zentralbanken miteinander reden

Energie-Apéro Etavis, Zürich, 14.05.2012

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Unterschiede im Mandat einer Zentralbank sowie in der Wirtschaftsstruktur und dem Konjunkturzyklus sprechen dafür, dass jeder Währungsraum eine autonome Geldpolitik betreibt. Diese geldpolitische Autonomie hat sich für unser Land auch in der jüngsten Krise bewährt. Gleichwohl arbeiten Zentralbanken in verschiedenen Formen zusammen. Der kontinuierlich gepflegte Wissensaustausch trägt dazu bei, die Entscheidungsgrundlagen für die eigene Geldpolitik zu verbessern. Ausserdem eröffnet der Abschluss von Swapabkommen den Zugriff auf Fremdwährungen. Dies ermöglicht Zentralbanken, in Krisenzeiten Liquiditätsengpässen am internationalen Geldmarkt besser entgegenzuwirken. Schliesslich können gemeinsame Massnahmen einen starken psychologischen Effekt entfalten, weil sie den Finanzmärkten und den Wirtschaftsakteuren signalisieren, dass die Zentralbanken mit einer Stimme sprechen.

 

Autonomie und Zusammenarbeit sind keine Gegensätze. Vielmehr unterstützt und verstärkt eine gute Zusammenarbeit in einer Krise die Wirkung von eigenständig getroffenen geldpolitischen Massnahmen. Insbesondere für eine kleine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz gilt, dass die Wirksamkeit solcher Massnahmen massgeblich von der Akzeptanz des internationalen Umfelds abhängig sein kann. Ein für unser Land wichtiges Beispiel ist der Mindestkurs, eine ausserordentliche Massnahme in einer Extremsituation. Die Schweizerische Nationalbank begegnet damit Verzerrungen am Devisenmarkt, die auf internationale Ereignisse zurückgehen. Der Mindestkurs wird international akzeptiert, weil die Märkte sowie die internationalen Organisationen und die ausländischen Zentralbanken das Ziel und die Motivation verstanden haben und für berechtigt halten.