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Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten

Was ist ein Repogeschäft?

Mit dem Repogeschäft steuert die Schweizerische Nationalbank die Liquidität im Finanzsystem und damit die Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität. Repogeschäfte sind befristet und weisen in der Regel Laufzeiten zwischen einem Tag (Overnight) und maximal einem Jahr auf. Je nach den geldpolitischen Bedürfnissen und der Liquiditätssituation am Geldmarkt schliesst die Nationalbank liquiditätszuführende oder liquiditätsabschöpfende Repogeschäfte ab. Im ersten Fall kauft die Nationalbank von einer Gegenpartei Wertschriften und schreibt der Gegenpartei den entsprechenden Geldbetrag in Franken auf ihrem Girokonto bei der Nationalbank gut. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Nationalbank am Ende der Laufzeit der Bank Wertschriften gleicher Gattung und Menge wieder verkauft. Für den befristeten Frankenkredit, der mit Wertschriften gedeckt ist, bezahlt die Bank der Nationalbank einen Zins, den Reposatz. Das liquiditätsabschöpfende Repogeschäft (Reverse Repo) läuft umgekehrt: Die Nationalbank verkauft der Bank Wertschriften und belastet den entsprechenden Geldbetrag dem Girokonto der Bank. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Nationalbank die Wertschriften am Ende der Laufzeit zurückkauft. Die Nationalbank bezahlt der Bank für die Dauer des Geschäfts einen Zins, den Reposatz. Nach diesem Prinzip schliessen Banken auch untereinander Repogeschäfte ab (besicherter Interbankenmarkt), um ihr Liquiditätsmanagement zu optimieren und Liquidität zu bewirtschaften.

Wie setzt die Nationalbank mittels Repogeschäften ihre Geldpolitik um?

Will die Nationalbank eine expansivere Geldpolitik verfolgen und ihren Referenzzinssatz, den Dreimonats-Libor für Frankenanlagen, reduzieren, senkt sie den Reposatz in ihren geldpolitischen Operationen. Die Nationalbank nimmt so Einfluss auf das Zinsniveau am Interbankenmarkt. Die Refinanzierungskosten der Banken sinken, was tendenziell zu einer Ausweitung des Kreditangebotes führt. Strebt die Nationalbank eine Straffung der Geldpolitik (restriktivere Geldpolitik) an und möchte den Dreimonats-Libor anheben, erhöht sie den Reposatz in ihren geldpolitischen Operationen.

Welche Rolle spielten die Repogeschäfte der Nationalbank in den letzten Jahren?

Die umfangreichen Devisenkäufe der Nationalbank in den Jahren 2009 und 2010 führten zu einem erheblichen Liquiditätsüberschuss im Bankensystem. Als Folge davon basierte die Liquiditätssteuerung zwischen Juli 2010 und August 2011 auf einer wiederkehrenden Abschöpfung der Überschussliquidität mittels liquiditätsabschöpfender Repogeschäfte und regelmässiger Emissionen von SNB Bills. Die starke Überbewertung des Frankens führte Mitte 2011 erneut zu einem Wechsel in der Liquiditätssteuerung: Die Nationalbank setzte unter anderem Repogeschäfte ein, um die geldpolitisch erforderliche massive Erhöhung der Liquidität zu erreichen und danach die Liquidität auf einem ausserordentlich hohen Stand zu halten. Die zur Sicherstellung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro getätigten Devisenkäufe führten zu einer nochmaligen Ausweitung der Liquidität am Frankengeldmarkt. Daher erneuerte die Nationalbank im Juni 2012 die letzten noch ausstehenden Repogeschäfte nicht mehr.

Wie viel verdient die Nationalbank mit dem Repogeschäft?

Je höher die Nationalbank den Reposatz festsetzt und je mehr Liquidität sie den Banken zuteilt, desto grösser wird der Zinsertrag der Nationalbank. Bei liquiditätsabschöpfenden Repogeschäften entsteht für die Nationalbank hingegen ein Zinsaufwand. Allerdings besteht der Zweck dieser Repogeschäfte nicht darin, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Sie dienen als Instrument, um eine der Schweizer Wirtschaft angemessene Geldpolitik umzusetzen.

Kann es auch sein, dass die Nationalbank für das Repogeschäft bezahlt?

Ja. Bei liquiditätsabschöpfenden Repogeschäften entsteht für die Nationalbank in der Regel ein Zinsaufwand. Doch in aussergewöhnlichen Situationen können auch liquiditätszuführende Repogeschäfte Kosten verursachen: Im August 2011 hat die Nationalbank die Frankenliquidität zur Bekämpfung der Frankenstärke massiv erhöht. Dazu hat sie auch liquiditätszuführende Repogeschäfte eingesetzt, woraus ihr ebenfalls ein Zinsaufwand entstand (negativer Reposatz).

