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Sind Euro und Schweizer Franken zwei Schwester-Währungen?

Swiss Business Association, Singapur, 24.02.2000

  • Vollständiger Text in Englisch: "Euro and Swiss Franc : Two Sister Currencies?"
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Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Währungsunion. Trotzdem ist sie durch ihre geografische Situation und ihre engen historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Ländern der Eurozone stark in ihre europäische Umgebung eingebettet. Mehr als 50 Prozent der Schweizer Exporte gehen in Länder der Eurozone, und 70 Prozent der Schweizer Importe kommen von dort. In Zukunft wird das Wirtschaftsleben der Eurozone einen zunehmenden Einfluss auf den Wirtschaftsgang in der Schweiz ausüben, und der Wechselkurs wird dabei eine Schlüsselrolle als Transmissionsmechanismus spielen.

Wenn man aus Schweizer Sicht auf die ersten 14 Monate des Euro zurückblickt, ist die ausserordentliche Stabilität des Wechselkurses zwischen Euro und Schweizer Franken am auffälligsten. Eine eingehende Analyse zeigt, dass diese Stabilität auf einen hohen Konvergenzgrad bei den ökonomischen Fundamentaldaten und auf ähnliche geldpolitische Entscheide der Europäischen Zentralbank und der Schweizerischen Nationalbank zurückzuführen ist. Somit waren triftige ökonomische Gründe für diese Stabilität verantwortlich - und nicht etwa eine künstliche, insgeheim verfolgte Strategie der Währungsanbindung.

Der künftige Verlauf des Euro-/Franken-Kurses dürfte abhängen von der Entwicklung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten - in der Schweiz und in der Euro-Zone - und von Antworten auf einige wichtige politische Fragen wie die EU-Erweiterung und das Verhältnis der Schweiz zur EU. Es gibt keine Garantie dafür, dass der Wechselkurs im bisher beobachteten Ausmass stabil bleibt. Das Risiko von sprunghaften Ausschlägen scheint jedoch begrenzt, weil das Vorhandensein von grossen Währungsblöcken die Attraktivität des Schweizer Frankens als Reservewährung vermindert hat.

Euro und Schweizer Franken als Schwester-Währungen zu bezeichnen, ist unangemessen. Sie sollten eher als Reisegefährten angesehen werden: Sie teilen das Ziel - eine gesunde makroökonomische Entwicklung - und folgen derselben Strasse in Richtung Preissstabilität. Es wird von ihrer Verfassung abhängen, ob sie weiter Hand in Hand gehen.