An der letzten Lagebeurteilung 2007 ging die Nationalbank davon aus, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft, die sowohl unter dem ungünstigen Verlauf am Immobilien- und Kreditmarkt als auch unter dem Anstieg der Erdölpreise litt, im Jahr 2008 abschwächen könnte (Prognose: 2,4%). Europa schien noch kaum von der Euroaufwertung und den Finanzmarktturbulenzen betroffen, so dass die Wachstumsaussichten gut blieben, auch wenn sie die Nationalbank für 2008 etwas nach unten korrigierte (Prognose: 2%).
In der Schweiz blieb das Wachstum im dritten Quartal robust und das BIP nahm auf Jahresbasis um 3,3% zu. So setzte sich der positive Trend bei der Beschäftigung in den Monaten vor der Lagebeurteilung in fast allen Sektoren fort. Aufgrund dieser Entwicklung blieben die Wachstumsaussichten für die kommenden Quartale gut und die Nationalbank rechnete für 2008 mit einem BIP-Wachstum von rund 2%, also mit einer Abschwächung im Vergleich zum Vorjahr. Dank dieser Beruhigung konnte eine geringere Auslastung der Produktionskapazitäten erwartet werden.
Die Inflationsaussichten waren weiterhin gut, doch mit grösseren Unsicherheiten behaftet als bei der letzten Lagebeurteilung. Während die erwartete Verlangsamung des Wachstums in der Schweiz und die mässige Expansion der Geldaggregate die Preisstabilität unterstützten, gab es andere Faktoren, die sie gefährdeten. Dazu zählten der Anstieg der Erdölpreise, sollte er sich als dauerhaft erweisen, sowie die weitere Abwertung des Frankens. Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten sprach sich das Direktorium dafür aus, das Zielband für den Libor unverändert bei 2,25%–3,25% zu belassen und ein Niveau von 2,75% anzustreben.
Unter der Annahme eines unveränderten Libors von 2,75% zeigte die Inflationsprognose für das erste Halbjahr 2008 einen deutlichen Anstieg und lag zeitweise über 2%. Diese Entwicklung war vorwiegend auf den Anstieg der Erdölpreise zurückzuführen. Ab Mitte 2008 und bis zum Ende des Prognosehorizonts lag die Inflation jedoch bei etwa 1,5%. Die plötzliche Veränderung der Aussichten Mitte Jahr ging aus einem Basiseffekt hervor, und der entsprechende Verlauf der Kurve auf einem tieferen Niveau bis zum Ende des Prognosehorizonts war auf die erwartete Verlangsamung der internationalen Konjunktur zurückzuführen.