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Fragen und Antworten zur Bilanz der Nationalbank

Was ist das Besondere an der Bilanz der Nationalbank?

Die Bilanz der Nationalbank ist in erster Linie das Spiegelbild ihrer geld- und währungspolitischen Aktivitäten. Sie resultiert aus der Wahrnehmung des Auftrags, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen (Fragen und Antworten zur geldpolitischen Strategie). Die Operationen, welche die Nationalbank zur Erfüllung ihres Auftrags durchführt, wirken sich auf die Höhe und Zusammensetzung der Aktiven und Passiven aus. Sie können somit einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Bilanz der Nationalbank ausüben.

Weshalb erstellt die Nationalbank eine Bilanz wie ein gewöhnliches Unternehmen?

Die Nationalbank ist gemäss Nationalbankgesetz (NBG) eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft. Grundsätzlich gelten die aktienrechtlichen Vorschriften des Obligationenrechts auch für die Nationalbank. Die Jahresrechnung der Nationalbank besteht aus der Erfolgsrechnung, der Bilanz und dem Anhang. Sie wird nach den Vorschriften des Obligationenrechts sowie nach allgemein anerkannten Grundsätzen der Rechnungslegung und entsprechend den spezifischen Anforderungen der Nationalbank als Zentralbank erstellt. Daneben muss die Nationalbank auch Vorschriften der Schweizer Börse einhalten, da ihre Aktien dort kotiert sind.

Wo findet man Zahlen und Informationen zur Entwicklung der Nationalbankbilanz?

Die Nationalbank publiziert einen detaillierten Jahresabschluss in ihrem Geschäftsbericht und legt vierteljährlich einen Zwischenbericht (Quartalsabschluss) ab. Darüber hinaus veröffentlicht sie monatlich auf ihrem Datenportal die Bilanzpositionen.

Wie bewertet die Nationalbank ihre Aktiven und Passiven?

Die Nationalbank wendet in der Regel die auch für andere kotierte Unternehmen üblichen Bewertungsgrundsätze an (Marktpreisbewertung) und weist Aktiven und Passiven in Franken aus. Im Geschäftsbericht sind die Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze detailliert dargestellt.

Woraus setzt sich die Aktivseite der Nationalbankbilanz zusammen?

Die Aktiven der Nationalbank bestehen im Wesentlichen aus den Währungsreserven sowie zu einem kleinen Teil aus Aktiven in Franken. Der grösste Teil der Aktiven der Nationalbank erfüllt wichtige geld- und währungspolitische Funktionen, namentlich die Devisenanlagen und die Forderungen aus Repogeschäften in Franken. Die Höhe und Zusammensetzung der Aktiven wird daher durch die geltende Währungsordnung und die Bedürfnisse der Geldpolitik bestimmt. Deshalb kann sich das Verhältnis zwischen Frankenanlagen und Währungsreserven über die Zeit ändern. So sind seit Mitte 2012 beispielsweise keine Forderungen aus Repogeschäften in Franken ausstehend. Zur Steuerung des Frankengeldmarktes sind diese derzeit nicht erforderlich, da die Liquidität in Folge der Devisenkäufe zur Durchsetzung des Mindestkurses gegenüber dem Euro bzw. im Kampf gegen die Frankenstärke auf einem ausserordentlich hohen Niveau ist (Fragen und Antworten zur Umsetzung der Geldpolitik). Zu den Währungsreserven der Nationalbank gehört auch der Goldbestand.

Woraus setzen sich die Währungsreserven der Nationalbank zusammen?

Einen wesentlichen Anteil machen die Devisenanlagen aus. Wie von Artikel 99 der Bundesverfassung vorgegeben, hält die Nationalbank einen Teil ihrer Währungsreserven auch in Gold. Weiter gehören die Reserveposition sowie die Sonderziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Währungsreserven.

Ist die Nationalbank verpflichtet, Währungsreserven zu halten?

Ja. Die Bundesverfassung legt fest, dass die Nationalbank aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven zu bilden hat. Das NBG konkretisiert dies: Die Nationalbank hat Rückstellungen zu bilden, die es erlauben, die Währungsreserven auf der geld- und währungspolitisch erforderlichen Höhe zu halten. Dabei hat sie sich an der Entwicklung der schweizerischen Volkswirtschaft zu orientieren (Art. 30 Abs. 1 NBG).

Wieso schreiben Bundesverfassung und NBG der Nationalbank vor, Währungsreserven zu halten?

Zentralbanken brauchen Währungsreserven, um jederzeit über geld- und währungspolitischen Handlungsspielraum zu verfügen. Überdies stärken Währungsreserven das Vertrauen in die Währung und dienen der Vorbeugung und Überwindung allfälliger Krisen.

Inwiefern vergrössern Währungsreserven den Handlungsspielraum einer Zentralbank?