Wer ist bei den Repogeschäften als Geschäftspartner der Nationalbank zugelassen?

Grundsätzlich sind alle in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein domizilierten Banken zu den geldpolitischen Operationen der Nationalbank zugelassen. Andere inländische Finanzmarktteilnehmer wie Versicherungen sowie Banken mit Sitz im Ausland können zu den geldpolitischen Operationen zugelassen werden, sofern dafür ein geldpolitisches Interesse besteht und sie zur Liquidität am besicherten Frankengeldmarkt beitragen. Im Jahr 2015 waren rund 150 inländische und ausländische Banken sowie 8 inländische Versicherungsgesellschaften als Geschäftspartner der Nationalbank zugelassen.

Wie und zu welchen Konditionen schliesst die Nationalbank ihre Repogeschäfte ab?

Repogeschäfte können im Rahmen von Auktionen oder bilateralen Geschäften durchgeführt werden. Traditionell werden sie täglich auf einer elektronischen Handelsplattform auktioniert. Die Nationalbank gibt dabei den Reposatz vor, zu dem sie Liquidität abgibt bzw. abschöpft. Geschäftspartner der Nationalbank am Reposystem können dann eine Offerte einreichen. Die Platzierung von Angeboten bzw. die Annahme von Offerten für Repogeschäfte auf der elektronischen Handelsplattform ermöglicht es der Nationalbank überdies, ausserhalb der Auktionen mit bilateralen Repogeschäften jederzeit auf die Zinssätze am Geldmarkt einzuwirken. Derartige bilaterale Geschäfte wurden beispielsweise von August 2011 bis Juni 2012 getätigt, um dem Markt weitere Liquidität zuzuführen. Seit Februar 2016 schliesst die Nationalbank ihre Repogeschäfte über die elektronische Handelsplattform CO:RE der SIX Repo AG ab.

Wie entscheidet die Nationalbank, welche Offerten berücksichtigt werden?

Die Repoauktionen erfolgen in der Regel in Form eines Mengentenders. Dabei reicht jeder Geschäftspartner zu einem von der Nationalbank vorgegebenen Reposatz den Betrag ein, für den er Liquidität abgeben bzw. nachfragen will. Übersteigt der Gesamtbetrag aller Offerten das von der Nationalbank festgelegte Zuteilungs- bzw. Abschöpfungsvolumen, kürzt sie die angebotenen Beträge proportional. Ansonsten erfolgt eine Vollzuteilung bzw. Vollabschöpfung. Die Höhe des Reposatzes, das Volumen und die Laufzeit der Geschäfte richten sich dabei nach den geldpolitischen Erfordernissen der Liquiditätssteuerung.

Weshalb vergibt die Nationalbank nur mit Wertschriften besicherte Kredite?

Aus ökonomischer Sicht handelt es sich bei Repos um Kreditgeschäfte. Solche Geschäfte darf die Nationalbank gemäss Art. 9 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank (NBG) nur dann mit Banken und anderen Finanzmarktteilnehmer abschliessen, wenn für die Darlehen ausreichend Sicherheiten geleistet werden. Damit sichert sich die Nationalbank gegen Verluste ab.

Was heisst "ausreichende Sicherheiten"?

Als SNB-repofähige Effekten (Wertschriften) gelten festverzinsliche, in Franken und Fremdwährung denominierte Schuldverschreibungen, in der Regel ohne Emissionen von Finanzinstituten. Die Nationalbank setzt im internationalen Vergleich traditionell hohe Mindestanforderungen an die Bonität und Marktfähigkeit von Wertschriften. Sie müssen grundsätzlich von zwei der internationalen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's oder Fitch mit einem Rating von mindestens AA-/Aa3 eingestuft sein und ein Mindestvolumen von 100 Mio. Franken (Wertschriften in Franken) bzw. im Gegenwert von 1 Mrd. Franken (Wertschriften in Fremdwährungen) aufweisen. Folgende Fremdwährungen sind gegenwärtig zugelassen: Euro, US-Dollar, Pfund, dänische, schwedische und norwegische Krone. Gegenwärtig sind rund 95% des SNB-repofähigen Volumens in Fremdwährungen denominiert. Es müssen daneben weitere Kriterien erfüllt sein (Merkblatt zu den SNB-repofähigen Effekten). Die von der Nationalbank akzeptierten Wertschriften finden sich im Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten (SNB GC Basket).

