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Aktuelle Entwicklungen am Geldmarkt

Geldmarkt-Apéro, Zürich, 23.03.2006

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzt ihre geldpolitischen Absichten um, indem sie das Zinsniveau auf dem Geldmarkt beeinflusst. Dabei stellt das Repo-Geschäft das wichtigste geldpolitische Instrument dar. Der Schweizerfranken Repo-Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen und verfügt weiterhin über ein grosses Wachstumspotential. Die Schweizerische Nationalbank ist bestrebt, günstige Voraussetzungen zu schaffen, um die Effizienz des Schweizerfranken Geldmarktes zu steigern und damit die Krisenresistenz des Finanzsystems zu erhöhen.

Das Referat thematisiert zwei aktuelle Entwicklungen am Geldmarkt: Die Ablösung des Lombardkredits durch die Engpassfinanzierungsfazilität (EFF) und die Umstrukturierung und Erweiterung der SNB-Effekten-Baskets für das Repo-Geschäft.

Der klassische Lombardkredit wurde im Laufe des vergangenen Jahres durch die Engpassfinanzierungsfazilität abgelöst. Die EFF ist für eine Bank die letzte Refinanzierungsquelle, wenn am Markt nicht genügend Liquidität beschafft werden kann. Um sich ein Liquiditätspolster für unerwartete Liquiditätsengpässe zu sichern, sollte deshalb jede Bank über eine EFF-Limite verfügen, um im Bedarfsfall Liquidität beziehen zu können. Die Banken haben das Recht, im Rahmen der gewährten Limite über ein Repo-Geschäft zum Sondersatz Liquidität bis zum nächsten Bankwerktag zu beziehen. Der Sondersatz wird täglich 200 Basispunkte über dem Repo-Overnight-Index (SNB) fixiert. Die Limite muss dauernd mit 110% SNB-repofähigen Effekten gedeckt sein. Neu werden die zur Deckung der Limiten notwendigen Effekten in einem auf den Namen der Bank lautenden Deckungsdepot "SNB" bei der SIS verwahrt. Grosse Vorteile gegenüber dem alten System sind, dass die Effekten auch für Intraday-Repos eingesetzt werden können und die Banken diese Effekten selbstständig bewirtschaften können. Die gewährten Limiten betragen zur Zeit insgesamt über 11 Mrd. Schweizerfranken.

Die SNB wird per 1. Juni 2006 die SNB-Repo-Baskets umstrukturieren und den Kreis der SNB-repofähigen Effekten erweitern. Die Umstrukturierung der Baskets ist eine Voraussetzung, damit künftig weitere Effektenkategorien aufgenommen werden können. Der bisherige Euro GC Basket wird zum Government GC Basket (Gov. GC Basket) und der German Jumbo Pfandbriefe GC Basket zum International GC Basket (Intl. GC Basket) umbenannt. Beide Baskets beinhalten künftig in Euro, US-Dollar, britischem Pfund und Schweizerfranken denominierte Anleihen. Die Schuldverschreibungen müssen von einer der beiden Ratinggesellschaften S&P's bzw. Moody's mindestens AA- bzw. Aa3 eingestuft sein, und das Emissionsvolumen muss wenigstens 1 Mrd. in der entsprechenden Währung betragen. Der Gov. GC Basket soll künftig ausschliesslich Staatsanleihen beinhalten, dem Intl. GC Basket werden alle übrigen diesen Anforderungen genügenden Effekten zugeteilt, sofern die SNB diese für geldpolitische Repo-Geschäfte zulässt. Der CHF GC Basket bleibt bis auf weiteres unverändert.

Ebenfalls ab 1. Juni 2006 wird die SNB weitere Effektenkategorien für geldpolitische Repo-Geschäfte zulassen und in die Baskets aufnehmen. Darunter fallen Schuldverschreibungen von Europäischen Staaten, deutschen Gebietskörperschaften, Internationalen Organisationen sowie Anleihen einzelner Schuldner mit Staatsgarantie.