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Fragen und Antworten zur Umsetzung der Geldpolitik

Wie setzt die Nationalbank ihre Geldpolitik um?

Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik legt die Schweizerische Nationalbank ein Zielband für den Referenzzinssatz Libor (London Interbank Offered Rate) für dreimonatige Ausleihungen zwischen Banken (Dreimonats-Libor) in Schweizer Franken fest. Das Zielband bildet neben der Definition der Preisstabilität und der bedingten Inflationsprognose das dritte Element im geldpolitischen Konzept (Fragen und Antworten zur geldpolitischen Strategie). Mit ihren geldpolitischen Operationen steuert die Nationalbank den Libor in dieses Zielband. Die Breite des Zielbands beträgt normalerweise hundert Basispunkte (ein Prozentpunkt), und die Nationalbank hält den Libor in der Regel in der Mitte des Zielbandes. Eine Übersicht über die Höhe des Zielbands seit Anfang 2000 findet sich unter der Monetären Statistik. Mit der sukzessiven Annäherung der Zinsen an null im Zuge der Finanzkrise wurde auch das Zielband für den Libor verengt. Vom 6. September 2011 bis 15. Januar 2015 war die Umsetzung auf den in dieser Periode von der SNB sichergestellten Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro ausgerichtet. Am 18. Dezember 2014 beschloss die Nationalbank, die Guthaben auf den Girokonten mit einem Zins von -0,25% zu belasten. Mit der Ankündigung des Negativzinses wurde auch das Zielband für den Libor erstmals in den negativen Bereich gesenkt und wieder auf seine übliche Breite von einem Prozentpunkt ausgedehnt. Am 15. Januar 2015 senkte die Nationalbank die Verzinsung auf ihren Girokonten auf -0,75% und verschob das Zielband nach unten auf -1,25% bis -0,25%. Der Negativzins wird seit dem 22. Januar 2015 erhoben.

Was ist der Dreimonats-Libor für Frankenanlagen?

Der Dreimonats-Libor für Frankenanlagen, der täglich in London veröffentlicht wird, entspricht dem getrimmten Mittelwert der von führenden Banken gemeldeten Zinskonditionen für unbesicherte Frankenkredite mit dreimonatiger Laufzeit zwischen Banken. Der Dreimonats-Libor ist eine wichtige Referenzgrösse für Kreditbeziehungen in der Schweiz und im Ausland. Er spielt damit für den geldpolitischen Übertragungsmechanismus in der Schweiz eine zentrale Rolle.

Warum verwendet die Nationalbank ein Zielband anstelle eines Zielzinssatzes?

Die Nationalbank kann den Dreimonats-Libor für Frankenanlagen nicht direkt steuern, dieser wird vielmehr durch die Verhältnisse am Interbankenmarkt bestimmt. Die Nationalbank kann nur das ungefähre Niveau des Dreimonats-Libors steuern, indem dem Frankengeldmarkt Liquidität entzogen oder zugeführt wird. Deshalb legt die Nationalbank ein Zielband fest, innerhalb dessen sich der Dreimonats-Libor bewegen soll.

Der Interbankenmarkt für unbesicherte Kredite hat seit 2008 deutlich an Relevanz verloren, der Libor aufgrund der Manipulationen an Glaubwürdigkeit. Warum benutzt die Nationalbank weiterhin den Libor als Referenzgrösse?

Obschon derzeit wenig unbesicherte Kreditgeschäfte am Interbankenmarkt abgeschlossen werden und die Manipulationen die Glaubwürdigkeit des Libors untergraben haben, bleibt der Libor eine wichtige Referenzgrösse für Kreditbeziehungen in der Schweiz und im Ausland. Er spielt damit für den geldpolitischen Übertragungsmechanismus weiterhin eine zentrale Rolle. Mit ihren geldpolitischen Operationen kann die Nationalbank nur das ungefähre Niveau des Libors steuern. Sie legt deshalb ein Zielband für den Dreimonats-Libor für Frankenanlagen fest, das normalerweise hundert Basispunkte beträgt. Die bekanntgewordenen Verzerrungen des Libors liegen hingegen im einstelligen Basispunktebereich. Daher ist das geldpolitische Konzept der Nationalbank nicht gefährdet.

Was sind geldpolitische Instrumente?

Geldpolitische Instrumente sind Geschäfte, mit denen die Nationalbank ihre Geldpolitik umsetzt. Art. 9 des Bundesgesetzes über die Schweizerische Nationalbank (NBG) legt die Geschäfte fest, welche die Nationalbank am Finanzmarkt tätigen darf. Die Nationalbank unterscheidet zwischen Offenmarktoperationen und stehenden Fazilitäten. Bei den Offenmarktoperationen geht die Initiative zum Geschäftsabschluss von der Nationalbank aus, bei den stehenden Fazilitäten setzt die Nationalbank lediglich die Konditionen fest, zu denen die Geschäftspartner Liquidität beziehen können. Zu den regulären Offenmarktoperationen gehören Repogeschäfte und Emissionen von SNB Bills. Auch die am 18. Dezember 2014 beschlossene Verzinsung der Girokonten (gegenwärtig zu einem Negativzins) zählt zu den geldpolitischen Instrumenten (Fragen und Antworten zum Repogeschäft und zu den anderen geldpolitischen Instrumenten). Weitere Instrumente wie zum Beispiel Devisenswaps (Fragen und Antworten zu den Devisenswaps) und Devisengeschäfte stehen bei Bedarf zur Verfügung. Zu den stehenden Fazilitäten gehören die Engpassfinanzierungs- und die Innertagsfazilität. Die Einzelheiten dazu sind in den Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank über das geldpolitische Instrumentarium festgehalten.

