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Asset Management bei Zentralbanken - Ein Spezialfall?

Universität St. Gallen, St. Gallen, 05.12.2003

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Das Management der Währungsreserven ist nach der Geldpolitik eine weitere, wichtige Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die optimale Höhe an Währungsreserven eines Landes lässt sich aufgrund der nicht präzise definierbaren Verpflichtungen nicht exakt bestimmen. Gemäss dem «Buffer Stock»-Modell sollte die Höhe der Währungsreserven analog einer Versicherungswahl durch die Wahrscheinlichkeit einer Krise, ihren Nutzenbeitrag an der Bewältigung oder Vermeidung der Krise und die Opportunitätskosten der Reservehaltung bestimmt werden. Sowohl die Erkenntnisse dieses Modells als auch internationale Vergleiche zeigen, dass die Schweiz über ein vernünftiges Ausmass an Währungsreserven verfügt. Langfristig sollte ihr Aufbau aufgrund klarer Ziele geregelt sein, wie dies in der Schweiz mit dem Wachstum des nominellen BIP als Orientierungsgrösse der Fall ist.

In ihrer Anlagepolitik orientiert sich die SNB an den Kriterien Sicherheit, Liquidität und Ertrag. Mit dem neuen Nationalbankgesetz wird sie in der Lage sein, das Profil der Anlagen noch besser an ihre Bedürfnisse anzupassen, was die Opportunitätskosten der Reservehaltung reduzieren sollte. Mit der erhöhten Komplexität der Anlagetätigkeit steigen auch die Ansprüche der «Corporate Governance». Im Einklang mit dem privaten Finanzsektor haben die Zentralbanken – darunter auch die SNB - ihre Anlage- und Risikokontrollprozesse professionalisiert und ihre Rechenschaftsablage gegenüber der Öffentlichkeit verbessert. Mit der höheren Professionalität, namentlich mit der Marktbewertung, sind die ausgewiesenen Gewinne der SNB jedoch volatiler als früher. Um die Unabhängigkeit der Geldpolitik zu gewährleisten und um die Anlagepolitik nicht einzuschränken, muss deshalb die jährliche Gewinnausschüttung der SNB, wie bereits in der Botschaft des Bundesrats zum neuen Nationalbankgesetz ausgeführt, langfristig eine variable Restgrösse und ohne direkte Zweckbindung bleiben.