Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung im Juni war die Konjunktur in den USA zwar zufriedenstellend, aber etwas schwächer als erwartet. Folglich reduzierte die Nationalbank ihre US-Wachstumsprognose auf 2,2% für 2007 und 3% für 2008. Die europäische Konjunktur war hingegen besser als zuvor angenommen, so dass die neue Prognose für 2007 auf 2,6% angehoben und für 2008 unverändert bei 2,2% belassen wurde.
Die Schweizer Konjunktur war zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung vor allem dank der Nachfrage aus den benachbarten Ländern und der Wechselkursentwicklung recht robust. Zudem begünstigte die rege Wirtschaftstätigkeit seit der Lagebeurteilung vom März die Erholung am Arbeitsmarkt. Als Folge davon nahm die Zahl der Arbeitslosen nochmals ab und die Arbeitslosenquote fiel unter 3%. Für 2007 ging die Nationalbank somit von einem BIP-Wachstum von knapp 2,5% aus.
Bei den Wechselkursen hatte sich seit der letzten Lagebeurteilung der Franken gegenüber dem Euro weiter abgeschwächt und seine Aufwertung gegenüber dem Dollar fortgesetzt. Exportgewichtet hatte der Franken 1,7% verloren. Diese Lockerung der monetären Bedingungen federte weiterhin die Auswirkungen der Zinserhöhungen ab und drohte, die Inflation in einem Wirtschaftsumfeld anzuheizen, das sich durch eine hohe Auslastung der Produktionskapazitäten auszeichnete.
Vor diesem Hintergrund war die Preisstabilität verschiedenen Risiken ausgesetzt. Eines dieser Risiken ging von den hohen Erdölpreisen aus. Ein weiteres Risiko ergab sich daraus, dass sich die globale Nachfrage stärker entwickelte als die Produktionskapazitäten. Dazu kam ein Risiko, das aus der Schwäche des Frankens gegenüber dem Euro resultierte. Um mittelfristig eine Beeinträchtigung der Preisstabilität durch die gute Konjunkturlage zu verhindern, entschied sich die Nationalbank, das Zielband für den Libor erneut um 25 Basispunkte auf 2%–3% anzuheben.
Unter der Annahme eines unveränderten Libors von 2,5% lag die mittlere Jahresteuerung gemäss publizierter Inflationsprognose für 2007 bei 0,8%, für 2008 bei 1,5% und für 2009 bei 1,7%. Das Zusammenwirken der hohen Erdölpreise, der kräftigen Konjunkturentwicklung und der Frankenschwäche führte zu einer Verschlechterung der Inflationsaussichten in den Monaten nach der Lagebeurteilung. Ab Mitte 2008 bewegte sich die Teuerung auf ein leicht höheres Niveau zu, als im März vorhergesagt worden war, und erreichte am Ende des Prognosehorizonts knapp 2%.