Eine Zentralbank muss unter Umständen ihre Währungsreserven einsetzen, um beispielsweise einer starken und ungerechtfertigten Abwertung der eigenen Währung entgegenzuwirken. So kann sie einen Wertzerfall und die damit verbundene Inflationsgefahr bekämpfen. In einem kleinen Land wie der Schweiz mit einem international bedeutenden Finanzplatz sind Währungsreserven zudem für das Vertrauen wichtig. Hinreichende Währungsreserven signalisieren, dass die Nationalbank in der Lage wäre, aus eigener Kraft auch weitreichende Massnahmen zu ergreifen, um Krisen im Finanzsystem zu überwinden.

Wie bildet die Nationalbank Währungsreserven?

Grundsätzlich bildet die Nationalbank Währungsreserven aus ihren Erträgen. Deshalb schüttet sie nicht ihr gesamtes Jahresergebnis aus. Ein Teil davon wird zurückbehalten und den Rückstellungen für Währungsreserven und damit dem Eigenkapital zugewiesen (Fragen und Antworten zu Eigenkapital und Gewinnverwendung). Währungsreserven können aber auch anderweitig gebildet werden, nämlich durch das Schaffen von Notenbankgeld oder die Aufnahme von Fremdkapital in Fremdwährung.

Weshalb sind die Nationalbankbilanz und insbesondere die Währungsreserven in den letzten Jahren so stark gewachsen?

Die Höhe der Währungsreserven wird seit einigen Jahren wesentlich von der Umsetzung der Geldpolitik bestimmt. Seit 2009 spielen Devisenkäufe zur Bekämpfung einer übermässigen Aufwertung des Frankens eine wesentliche Rolle. Sind Devisenkäufe der Nationalbank nötig, nehmen die Devisenanlagen zu, und damit auch die Währungsreserven und die Bilanzsumme. Im Jahr 2012 nahmen die Devisenanlagen schnell und sehr ausgeprägt zu. Seither hat das Wachstum der Rückstellungen für Währungsreserven mit dem Wachstum der Währungsreserven nicht mehr Schritt halten können.

Lassen Veränderungen im Bestand der Devisenanlagen direkte Rückschlüsse auf Devisentransaktionen der Nationalbank zu?

Nein. Veränderungen bei den Devisenanlagen müssen nicht zwingend auf Käufe oder Verkäufe zurückzuführen sein. Auch Schwankungen der Wechselkurse und Kursveränderungen bei Aktien und Obligationen spielen eine Rolle.

Woraus setzt sich die Passivseite der Nationalbankbilanz zusammen?

Die Passiven der Nationalbank bestehen im Wesentlichen aus dem Notenumlauf, den Sichtguthaben bei der Nationalbank, den Verbindlichkeiten aus Repogeschäften in Franken, eigenen Schuldverschreibungen (SNB Bills) sowie dem Eigenkapital. Der grösste Teil der Passiven widerspiegelt direkt die Umsetzung der Geldpolitik der Nationalbank, nämlich die Zuführung oder Abschöpfung von Liquidität am Geldmarkt. Dadurch beeinflusst die Nationalbank das Zinsniveau. Vom 6. September 2011 bis zum 15. Januar 2015 war die Liquiditätsversorgung in erster Linie von der Durchsetzung des Mindestkurses geprägt. Zu diesem Zweck wurden Devisen gegen Franken gekauft. Dadurch wurde dem Geldmarkt viel Liquidität zugeführt, was sich auf der Passivseite in einem starken Anstieg der Sichtguthaben widerspiegelte. Dagegen sind derzeit keine Verbindlichkeiten aus Repogeschäften in Franken und keine eigenen Schuldverschreibungen mehr ausstehend. Diese Instrumente dienen der Abschöpfung von Liquidität, wofür aktuell keine geldpolitische Notwendigkeit besteht.

Woraus setzen sich die Sichtguthaben bei der Nationalbank zusammen?

Das Total der Sichtguthaben bei der Nationalbank umfasst als grössten Posten die Girokonten inländischer Banken. Diese Sichtkonten bilden die Grundlage für die Steuerung der Liquidität am Frankengeldmarkt durch die Nationalbank, auch dienen sie der Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Schweiz. Weiter gehören die Verbindlichkeiten gegenüber dem Bund, die Girokonten ausländischer Banken und Institutionen sowie die übrigen Sichtverbindlichkeiten dazu. Diese wiederum setzen sich hauptsächlich aus den Girokonten der Nichtbanken (Clearingstellen, Versicherungen usw.) zusammen.

Bilden Sichtguthaben Fremdkapital und damit Schulden der Nationalbank?

Sichtguthaben bei der Nationalbank - wie auch die von ihr in Verkehr gesetzten Banknoten - können ökonomisch nicht dem Fremdkapital von normalen Unternehmen oder Geschäftsbanken gleichgesetzt werden. Denn Sichtguthaben und Banknoten können nur in andere gesetzliche Zahlungsmittel getauscht werden, also wiederum in Sichtguthaben oder in Banknoten. Zudem gibt es auch kein Verfall- oder Rückzahlungsdatum, und die Höhe kann grundsätzlich von der Nationalbank bestimmt werden.