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Fragen und Antworten zur Verwaltung der Anlagen

Neben der Geld- und Währungspolitik hat die Nationalbank auch die Aufgabe, die Währungsreserven zu verwalten. Was ist darunter zu verstehen?

Zur Umsetzung ihrer Geldpolitik führt die Nationalbank geldpolitische Operationen durch, die sich auch auf die Höhe und Zusammensetzung ihrer Bilanz auswirken (Fragen und Antworten zur Bilanz der Nationalbank). Auf der Aktivseite der Nationalbankbilanz finden sich vor allem die Währungsreserven, die überwiegend aus Gold und Devisenanlagen (Anleihen, Aktien sowie Anlagen bei Zentralbanken und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ) bestehen. Einen kleinen Teil der Aktiven bilden die Frankenobligationen. Die Nationalbank bewirtschaftet die Währungsreserven und das Frankenportfolio, das heisst, sie tätigt Anlagen an den Finanzmärkten.

Wo ist die Anlagepolitik der Nationalbank geregelt?

Die Rahmenbedingungen mit dem Auftrag, den zulässigen Anlagegeschäften und den Zuständigkeiten sind im Nationalbankgesetz (NBG) festgelegt (Art. 5, 9, 42 und 46). Die Richtlinien der Nationalbank für die Anlagepolitik konkretisieren die im NBG umschriebenen Geschäfte, welche die Nationalbank zur Erfüllung ihrer anlagepolitischen Aufgaben wahrnehmen kann. Diese Richtlinien beschreiben die Grundsätze der Anlagepolitik, die Anlageinstrumente sowie den Anlage- und Risikokontrollprozess und werden vom Direktorium erlassen.

Wer beaufsichtigt die Anlagepolitik der Nationalbank?

Der Bankrat ist für die Gesamtaufsicht über den Anlage- und Risikokontrollprozess zuständig (Fragen und Antworten zum Unternehmen Nationalbank). Er beurteilt die Grundsätze des Prozesses und überwacht deren Einhaltung. Dabei wird er von dem aus drei Mitgliedern des Bankrats zusammengesetzten Risikoausschuss unterstützt. Dieser überwacht insbesondere das Risikomanagement. Die interne Berichterstattung des Risikomanagements erfolgt direkt an das Direktorium und den Risikoausschuss in Form von vierteljährlichen Risikoberichten.

Wer führt die Anlagepolitik der Nationalbank?

Über die Zusammensetzung der Währungsreserven wie auch der übrigen Aktiven entscheidet das Direktorium. Das Direktorium definiert auch die Anforderungen an die Sicherheit und Liquidität der Anlagen sowie den Kreis der zulässigen Währungen, Anlageklassen (z.B. Anleihen und Aktien) und Schuldner (z.B. Staaten oder Unternehmen, die Anleihen emittieren).

Wie gestaltet das Direktorium die Anlagepolitik?

Die Aktiven der Nationalbank werden gemäss den Kriterien Sicherheit, Liquidität und Ertrag angelegt. Die Gewichtung der einzelnen Anlagekriterien leitet sich aus den Funktionen der Währungsreserven ab. Das Direktorium legt die Anlagestrategie fest. Sie beruht auf den notenbankpolitischen Anforderungen sowie auf umfassenden Risiko- und Ertragsanalysen. Die Anlagestrategie umfasst die Verteilung der Anlagen auf die verschiedenen Währungen und Anlageklassen und definiert den Bewirtschaftungsspielraum auf operativer Ebene. Das Direktorium entscheidet in der Regel einmal jährlich über die Anlagestrategie.

Wie wird die Anlagestrategie der Nationalbank umgesetzt?

Auf der operativen Ebene bestimmt ein internes Anlagekomitee die taktische Allokation. Das heisst, es passt unterjährig im Rahmen der von der Anlagestrategie vorgegebenen Bandbreiten Grössen wie Währungsanteile und Anteile bzw. Laufzeiten der verschiedenen Anlageklassen den jeweiligen Marktbedingungen an. Das Asset Management schliesslich verwaltet die einzelnen Portfolios. Der überwiegende Teil der Anlagen wird von internen Portfoliomanagern bewirtschaftet. Externe Vermögensverwalter werden eingesetzt, falls zum einen dadurch Effizienzvorteile entstehen. Zum anderen können sie als Vergleichsmassstab für die internen Portfoliomanager herangezogen werden.

Wie erfolgt das Risikomanagement in der Anlagenbewirtschaftung?

