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Das Gesamtinteresse des Landes

Albisgüetli-Tagung, Zürich, 15.01.1999

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Im Gesamtinteresse eines Landes zu handeln heisst, dazu beizutragen, dass Menschen in einer Gemeinschaft mit einem Höchstmass an Wohlfahrt, Sicherheit und Freiheit leben können. Es ist dies ein ideales Ziel, zu dem wir uns immer auf dem Weg befinden, ohne es je zu erreichen. Alle sind dabei gefordert. Nur dann, wenn sich eine grosse Zahl an der Gestaltung gemeinschaftlichen Zusammenlebens beteiligt, gelingt die Annäherung an das Ziel. Im Blick auf diese Herausforderung sind vor allem drei Dinge wichtig.

In erster Linie ist die Selbstverantwortung des Einzelnen zu betonen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten muss sich jeder selbst für seine Lebensgestaltung verantwortlich fühlen. Dabei geht es darum, die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu erkennen und zu entwickeln.

Nicht jeder ist dazu in gleichem Masse in der Lage. In der heutigen komplexen Welt kann überhaupt niemand seine Wünsche und Hoffnungen nur auf sich selbst gestellt verwirklichen. Wir brauchen deshalb einen rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmen, der durch die Gemeinschaft zu schaffen und zu bewahren ist. Dies ist die Aufgabe eines schlanken, aber in jeder Hinsicht leistungsfähigen Staates. Erinnern wir uns aber daran, dass wir selbst es sind, die diesen Staat tragen müssen. Die Selbstverantwortung muss deshalb durch den Gemeinsinn ergänzt werden. Dies ist die Anerkennung einer Verantwortung gegenüber dem Mitmenschen und die Bereitschaft, im gegenseitigen Respekt zusammen zu arbeiten.

Schliesslich müssen wir uns darüber Rechenschaft geben, dass es nicht nur die Notwendigkeit des Zusammenwirkens zwischen Einzelnen gibt. Es gibt sie vielmehr auch zwischen den einzelnen Gemeinschaften. Andere Gemeinschaften sind uns nach Art und Umfang mehr oder weniger ähnlich, so dass sich die Beziehungen unterschiedlich gestalten. Wesentlich ist die grundsätzliche Bereitschaft zur Öffnung. Auch im zwischenstaatlichen Bereich wird die Zusammenarbeit am besten gelingen, wenn wir das Bewusstsein des eigenen Wertes mit der Bereitschaft verbinden, andere zu kennen und anzuerkennen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche, sondern auch um gesellschaftliche und kulturelle Kontakte.

Im Zusammenwirken von Selbstverantwortung, Gemeinsinn und Offenheit nach aussen wird es am besten gelingen, im Gesamtinteresse des Landes Wohlfahrt, Sicherheit und Freiheit in hohem Masse zu verwirklichen.