Wie hoch ist das Volumen an SNB-repofähigen Effekten?

Das täglich aktualisierte Volumen an SNB-repofähigen Effekten kann auf der Website der Nationalbank nachgeschaut werden. Die Nationalbank unterhält das "Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten" und publiziert täglich eine aktualisierte Version. Zusätzlich zum Verzeichnis führt die Nationalbank ein File mit den Mutationen im SNB GC Basket. Auch dieses File wird täglich aktualisiert und weist die Aufnahmen, Ausschlüsse und Verfälle der letzten zwölf Monaten aus. Ausserdem kann über die Effekten- und die Mutationen-Abfrage gezielt die SNB-Repofähigkeit von Effekten überprüft, respektive nach Neuaufnahmen (New), Ausschlüssen (Exclusion) oder Verfällen (Redemption) von Effekten im SNB GC Basket gesucht werden. Ende 2015 belief sich das in Franken umgerechnete Volumen an SNB-repofähigen Wertschriften auf rund 9 Bio. Franken.

Warum stützt sich die Nationalbank für ihre Auswahl an Sicherheiten auf externe Ratings?

Die Bonitätsbeurteilungen der Agenturen stellen die Grundlage für die Bewertungen dar. Eine eigene systematische Analyse der Emittenten wäre angesichts der Zahl der Wertschriften sehr aufwendig. Die Ratings werden auch am Anleihenmarkt als Basis verwendet. Die Nationalbank kann aber bei Bedarf - zusätzlich zu den Ratings der Agenturen - weitere Indikatoren für die Beurteilung der Repofähigkeit von Wertschriften heranziehen.

Was passiert, wenn ein Schuldtitel die SNB-Repofähigkeit verliert?

Die Nationalbank setzt ihre Effektenpolitik konsequent um und publiziert täglich die Mutationsliste für das Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten. Schuldtitel, welche die SNB-Repofähigkeit verlieren, werden umgehend aus dem Verzeichnis der SNB-repofähigen Effekten entfernt. Banken oder andere Finanzmarktteilnehmer, die solche Wertschriften in einem Repogeschäft mit der Nationalbank als Sicherheit gestellt haben, müssen diese innert nützlicher Frist durch andere, weiterhin SNB-repofähige Wertschriften ersetzen.

Was geschieht, wenn die als Sicherheit gelieferten Wertschriften trotz der Zulassungskriterien innert kurzer Zeit massiv an Wert einbüssen?

Während der Laufzeit von Repogeschäften können sich durch Kursschwankungen der Marktpreise der Wertschriften und der Währungen Wertveränderungen ergeben. Das System ermittelt zweimal täglich die daraus resultierenden Wertdifferenzen und generiert automatisch den entsprechenden Wertausgleich. Dieser Ausgleich erfolgt normalerweise mittels Übertrag von Wertschriften. Stehen keine Wertschriften zur Verfügung, wird eine Belastung des entsprechenden Nationalbank-Girokontos veranlasst. Dadurch wird das Risiko für die Nationalbank minimiert und die Stabilität des Repomarkts erhöht.

Wie wichtig ist die SNB-Repofähigkeit von Wertschriften für die Banken?

SNB-repofähige Wertschriften spielen eine zentrale Rolle für den besicherten Interbankenmarkt für Frankenliquidität. Die zwischen den Finanzmarktteilnehmern über das Reposystem abgeschlossenen Transaktionen wurden 2015 fast ausschliesslich durch SNB-repofähige Wertschriften gedeckt. Folglich können sämtliche Neuerungen in der Effektenpolitik der Nationalbank auch einen Einfluss auf den Interbanken-Repomarkt haben. SNB-repofähige Wertschriften gelten ausserdem als qualitativ hochwertige, liquide Aktiven gemäss der neuen Liquiditätsverordnung.

Wie hoch ist das ausstehende Volumen am Repomarkt sowie am unbesicherten Interbankenmarkt?