Für die Risikosteuerung und -begrenzung wird ein System von Referenzportfolios, Richtlinien und Limiten eingesetzt. Alle massgeblichen finanziellen Risiken auf den Anlagen werden dauernd erfasst, beurteilt und überwacht. Die Risikoanalysen berücksichtigen, dass die Nationalbank einen langfristigen Anlagehorizont aufweist. Um die Kreditrisiken zu beurteilen und zu steuern, werden die Informationen der wichtigen Ratingagenturen, Marktindikatoren sowie eigene Analysen herangezogen. Bei den Risikolimiten werden auch Konzentrations- und Reputationsrisiken berücksichtigt. Die Einhaltung der Richtlinien und der Limiten wird täglich überwacht.

Wie setzt sich der Ertrag aus den Anlagen der Nationalbank zusammen, und wie wird er verbucht?

In die Berechnung fliessen Zinserträge und Dividenden sowie Wertveränderungen in Folge von Wechselkursbewegungen und Marktpreisveränderungen ein. Der resultierende Gewinn oder Verlust fliesst in die ordentliche Erfolgsrechnung der Nationalbank ein. Die Gewinnverteilung richtet sich nach den Bestimmungen des NBG und der jeweiligen Gewinnausschüttungsvereinbarung mit dem Bund (Fragen und Antworten zu Eigenkapital und Gewinnverwendung).

Verfolgt die Nationalbank bei der Verwaltung ihrer Anlagen das Ziel, einen möglichst hohen Ertrag zu erwirtschaften?

Nein. Die Nationalbank verfolgt nicht das Ziel, einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Vorrang hat die Geld- und Währungspolitik, entsprechend sind die Sicherheit und die Liquidität der Anlagen wichtiger. Dem Aspekt der Sicherheit wird Rechnung getragen, indem die Anlagen so strukturiert werden, dass langfristig mindestens der reale Werterhalt erwartet werden kann. Indem ein wesentlicher Teil der Devisenreserven in den weltweit liquidesten Staatsanleihenmärkten investiert ist, wird eine hohe Liquidität gewährleistet. Damit der langfristige Werterhalt der Anlagen in Franken erreicht werden kann, braucht es aber auch hinreichende Erträge. Deshalb werden die Staatsanleihen in den Devisenanlagen mit weiteren Anlageklassen ergänzt. Bei der Auswahl der Anlageklassen wird indes darauf geachtet, dass sich keine Konflikte mit der Geld- und Währungspolitik ergeben.

Was muss man sich unter solchen Konflikten zwischen Geld- und Währungspolitik einerseits und Anlagepolitik anderseits vorstellen?

Für die Erfüllung ihres geldpolitischen Auftrags muss die Nationalbank ihre Bilanz jederzeit ohne Einschränkungen anpassen können, ohne anlagepolitische Überlegungen zu berücksichtigen. So könnte es beispielsweise aus anlagepolitischen Überlegungen angebracht sein, gewisse Aktiven in einer Währung in Aktiven einer anderen Währung zu tauschen. Damit könnte die Nationalbank aber in Konflikt zu ihren geldpolitischen Absichten geraten. Vorrang hat bei derartigen Entscheiden immer die Geldpolitik.

Als Zentralbank verfügt die Nationalbank über spezielles Wissen hinsichtlich der Schweizer Wirtschaft und der Währungsentwicklung. Wie stellt sie sicher, dass dieses Wissen nicht in unzulässiger Weise für die Bewirtschaftung der Anlagen eingesetzt wird?

Der Anlage- und Risikokontrollprozess ist so strukturiert, dass Interessenkonflikte zwischen der Geldpolitik und der Anlagepolitik vermieden werden. Deshalb sind die Zuständigkeiten zwischen geldpolitischen und anlagepolitischen Operationen möglichst weitgehend getrennt. Zum einen darf kein Insiderwissen der Nationalbank als Zentralbank in die Anlagetätigkeit einfliessen. Zum anderen darf die Anlagetätigkeit keine unbeabsichtigten geldpolitischen Signalwirkungen aussenden. Aus diesem Grund werden keine Anlagen in Schweizer Aktien oder in Anleihen schweizerischer Unternehmen getätigt.

Verzerrt die Nationalbank mit ihrer Anlagenbewirtschaftung die Finanzmärkte?

Die Nationalbank achtet bei ihrer Anlagetätigkeit darauf, die Märkte und das Währungsgeschehen in anderen Ländern nicht zu beeinflussen. Sie geht daher stets sehr umsichtig und marktschonend vor. Die kurzfristige Aufnahmefähigkeit der einzelnen Märkte stellt für die Nationalbank ein wichtiges Kriterium dar. Im Sommer 2012 sah sich die Nationalbank beispielsweise im Zuge der Devisenmarktinterventionen zur Durchsetzung des Mindestkurses mit sehr hohen Devisenzuflüssen konfrontiert. Diese konnte sie teilweise als Guthaben bei anderen Zentralbanken halten. Damit verhinderte die Nationalbank Marktverzerrungen oder eine Beeinflussung des Währungsgeschehens in anderen Ländern.

