Drucken

Geldpolitik in einem Umfeld grösserer Unsicherheit

Geldmarkt-Apéro der SNB, Genf, 01.11.2007

  • Vollständiger Text
    (461 KB)

Unsicherheiten über den Umfang und die Verteilung von Verlusten aus US-Subprime-Hypotheken führten zu grossen Anspannungen auf den Finanzmärkten. Es besteht insbesondere eine grosse Ungewissheit über die richtige Bewertung von handelbaren Wertschriften und strukturierten Produkten, die auf Subprime-Hypotheken basieren. Die Nachfrage nach Liquidität erhöhte sich stark. Die Vertrauenskrise unter den Finanzmarktakteuren war teilweise so ausgeprägt, dass bestimmte Märkte gar nicht mehr funktionierten. Durch die Neubeurteilung der Risiken stiegen die Risikoprämien der meisten Finanzinstrumente deutlich.

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) sind Risikoprämien aus zwei Gründen wichtig. Zum einen wirken Risikoprämien als ökonomisches Signal und sollten daher die zugrunde liegenden Risiken möglichst unverzerrt widerspiegeln. Extremwerte bei den Risikoprämien bergen zudem gewisse Risiken. Abrupte und unkontrollierte Korrekturen können zu Instabilitäten auf den Finanzmärkten führen und deren Funktionsweise beeinträchtigen. Zum anderen wirken sich Risikoprämien auf den Restriktionsgrad der Geldpolitik aus. Eine Erhöhung der Risikoprämie verschärft die Geldpolitik. Das geldpolitische Konzept der SNB, in welchem der Dreimonats-Libor im Zentrum der Umsetzung der Geldpolitik steht, berücksichtigt Veränderungen der Risikoprämien systematisch.

Geldpolitik ist im heutigen Umfeld mehr denn je eine Form von Risikomanagement: Es geht darum, Risiken abzuschätzen und grosse Fehler zu vermeiden. Die Aussichten für Wachstum und Inflation sind im Moment mit grösseren Unsicherheiten behaftet, unter anderem weil die Auswirkungen der Finanzkrise noch nicht abschliessend beurteilt werden können. Zudem stellt sich der Schweiz mit dem Wechselkurs des Frankens nach wie vor ein besonderes Risiko. Die robuste Konjunkturentwicklung und die gedämpfte Inflation sorgen aber dafür, dass sich die Nationalbank in einer guten Ausgangslage befindet und bei der Festlegung der zukünftigen Geldpolitik ein ausgewogenes Vorgehen an den Tag legen kann. Dabei würde die Nationalbank nicht zögern, geldpolitisch zu handeln, falls die Frankenentwicklung die Preisstabilität gefährden würde.