Per Ende 2015 waren keine geldpolitischen Repogeschäfte der Nationalbank ausstehend. Am besicherten Interbankenmarkt der SIX im Frankensegment lag das durchschnittliche ausstehende Volumen im vierten Quartal 2015 bei rund 14 Mrd. Franken, am unbesicherten Interbankenmarkt wird das entsprechende Volumen deutlich tiefer geschätzt. Bereits 2008 im Zuge der Finanzkrise kam es zu einer ersten Verlagerung weg vom unbesicherten hin zum besicherten Geldmarkt.Im Zuge der massiven Liquiditätsausweitung im August 2011 brach der Umsatz im Tagesgeld am besicherten und unbesicherten Frankengeldmarkt ein. Danach erholte sich die Aktivität am besicherten Geldmarkt leicht, während der unbesicherte Geldmarkt stagnierte. 2015 blieb die Handelsaktivität am Repomarkt aufgrund der tiefen Geldmarktzinsen und der hohen Frankenliquidität gering. Die Erhebung des Negativzinses durch die Nationalbank führte allerdings zu einer moderaten Belebung der Umsätze. Institute, deren Sichtguthaben bei der Nationalbank über ihrem Freibetrag lagen, reduzierten diese u.a. mittels Repogeschäfte, während andere, die ihren Freibetrag nicht ausgeschöpft hatten, ihre Sichtguthaben erhöhten.

Was sind SNB Bills?

SNB Bills sind verzinsliche Schuldverschreibungen der Nationalbank in Franken, die erstmals im Herbst 2008 emittiert wurden. Die Nationalbank kann mit der Emission von SNB Bills Frankenliquidität temporär vom Markt abschöpfen. Der in der SNB-Bills-Emission zugeteilte Betrag wird von den Girokonten der Banken bei der Nationalbank abgezogen, bei der Nationalbank erhöht sich der Passivposten "Eigene Schuldverschreibungen". Die Laufzeit von SNB Bills beträgt höchstens 12 Monate. SNB Bills sind SNB-repofähig, sie können somit bei den Repogeschäften als Sicherheiten eingesetzt werden. SNB Bills können wie andere Geldmarktpapiere am Sekundärmarkt gehandelt werden. Weitere Informationen finden sich unter SNB Bills.

Über welches Auktionsverfahren werden SNB Bills emittiert?

Die Auktionen von SNB Bills erfolgen in der Regel in Form eines Zinstenders mit amerikanischem Zuteilungsverfahren. An einer Auktion können sämtliche Parteien teilnehmen, die über ein Girokonto bei der Nationalbank verfügen und die als Teilnehmer sowohl am "CH Repo Markt" als auch am "OTC Spot Markt" der SIX Repo AG zugelassen sind. Die Teilnehmer reichen dabei mittels Offerten den Betrag und den Preis (Zinssatz) ein, zu denen sie bereit sind, Liquidität abzugeben. Jeder Geschäftspartner kann beliebig viele Offerten, auch mit unterschiedlichen Zinssätzen, einreichen. Die Nationalbank bezieht die Liquidität von denjenigen Teilnehmern, die unter dem bzw. beim höchsten von der Nationalbank akzeptierten Zinssatz geboten haben, wobei sie den Teilnehmern jeweils denjenigen Zinssatz bezahlt, den diese in ihrer Offerte genannt haben. Offerten, die unter dem höchsten akzeptierten Preis liegen, werden vollständig berücksichtigt. Wenn der Totalbetrag der Offerten mit dem höchsten akzeptierten Preis den verbleibenden Abschöpfungs- bzw. Zuteilungsbetrag übersteigt, wird dieser anteilig auf die Teilnehmer mit den entsprechenden Offerten nach Massgabe des Verhältnisses zwischen verbleibendem Abschöpfungs- bzw. Zuteilungsbetrag und dem Totalbetrag dieser Offerten aufgeteilt. Offerten, die über dem höchsten von der Nationalbank akzeptierten Preis liegen, werden nicht berücksichtigt.

Wofür kann die Nationalbank die SNB Bills einsetzen?

Die Emission von SNB Bills ermöglicht der Nationalbank, rasch und in grossem Umfang Liquidität abzuschöpfen. Die Nationalbank kann SNB Bills auch über den Sekundärmarkt zurückkaufen, um so bei Bedarf die Liquidität im Finanzsystem zu erhöhen. Von Mitte 2010 bis Mitte 2011 hat die Nationalbank SNB Bills emittiert, um Überschussliquidität abzuschöpfen. Ab August 2011 hat die Nationalbank im Zuge der massiven Liquiditätsausweitung keine SNB Bills mehr emittiert, auslaufende SNB Bills nicht erneuert sowie ausstehende SNB Bills zurückgekauft. Die letzten SNB Bills wurden Anfang Juli 2012 fällig und zurückbezahlt.

Wofür setzt die Nationalbank Devisengeschäfte als geldpolitisches Instrument ein?