Aus welchen Währungen und Anlageklassen setzen sich die Devisenanlagen der Nationalbank zusammen?

Der grösste Teil der Devisenanlagen der Nationalbank besteht aus Staatsanleihen, Anleihen von ausländischen Gebietskörperschaften (z.B. Provinzen und Städte) und von supranationalen Organisationen sowie Unternehmensanleihen oder ist bei anderen Zentralbanken angelegt. Der Aktienanteil betrug Ende des 1. Quartals 2016 20%. Gut 40% der Devisenanlagen sind in Euro angelegt, rund 30% lauten auf US-Dollar. Weitere wichtige Anlagewährungen sind Pfund, Yen und kanadischer Dollar. In geringerem Umfang hält die Nationalbank daneben Anlagen in australischem und Singapur-Dollar, schwedischer und dänischer Krone sowie koreanischem Won und chinesischem Renminbi. Daneben enthalten die Aktienportfolios Bestände weiterer Währungen. Die Nationalbank gibt quartalsweise die Anlagestruktur der Devisenanlagen bekannt.

Was ist der Grund für diese Struktur der Devisenanlagen?

Da in erster Linie Sicherheit und Liquidität der Anlagen ausschlaggebend sind, ist ein wesentlicher Teil der Devisenanlagen in Staatsanleihen investiert. Andererseits strebt die Nationalbank eine möglichst breite Diversifikation ihrer Devisenanlagen bezüglich Währungen, Emittenten und Instrumente an. Dies ermöglicht es, langfristig höhere Erträge zu erwirtschaften, ohne grössere Ertragsschwankungen in Kauf nehmen zu müssen. Daher investiert die Nationalbank seit längerem auch in Unternehmensanleihen und Aktien ausländischer Emittenten und hat den Kreis der Anlagewährungen in den letzten Jahren erweitert.

Wo findet man Informationen zur aktuellen Höhe und Zusammensetzung der Devisenanlagen der Nationalbank?

Die Nationalbank veröffentlicht monatlich am Ende des Folgemonats jeweils auf ihrem Datenportal die Bilanzpositionen der SNB und damit auch den Stand der Devisenanlagen. Bereits kurz nach Monatsende wird im Rahmen der "IMF Special Data Dissemination Standard"-Daten über den Bestand der Währungsreserven informiert. Diese Daten sind noch provisorisch. Zudem können die Devisenanlagen gemäss Nationalbank-Bilanzpositionen resp. gemäss IMF-Standard aufgrund unterschiedlicher Definitionen leicht voneinander abweichen. Quartalsmässig und jeweils am Ende des Folgemonats gibt die Nationalbank im Zuge des Zwischenberichts die Aufteilung ihrer Devisenanlagen auf Währungen, Anlagekategorien und Ratings (der zinstragenden Anlagen) bekannt (Devisenanlagen und Frankenanleihen). Weitere Informationen zu den Devisenanlagen finden sich im jährlichen Geschäftsbericht.

Verwaltet die Nationalbank alle Anlagen aus der Schweiz heraus?

Nein. Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Devisenreserven und der wachsenden Bedeutung der asiatischen Finanzmärkte hat die Nationalbank im Jahr 2013 in Singapur eine Niederlassung eröffnet. Diese ermöglicht eine effizientere Bewirtschaftung der asiatischen Anlagen durch die internen Portfoliomanager der Nationalbank vor Ort.

Sichert die Nationalbank das Währungsrisiko auf ihren Anlagen ab?

Währungsabsicherungen würden die Geldpolitik direkt beeinflussen, denn jegliche Absicherung käme einem Kauf von Franken gegen Fremdwährung gleich. Entsprechend sichert die Nationalbank das Währungsrisiko auf ihren Devisenanlagen nicht ab und muss das mit den Wechselkursschwankungen verbundene Risiko tragen. Daher sind die Diversifikation und die Begrenzung von Klumpenrisiken bei den Devisenanlagen für die Nationalbank von grosser Bedeutung.

Warum hat die Nationalbank gut 40% ihrer Devisenanlagen in Euro investiert, und welche Mitgliedstaaten wurden bei diesen Investitionen berücksichtigt?

Die Eurozone ist für den Aussenhandel der Schweiz der mit Abstand wichtigste Währungsraum. Deshalb spielt der Euro in der Währungsaufteilung der Devisenanlagen der Nationalbank eine wichtige Rolle. Über den Anteil der einzelnen Länder gibt die Nationalbank keine Auskunft.

Plant die Nationalbank, ihr Portfolio weiter zu diversifizieren?