Wie kann die Nationalbank mittels geldpolitischer Instrumente ihre Geldpolitik umsetzen?

Die Nationalbank setzt ihre Geldpolitik um, indem sie die Liquidität am Geldmarkt in Franken steuert und so das Zinsniveau beeinflusst. Als Referenzzinssatz dient ihr dabei der Dreimonats-Libor für Frankenanlagen. Die Nationalbank steuert den Dreimonats-Libor indirekt über liquiditätszuführende oder liquiditätsabschöpfende Geldmarktgeschäfte. Durch die Volumen und die Konditionen dieser Geldmarktgeschäfte kann sie auf den Dreimonats-Libor Einfluss nehmen. Auch mit der Festlegung des Zinssatzes für ihre Girokonten beeinflusst die Nationalbank das Zinsniveau am Geldmarkt. Die Wahl des Steuerungsregimes hängt von den geldpolitischen Erfordernissen und der Liquiditätsstruktur des Bankensystems ab. Ist das Bankensystem mit Liquidität tendenziell unterversorgt, führt die Nationalbank über kurzfristige Geldmarktgeschäfte Liquidität zu und erhöht damit die Giroguthaben (Sichtguthaben) der Banken bei der Nationalbank. Im umgekehrten Fall schöpft sie Liquidität über kurzfristige Geldmarktgeschäfte ab und reduziert damit die Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank.

Welche Bedeutung haben Giroguthaben und der Geldmarkt?

Damit eine Bank ihre Zahlungsfähigkeit wahren kann, muss sie jederzeit über genügend Liquidität verfügen. Die liquidesten Aktiven einer Bank sind die Giroguthaben bei der Nationalbank, da diese unmittelbar für Zahlungen zur Verfügung stehen und gesetzliche Zahlungsmittel darstellen. Inländische Banken halten Giroguthaben zur Erfüllung des Mindestreserveerfordernisses. Zudem benötigen Banken Giroguthaben für den Zahlungsverkehr und als Liquiditätsreserve. Die Nationalbank beeinflusst die Giroguthaben, indem sie ihre geldpolitischen Instrumente einsetzt. Zwischen den einzelnen Finanzmarktteilnehmern erfolgt der Liquiditätsausgleich über den Geldmarkt. Dabei stellen Banken mit einem kurzfristigen Anlagebedarf anderen Banken mit einem kurzfristigen Refinanzierungsbedarf die Liquidität mittels Krediten zur Verfügung. Die Kreditgewährung kann dabei auf besicherter oder unbesicherter Basis erfolgen. Die Höhe der Giroguthaben beeinflusst die Aktivität am Geldmarkt. Eine Störung des Geldmarkts beeinträchtigt den Liquiditätsausgleich zwischen den Finanzmarktteilnehmern und kann die Zahlungsfähigkeit der Banken gefährden.

Warum sind die Banken daran interessiert, mit der Nationalbank Geldmarktgeschäfte abzuschliessen?

In der Vergangenheit befand sich das Bankensystem in einem Liquiditätsdefizit, d.h., es benötigte Liquidität. Die Nationalbank setzte ihre Geldpolitik um, indem sie dem Bankensystem jeweils befristete Liquidität zuführte, weswegen die Banken laufend neue Liquidität nachfragen mussten. Über die zugeführte Liquiditätsmenge und den Zinssatz steuerte die Nationalbank so den Geldmarkt und den Referenzzinssatz Dreimonats-Libor für Frankenanlagen. Seit 2010 befindet sich das Bankensystem allerdings in einem Liquiditätsüberschuss. Das ausserordentlich hohe Liquiditätsniveau ist auf von der Nationalbank getätigte Devisengeschäfte gegen Franken zurückzuführen.

Seit 2010 herrscht im Bankensystem ein Liquiditätsüberschuss. Wie kann die Nationalbank in einem solchen Umfeld den Dreimonats-Libor steuern?

