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Schweizerische Geldpolitik

Mitgliederversammlung des Vereins IFZ (Institut für Finanzdienstleistungen Zug), Zug, 01.06.2006

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Nachdem sie rund 25 Jahre erfolgreich eine Geldmengenzielstrategie verfolgt hatte, beschloss die Schweizerische Nationalbank (SNB) 1999, eine grundlegend neue geldpolitische Strategie einzuschlagen. Darin übernahm sie einige wichtige Elemente des typischen "Inflation Targeting", allerdings nur in abgeschwächter und flexibler Form. Geldmengen und Kredite spielen im neuen Konzept weiterhin eine wichtige Rolle. Im Unterschied zur EZB hat die SNB jedoch darauf verzichtet, die monetäre Analyse als eigenständige Säule in ihr Konzept aufzunehmen.

Ein wichtiger Unterschied zum "Inflation Targeting" besteht in der Betonung der mittel- und langfristigen Ausrichtung der Geldpolitik auf die Erhaltung der Preisstabilität, während sich das "Inflation Targeting" üblicherweise an kurzfristigen und möglicherweise variablen Inflationszielen orientiert. Als zentraler Indikator der SNB-Geldpolitik dient eine Inflationsprognose und als operationelles Ziel ein Zielband für den Dreimonats-Libor. Die mittel- und langfristige Orientierung lässt Raum für eine gewisse Stabilisierung der Realwirtschaft.

Das neue Konzept hat sich bisher in einem turbulenten Umfeld sehr gut bewährt. Es hat erlaubt, unabhängig und flexibel auf bedeutende Schocks zu reagieren, und es hat das Vertrauen in die Beibehaltung geldpolitischer Stabilität effektiv bestärkt.

Seit der letzten vierteljährlichen Lagebeurteilung der SNB im März deuten viele Indikatoren auf eine sich stärker als damals erwartet entwickelnde Konjunktur hin. Hohe Rohstoffpreise, steigende Kapitalmarktzinsen und Turbulenzen an den Aktien- und Devisenmärkten stellen jedoch möglicherweise auch neue Risiken dar. Insgesamt scheint uns eine graduelle Normalisierung unserer Geldpolitik weiterhin angebracht. Die SNB wird jedoch nicht zögern, bei Veränderungen des Umfelds ihre Gangart zu überprüfen und, falls notwendig, zu verändern.

Die aktuelle zyklische Hochkonjunktur sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der schweizerische Binnenmarkt weiterhin strukturelle Reformen benötigt, um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu erhöhen und somit unsern Wohlstand zu sichern und die kommende demographische Herausforderung zu meistern.