Die Nationalbank prüft zu diesem Zweck kontinuierlich neue Anlageklassen, Währungen und Anlagemöglichkeiten in entwickelten und sich entwickelnden Märkten. Ziel ist es, Risikokonzentrationen zu vermeiden. So hat die Nationalbank beispielsweise im Jahr 2015 ihr Anlageuniversum der Aktien auf Unternehmen von Schwellenländern erweitert. Zudem investiert sie auf dem lokalen Markt in China in Staatsanleihen.

Wie lässt sich das Aktienengagement mit dem - wie die Nationalbank selber sagt - wichtigsten Anlagekriterium, der Sicherheit, vereinbaren?

Mit einer möglichst breiten Diversifikation ihrer Devisenanlagen kann die Nationalbank ihr Währungsrisiko reduzieren und langfristig höhere Erträge erwirtschaften, ohne grössere Ertragsschwankungen in Kauf nehmen zu müssen. Durch das Aktienengagement werden sowohl das Renditepotenzial als auch das Risikoprofil der Aktiven insgesamt verbessert.

Nach welchen Kriterien wählt die Nationalbank die Aktien in ihrem Portfolio aus?

Die Nationalbank bildet bei ihren Aktieninvestitionen eine Kombination breiter Indizes ab. Sie betreibt daher weder eine positive noch eine negative Aktienselektion, sondern bildet den internationalen Aktienmarkt in seiner Gesamtheit ab. Die Nationalbank versteht sich als Finanzinvestorin, d.h., sie erwirbt ganz bewusst keine strategischen Beteiligungen an Unternehmen. Dadurch wird die Anlagepolitik vor politischen Überlegungen abgeschirmt und der Einfluss auf einzelne Märkte möglichst gering gehalten.

Vom Prinzip der vollständigen Abdeckung einzelner Märkte macht die Nationalbank einzelne Ausnahmen. So hält sie grundsätzlich keine Aktien von mittel- und grosskapitalisierten Banken, um allfällige Interessenkonflikte zu vermeiden. Zudem hat die Nationalbank entschieden, Aktien von Unternehmen, die international geächtete Waffen produzieren, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen, aus ethischen Gründen vom Anlageuniversum auszuschliessen.

Übt die Nationalbank ihre Stimmrechte bei den Aktien aus?

2015 übte die Nationalbank erstmals ihre Stimmrechte aus, wobei sie sich auf mittel- und grosskapitalisierte Unternehmen aus dem Euroraum konzentrierte. Sie fokussiert sich bei der Stimmabgabe auf Aspekte der guten Unternehmensführung.

Läge es nicht im Interesse der Schweiz, einen Teil der Devisenanlagen in einen Staatsfonds auszulagern, um ein besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis zu erzielen und das Wechselkursrisiko zu reduzieren?

Die Nationalbank steht dem Gedanken eines Staatsfonds ablehnend gegenüber. Die Nationalbank muss bei der Anlagetätigkeit die geldpolitischen Bedürfnisse berücksichtigen und die Flexibilität behalten, die Grösse und Zusammensetzung ihrer Bilanz zu bestimmen. In einem Staatsfonds wären die Aktiven zudem denselben Wechselkursrisiken ausgesetzt wie die Währungsreserven der Nationalbank, und auch ein deutlich höherer Anteil an realen Anlagen wie Aktien böte keinen Schutz vor Wertschwankungen. Mit ihrem Ansatz, einen Teil der Währungsreserven breit gestreut in Aktien und Unternehmensanleihen zu investieren, kann die Nationalbank den positiven Risiko-Ertrags-Beitrag dieser Anlageklassen nutzen. Gleichzeitig behält sie die Flexibilität, um ihre Geld- und Anlagepolitik an die jeweiligen neuen Bedürfnisse anpassen zu können.

Woraus setzt sich das Portfolio der Frankenobligationen der Nationalbank zusammen?

Dieses Portfolio wird indexnah in Anleihen mit hoher Bonität investiert. Der Portfoliobestand entspricht daher mehrheitlich der Marktzusammensetzung. Das Portfolio besteht entsprechend aus Anleihen der Eidgenossenschaft, der Kantone und der Gemeinden. Diese Anleihen werden auf dem Sekundärmarkt gekauft und dürfen nicht aus einer Emission am Primärmarkt erworben werden (Fragen und Antworten zur Unabhängigkeit der Nationalbank und ihrem Verhältnis zum Bund). Daneben enthält das Portfolio Anleihen von anderen Staaten, Schweizer Pfandbriefe, Anleihen von internationalen Organisationen mit Sitz im Inland und ausländische Unternehmensanleihen in Franken. Das gesamte Frankenportfolio beträgt weniger als 1% der Aktiven der Nationalbank.