Um der übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken, stellte die Nationalbank vom 6. September 2011 bis zum 15. Januar 2015 einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro sicher. Im Jahr 2014 musste die Nationalbank Devisen im Gegenwert von 25,8 Mrd. Franken kaufen, um den Mindestkurs durchzusetzen. In den Jahren 2012 und 2011 erwarb die Nationalbank Devisen im Gegenwert von 188 Mrd. bzw. von 17,8 Mrd. Franken, um den Mindestkurs durchzusetzen bzw. der übermässigen Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entgegenzuwirken. Die Käufe wurden mit einem breiten Kreis von Gegenparteien im In- und Ausland abgeschlossen. Bereits 2009 und vor allem 2010 intervenierte die Nationalbank am Devisenmarkt, um die massive Überbewertung des Frankens zu bekämpfen. Die Nationalbank kann auch nach der Aufhebung des Mindestkurses am Devisenmarkt aktiv sein, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen. 2015 erwarb die Nationalbank Devisen im Gegenwert von 86,1 Mrd. Franken, wobei der weitaus grösste Teil der Devisenkäufe auf den Januar entfiel.

Die im Rahmen von Devisengeschäften gekauften Devisen werden als Teil der Devisenanlagen bilanziert, die verkauften Franken werden den Girokonten der Banken gutgeschrieben. Im Gegensatz zu anderen geldpolitischen Instrumenten (z.B. Repogeschäfte und Devisenswaps) sind Devisengeschäfte unbefristeter Natur, d.h., die Bilanz der Nationalbank verändert sich permanent. Neben der Geldpolitik kommen Devisengeschäfte auch im Rahmen der Bewirtschaftung der Devisenreserven zum Einsatz. Diese sind jedoch nicht Devisengeschäfte gegen Franken und somit geldpolitisch neutral.

Was sind Negativzinsen?

Wenn der geldpolitische Zins bereits bei null liegt, die Geldpolitik aber weiter gelockert werden soll, kann eine Zentralbank die Zinsen in den negativen Bereich senken. Die Nationalbank kündigte am 18. Dezember 2014 die Einführung eines Negativzinses auf Sichtguthaben, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer auf den Girokonten bei ihr halten, an. Der Negativzins wird seit dem 22. Januar 2015 erhoben, wobei der Satz -0,75% beträgt. Der Negativzins dient dazu, die Attraktivität von Frankenanlagen zu reduzieren und so dem Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. Die SNB gewährt jedem Kontoinhaber einen individuellen Freibetrag, der nicht dem Negativzins unterliegt. Damit soll erreicht werden, dass das Bankensystem nicht unnötig belastet wird. Bei inländischen Banken beträgt der Freibetrag das Zwanzigfache des Mindestreserveerfordernisses einer bestimmten Referenzperiode. Für Kontoinhaber, die nicht mindestreservepflichtig sind, beläuft sich der Freibetrag auf mindestens 10 Mio. Franken (Merkblatt Negativzins auf Girokontoguthaben). Im Jahr 2015 beliefen sich die Erträge aus dem Negativzins für die SNB auf 1,2 Mrd. Franken.

Was hat es mit dem Mindestreserveerfordernis auf sich?

Die im Nationalbankgesetz verankerte Mindestreservepflicht sichert eine minimale Nachfrage der Banken nach Notenbankgeld und erfüllt damit einen geldpolitischen Zweck. Zu den anrechenbaren Aktiven in Franken zählen die Umlaufmünzen, die Banknoten und die Sichtguthaben (Giroguthaben) bei der Nationalbank. Das Mindestreserveerfordernis beträgt derzeit 2,5% der massgeblichen Verbindlichkeiten. Diese berechnen sich als Summe aus kurzfristigen (bis 90 Tage), auf Franken lautenden Verbindlichkeiten und 20% der Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform. Erfüllt eine Bank das Mindestreserveerfordernis nicht, so hat sie der SNB den Fehlbetrag für die Anzahl Tage der jeweiligen Unterlegungsperiode zu verzinsen. Weil aufgrund der Geldpolitik der letzten Jahre das Bankensystem sehr reichlich mit Liquidität versorgt ist, halten die Banken derzeit ein Mehrfaches der gesetzlichen Mindestreservevorschriften.

Welche weiteren geldpolitischen Instrumente hat die Nationalbank in den vergangenen Jahren eingesetzt?

2009 intervenierte die Nationalbank mittels des Einsatzes weiterer Instrumente gleichzeitig am Geld-, Devisen- und Kapitalmarkt, wobei sie das Ziel verfolgte, starke und breit abgestützte geldpolitische Impulse auszulösen. 2009 kaufte die Nationalbank Frankenobligationen privater Schuldner. Diese sind im Jahr 2010 vollständig verkauft oder wegen Fälligkeit zurückgezahlt worden.