Nach der Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro am 15. Januar 2015 liegt das Zielband für den Dreimonats-Libor für Frankenanlagen auf -1,25% bis -0.25%. Die Banken halten nach wie vor eine hohe Überschussliquidität. Der Dreimonats-Libor befindet sich in dem von der Nationalbank angestrebten Bereich. Die Nationalbank kann auf der operativen Ebene rasch und effektiv auf die geldpolitischen Erfordernisse reagieren. Ein Beispiel dafür ist die am 18. Dezember 2014 beschlossene Verzinsung der Girokonten (Negativzins). Bereits zwischen Mitte 2010 und Mitte 2011 war der Markt von Überschussliquidität geprägt. Die Nationalbank war auch in einem solchen Umfeld jederzeit in der Lage, mit liquiditätsabschöpfenden Offenmarktoperationen - der Ausgabe von SNB Bills (für grössere Beträge und Laufzeiten bis zu einem Jahr) und Repogeschäften - die Zinsen zu steuern. Vom 6. September 2011 bis am 15. Januar 2015 stand die Umsetzung der Geldpolitik im Zeichen des Mindestkurses. Seither basiert die Geldpolitik auf zwei Elementen: dem Negativzins und der Bereitschaft der SNB, wenn nötig am Devisenmarkt aktiv zu sein.

Sind die hohen Sichtguthaben bei der Nationalbank ein Zeichen dafür, dass die Banken das Geld bei der Nationalbank horten, anstatt es in Umlauf zu bringen?

Die Höhe der totalen Sichtguthaben (Girokonten inländische Banken und übrige Sichtguthaben) bei der Nationalbank kann nur durch die geldpolitischen Operationen der Nationalbank sowie durch den Tausch mit Bargeld verändert werden. Reduziert eine Bank ihr Giroguthaben bei der Nationalbank, fliesst dieser Betrag entweder auf ein anderes Sichtkonto bei der Nationalbank oder in den Notenumlauf. Darum kann auch die Notenbankgeldmenge, die gemäss Definition aus den Girokonten inländischer Banken und dem Notenumlauf besteht, nur von der Nationalbank verändert werden. Inwieweit die vorhandene Liquidität in den Wirtschaftskreislauf kommt, ist aus dem Wachstum der Kredite und Geldmengen zu ersehen.

Wer ist bei den geldpolitischen Operationen der Nationalbank zugelassen?

Bei geldpolitischen Operationen der Nationalbank sind grundsätzlich alle Banken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mit Girokonto bei der Nationalbank als Geschäftspartner zugelassen. Andere inländische Finanzmarktteilnehmer wie Versicherungen sowie Banken mit Sitz im Ausland können als Geschäftspartner bei geldpolitischen Operationen zugelassen werden, sofern dafür ein geldpolitisches Interesse besteht und sie zur Liquidität am besicherten Frankengeldmarkt beitragen.

Warum stellt die Nationalbank auch Banken im Ausland Liquidität zur Verfügung - betreibt sie ihre Geldpolitik nicht für die Schweiz?

Der Frankengeldmarkt kennt keine geografischen Grenzen. Der Franken ist eine der wichtigsten Währungen im internationalen Finanzverkehr und wird deshalb auch im Ausland aktiv gehandelt. Es ist folglich auch im Interesse der Schweiz, wenn Banken mit einem Domizil im Ausland ebenfalls an den liquiditätszuführenden bzw. liquiditätsabschöpfenden Geldmarktgeschäften der Nationalbank teilnehmen können.

Wie führt die Nationalbank ihre Offenmarktoperationen durch?

Die Nationalbank kann ihre Offenmarktoperationen im Rahmen von Auktionen oder bilateralen Geschäften durchführen. Die Transaktionen am Geldmarkt werden in der Regel über eine elektronische Handelsplattform abgeschlossen. Auktionen erfolgen entweder in der Form eines Mengentenders oder eines Zinstenders. Beim Mengentender ist der Zinssatz fix, und die Zuteilung erfolgt im Verhältnis der Nachfrage. Erreicht z.B. die Nachfrage das Doppelte des Angebots, erhält jede Bank 50% der von ihr nachgefragten Menge. Beim Zinstender melden die Banken, zu welchem Zinssatz sie welche Menge nachfragen. Die günstigsten Gebote werden berücksichtigt, bis die gewünschte Gesamtmenge erreicht ist. Bei einem Zinstender wird entweder nach dem amerikanischen Verfahren (die berücksichtigten Gebote werden zu dem jeweils offerierten Zins befriedigt) oder nach dem holländischen Verfahren (alle berücksichtigten Gebote zahlen oder erhalten jenen Zins, den der letzte noch berücksichtigte Anbieter genannt hat) zugeteilt bzw. abgeschöpft.

Welche Verfahren wendet die Nationalbank für ihre Offenmarktoperationen jeweils an?

Repoauktionen (inklusive US-Dollar-Auktionen im Rahmen der Liquiditäts-Swapabkommen) werden in der Regel in Form des Mengentenders durchgeführt, SNB Bills in Form des Zinstenders mit amerikanischem Zuteilungsverfahren auktioniert. Den Zinstender nach holländischem Zuteilungsverfahren benutzt die Nationalbank nicht für ihre geldpolitischen Offenmarktoperationen. Allerdings auktioniert sie in dieser Form im Auftrag des Bundes die Anleihen der Eidgenossenschaft und die Geldmarktbuchforderungen. Weitere Informationen dazu finden sich unter Primärmarkt Schweizerische Eidgenossenschaft.