Bei der Lagebeurteilung vom September ging die Nationalbank davon aus, dass das Wirtschaftswachstum im Ausland etwas höher ausfallen würde, als im Juni erwartet worden war, und die amerikanische und europäische Wirtschaft noch vor Ende Jahr wieder positive Wachstumsraten aufweisen würden. Sie korrigierte dementsprechend ihre Prognosen für die grossen Volkswirtschaften deutlich nach oben, insbesondere diejenige für die USA (2010: 2,4%) und für Europa (2010: 2,2%).
Die schweizerische Wirtschaft befand sich weiterhin in einer schwierigen Lage. Die Auslastung der Produktionskapazitäten sank und die Arbeitslosigkeit stieg deutlich. Dennoch erhöhte die Nationalbank ihre BIP-Prognose für 2009 auf –1,5% bis –2%. Damit trug sie der Tatsache Rechnung, dass die Weltwirtschaft rascher als erwartet auf den Wachstumspfad zurückgefunden hatte, was auch der schweizerischen Exportwirtschaft zugute kam. Auch war das BIP im zweiten Quartal weniger stark geschrumpft, als befürchtet worden war.
Die Notenbankgeldmenge sank in den Monaten vor der Lagebeurteilung deutlich, nachdem sie zuvor infolge der grosszügigen Liquiditätsversorgung kräftig zugenommen hatte. Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung war die Liquidität indessen immer noch hoch, nicht nur bei den Banken, sondern auch bei den privaten Haushalten und den Unternehmen. Dies zeigte sich seit Anfang Jahr im hohen Wachstum der Geldaggregate M1 und M2 und seit einiger Zeit auch in einer erhöhten Zunahme von M3.
Die Entwicklung der Kredite und der Geldaggregate war Ausdruck der sehr expansiven Geldpolitik. Die Hypothekarkredite, die rund 80% des gesamten Kreditvolumens ausmachen, erhöhten sich im Juli um 4,6%. Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung gab es immer noch keine Anzeichen einer Kreditklemme, weder bei den Krediten an private Haushalte noch bei denjenigen an Unternehmen.
Der exportgewichtete Aussenwert des Frankens war im Vorfeld der Lagebeurteilung stabil, ebenso das Kursverhältnis des Frankens gegenüber dem Euro. Dies bestätigte die Wirksamkeit der seit März ergriffenen geldpolitischen Massnahmen.
Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung war die Inflation immer noch negativ und die Kerninflation tendierte nach unten. Obwohl die BIP-Prognosen nach oben korrigiert worden waren, ergab sich für 2010 und 2011 eine Teuerung nahe bei null. Es bestand damit weiterhin ein Deflationsrisiko, auch wenn es sich seit der Lagebeurteilung vom Juni verringert hatte.
Unter diesen Umständen beschloss die Nationalbank, ihre expansive Geldpolitik weiterzuführen. Sie liess das Zielband für den Dreimonats-Libor bei 0,0%–0,75% und steuerte weiterhin einen Libor von 0,25% an. Auch kündigte sie an, die Wirtschaft weiterhin grosszügig mit Liquidität zu versorgen und eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entschieden zu bekämpfen.
Die im September veröffentlichte Inflationsprognose beruhte dementsprechend auf einem Dreimonats-Libor von 0,25%. Sowohl die negative Inflation im Jahr 2009 als auch der für Anfang 2010 erwartete Teuerungsschub waren auf einen Basiseffekt bei den Energiepreisen zurückzuführen. Es wurde erwartet, dass die Inflation im weiteren Verlauf von 2010 auf einem tiefen Niveau verharren würde, sich die Produktionslücke aber rascher schliessen würde, als zuvor erwartet worden war. Als Folge stieg die für 2011 prognostizierte Inflation; diejenige für 2012 übertraf die 2%-Marke.