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Lehren aus der Krise für die globale Finanzmarktinfrastruktur

Zermatter Symposium, Avenir Suisse, Zermatt, 25.08.2009

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Die Finanzmarktinfrastruktur, d.h. die Börsen und Handelsplattformen sowie die nachgelagerten Systeme zur Abrechnung und Abwicklung von Zahlungen und Finanzinstrumenten, ist für das Finanzsystem unerlässlich. Im Verlaufe der Finanzkrise hat sich die Finanzmarktinfrastruktur bis anhin bewährt und dazu beigetragen, die bestehenden Unsicherheiten im Finanzsystem nicht zusätzlich zu verstärken. Dies gilt sowohl für die Zahlungs- und Abwicklungssysteme in der Schweiz als auch für die globale Finanzmarktinfrastruktur.

Hin und wieder zeigt sich jedoch, dass die Infrastruktur zur Abrechnung und Abwicklung von Geschäften nicht Schritt hält mit den sich rasch entwickelnden Finanzmärkten. Zuletzt war dies bei den ausserbörslich gehandelten Derivatgeschäften der Fall. Erst aufgrund des zunehmenden Drucks durch die Aufsichtsbehörden und Zentralbanken haben sich die Marktteilnehmer daran gemacht, für diese Geschäfte eine sicherere und effizientere Marktinfrastruktur aufzubauen. Ein Teil dieser Bemühungen zielt darauf ab, zentrale Gegenparteien zu errichten, welche das Risikomanagement der Marktteilnehmer erleichtern, die Markttransparenz erhöhen und die Komplexität des Finanzsystems reduzieren.

Die Bedeutung des letzten Punktes – dass zentrale Gegenparteien die Komplexität des Finanzsystems reduzieren – ist auch aus Sicht der übergeordneten internationalen Reformagenda nicht zu unterschätzen. Eines der wichtigsten Probleme, das in den kommenden Jahren einer Lösung zugeführt werden muss, ist zweifellos jenes, dass es Finanzinstitute gibt, die als „too big to fail“ oder auch als „too interconnected to fail“ gelten. Hier bedarf es einer längerfristigen Strategie, die darauf abzielt, soche Institute in Zukunft ordentlich liquidieren zu können. Eine Marktinfrastruktur, welche die Verflechtungen zwischen den einzelnen Finanzinstituten reduziert, ist ein wichtiges Element dieser Strategie.

Dafür verantwortlich, dass die Zahlungs- und Abwicklungssysteme jederzeit reibungslos funktionieren und den Bedürfnissen des Finanzsektors entsprechen, sind in erster Linie die Systembetreiber sowie die Marktteilnehmer. Dem Staat, und damit auch seinen Regulierungsbehörden, kommen subsidiäre Aufgaben zu. In erster Linie muss der Staat gewisse Leitplanken setzen, namentlich für jene Infrastrukturen, die für die Stabilität des Finanzsystems von Bedeutung sind. Zudem müssen die zuständigen Regulatoren in offensichtlichen Fällen von Marktversagen in Zukunft schneller als bisher intervenieren und die Marktteilnehmer verpflichten, zügig zweckmässige Lösungen zu entwickeln. Gelingt es, die richtige Balance zwischen marktwirtschaftlicher Selbstverantwortung und staatlichen Interventionen zu finden, bleibt die Finanzmarktinfrastruktur auch in Zukunft innovativ und zugleich ein Hort der Stabilität.